Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 4/5 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- Seite 74 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Personalpolitik der A. E. G. Vor einiger Zeit erhielten wir eine Zuschrift aus Angestelltenkreisen, die darauf hinwies, daß nach Zeitungsmeldungen und persönlichen Informationen die Bildung einer trustartigen Vereinigung zwischen der A. E. G. und den Siemens-Schuckert-Werken geplant sei. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, daß diese Fusion die Gefahr in sich schließe, daß die als judenfeindlich bekannte Angestelltenpolitik der Siemens- Schuckert-Werke die Oberhand gewinne über diejenige der A. E.G. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, sind direkte Verhandlungen zwischen der A. E. G. und den Siemens- Schuckert-Werken nicht geführt werden. Es wird jedoch auf Veranlassung eines bekannten amerikanischen Finanzmannes der Zusammenschluß der gesamten deutschen Elektrizitätsindustrie geplant. Ueber die besonderen Verhältnisse in der Personalpolitik der A. E. G. ist uns folgendes bekannt geworden: Es gibt bei der A. E. G. kein besonderes Personalressort, sondern die Personalien jeder einzelnen Abteilung werden von dem betreffenden Abteilungsleiter bearbeitet. Von einem, wie auch immer gearteten judenfeindlichen Einfluß kann in der Personalpolitik der A. E. G. keine Rede sein. Wenn es einmal vorgekommen sein mag, daß in einem einzelnen Falle für eine bestimmte Aufgabe ein christlicher Angestellter für geeigneter angesehen wurde, als ein jüdischer, so dürfen keineswegs judenfeindliche Beweggründe dafür angenommen werden. Es handelte sich dann in der Tat um die Eignungsfrage, die bei der Besetzung von Stellen jederzeit den Ausschlag zu geben hat. Dieser Fall beweist, daß man in der Beurteilung derartiger Verhältnisse äußerste Vorsicht anzuwenden hat und daß Verallgemeinerungen von Einzelfällen gerade in dieser Beziehung zu unrichtigen Schlüssen führen können. Die Berufsverschiebungen von 1907 bis 1925. In dem neuesten Heft von „Wirtschaft und Statistik" werden die weiteren Ergebnisse der Berufszählung vom 16. Juni 1925 veröffentlicht. Besonders interessant ist die Gegenüberstellung der Resultate für den Freistaat Württemberg, die einen Vergleich darüber gestattet, wie sich die Lage von 1907, dem Jahr der letzten Berufszählung vor dem Kriege bis 1925 verschoben hat. In Württemberg, wie auch in vielen anderen deutschen Staaten, hat sich die Zahl der selbstständigen Existenzen im Ganzen wenig verändert; die Selbständigen in der Landwirtschaft haben um 0,9 v. H. abgenommen, dagegen ist ihre Zahl im Gewerbe um etwa 7 v. H. und im Handel um etwa 24 v. H. gestiegen. Die Schicht der Angestellten hat sich im Ganzen verdoppelt, die Zahl der weiblichen Angestellten allein ist sogar über dreieinhalbmal so groß als im Jahre 1907. Die Arbeiterschaft hat gegenüber dem Vergleichsjahr um ein Viertel zugenommen. Die mithelfenden Familienangehörigen, deren richtige Erfassung die meisten Schwierigkeiten bereitet, haben den größten Zuwachs in der absoluten Zahl zu verzeichnen. Die allgemeine Erscheinung des Rückgangs der Hausangestellten ist auch in Württemberg nachzuweisen. Ohne daß aus diesen Zahlen auf die Bedeutung der Wirtschaftsgruppen im Rahmen der gesamten deutschen Volkswirtschaft endgiltige Schlüsse gezogen werden können, zeigt sich doch aus den bisher einheitlich feststellbaren Grundtendenzen der Entwicklung die Zunahme der Erwerbstätigkeit, insbesondere der Frauenarbeit. Wie weit davon die einzelnen Konfessionen betroffen werden, ist aus den Zählungsresultaten nicht ersichtlich, aber wer ein offenes Auge für wirtschaftliche Entwicklungen hat, dem wird die Tatsache der immer weiteren Industrialisierung und Proletarisierung der jüdischen Frau in Deutschland nicht verborgen geblieben sein. Ob wir vom Reiche oder den Ländern derartige SpezialZählungen erwarten können, wenn der Zeitpunkt für derartige Veröffentlichungen herangerückt sein mag, entzieht sich vollständig der Berechnung. Aber nicht ausgeschlossen erscheint es, daß jüdische Organisationen und Landesverbände sich das Grundmaterial verschaffen können, um durch eigene Auszählungen die Struktur der Gemeinschaft des deutschen Judentums klar und deutlich erkennen zu lassen. Wir sind überzeugt, daß eine solche Statistik geeignet ist, die Märchen und Legenden über das „parisitäre Judentum", wie sie noch immer von den Deutschvölkischen und ähnlichen Parteigruppen verbreitet werden, vollständig zu widerlegen. Erfolge unserer literarischen Aufklärungsarbeit. Auf Zusendung einiger aufklärender Schriften antwortete ein Münchener Professor mit einer Karte folgenden Inhalts: „Vielen Dank für Ihre reiche Sendung. Am meisten interessierten mich, von unserer Hamburger Unterhaltung her, die Protokolle; die Sache ist allerdings ungeheuerlich, und man faßt sich an den Kopf, daß so hanebüchener Blödsinn auch nur einen Moment "ernst genommen werden konnte. Leider schreibt Segel mir zu affektvoll, rhetorisch, journalistisch breit; für mich wäre eine streng sachliche Darstellung auf etwa ein Viertel des Raumes eindrucksvoller. Auch Steiger hat mir viel wertvolle Belehrung gegeben. In die anderen habe ich mehr nur hineingesehen, und sie für ruhigere Stunden — inschallah gibt es einmal im Leben welche ►- zurückgestellt. Mit herzlichen Grüßen." * Ein Ministerialrat im Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe richtete an uns folgendes Schreiben: „Ich danke Ihnen ergebenst für die Zusendung Ihrer Zeitung und ich bitte, sie mir auch künftig zu senden. Ich bin gern bereit, die Monatsausgabe zu abonnieren. Ich kann, wenn ich Ihre übrigens offenbar sehr gute und maßvolle Zeitung lese, ein Gefühl des Verdrusses kaum unterdrücken, des Verdrusses darüber, daß solche Dinge überhaupt noch gesagt werden müssen. Ich weiß so gut wie Sie, daß das leider notwendig ist, und ich wünsche Ihnen als ein guter und aufrechter Protestant und Deutscher den besten Erfolg." * 74