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Central-Vereins-Dienst · 1926-11-26 · 4/5 (26.11.1926) · p. Seite 72

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
4/5 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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des Hauptvorstandes gefunden, die den verschiedenen Parteien und Berufsständen angehören. Maßgebend für all unser Wirken war lediglich der Oedanke, unseren bedrohten deutschen Brüdern in ihrem schweren Daseinskampfe ohne Unterschied ihres Standes und ihres Bekenntnisses beizustehen. Andere Erwägungen haben unser Handeln nie bestimmt. Die Wertschätzung, deren wir bei der Reichsregierung und den Regierungen der Länder, sowie bei den kirchlichen Behörden aller Bekenntnisse erfreuen, sind ein beredtes Zeugnis für die wahrhaft überparteiliche, neutrale Arbeit, die wir im Dienste unseres Volkstums leisten. Ich habe selbst schon jahrelang gegen falsche Auffassungen kämpfen müssen. Aber Jahr für Jahr haben sich die Nebel gelichtet, und wenn wir allmählich mit unseren Bestrebungen auch in die Kreise unserer israelitischen Mitbürger haben eindringen können, so freut dies niemanden mehr als mich selbst. Des Zankes und des Haders haben wir wahrhaftig in Deutschland genug erlebt; wir müssen^uns endlich von den vielen Schlagworten befreien, Bie unser ganzes Dasein zu vergiften drohen, und uns zu einer großen Schicksalsgemeinschaft zusammenfinden und e i n Volk werden. Wenn unsere Mitbürger jüdischen Glaubens so gerne und freudig an dieser deutschen Zukunftsaufgabe mitarbeiten, wie ich dies nach dem regen Interesse, das Sie für unsere Arbeit bekunden, bei Ihnen voraussetzen darf, haben wir einen bedeutenden Schritt zur inneren Einigung weitergemacht. Ich möchte hoffen, sehr verehrter Herr Professor, daß mir bald einmal das Vergnügen geschenkt wird, Sie persönlich kennen zu lernen, und bin mit verbindlichstem Dank für Ihre Bemühungen .... Das Schreiben des Hauptvorstandes des V. D. A. lautet folgendermaßen: Berlin, den 23. 10. 26. Sehr geehrter Herr Professor! Wir bestätigen Ihnen den Empfang Ihres Schreibens vom 17. d. M. Wir sind allerdings der Ueberzeugung, daß es eigentlich kaum notwendig sei, zu dem Schreiben des Vorsitzenden des Badischen Oberrats der Israeliten, Herrn Dr. X., besonders Stellung zu nehmen. Herr Dr. X. hat ja schon selbst seine ursprünglichen Bedenken gegen die Unterschrift zurückgestellt, wohl in der Hauptsache aus dem Grunde, weil er eingesehen hat, daß sie nicht stichhaltig seien. Es werden ja, wie Sie selbst wissen, gegen unseren Verein von allen möglichen Seiten soviel gänzlich unberechtigte Verdächtigungen gerichtet, daß es gar nicht möglich ist, sie alle zu entkräften. Zu diesen durchaus unbegründeten Vorwürfen gehört auch der von Herrn Dr. X. angeführte, daß „Gelder unseres Vereins für Auslandsdeutsche Schulen verwendet würden, welche die Auswahl der Schüler nach völkischen Rassegrundsätzen vornehmen." Ob das tatsächlich vorgekommen ist, läßt sich doch nur nachprüfen, wenn bestimmte Schulen benannt werden. Dessen ist sich ja Dr. X. sicher auch selbst bewußt geworden. Im übrigen geht ja, wie Herr Dr. X. auch zugibt, aus unserem Aufruf für die Werbewoche hervor, daß wir „keinen Unterschied unter denen machen, die sich zum Deutschtum bekennen." Der Badische Oberrat brachte den Briefwechsel durch die folgende Aeußerung zum Abschluß: 22. November 1926. Sehr geehrter Herr Professor! Ich bestätige ergebenst den Empfang Ihrer beiden Schreiben vom 16. und 17. ds. Mts.; den mir übersandten Brief des Berliner Hauptvorstandes gebe ich in der Anlage zurück. Zu dessen Aeußerung möchte ich bemerken: Meine ursprünglichen Bedenken hatte ich zurückgestellt, weil ich gerne an meinem Teil für einen deutsch-vaterländischen Zweck eintrete. Die Mitteilungen, die ich früher gelegentlich erhalten hatte, stammen aus zuverlässiger Quelle, doch ich möchte hierauf im jetzigen Augenblick nicht mehr eingehen. Ich bin nunmehr davon überzeugt, daß der Gesamtverein Abhilfe schaffen wird, wenn eine nachgewiesene Verletzung der von Ihnen dargelegten Grundsätze zu seiner Kenntnis gelangen sollte. Für die Ausführungen Ihres Briefes vom 16. ds. Mts. danke ich Ihnen ganz besonders: Ihre Worte über unsere Volkseinheit sind mir aus dem Herzen gesprochen, und auch ich werde mich freuen, wenn ich Gelegenheit haben werde, mich mit Ihnen über Ihre Bestrebungen weiter zu unterhalten. Neueste Vorgänge beim D. Ö. A. V. In Nr. 13 der „Mitteilungen des D. Ö. A. V." schilderte Wilhelm L e h n e r seine Erholungstage „am Samerberg" u. a. mit den Worten: « „ . . . Auch ohne Hakenkreuz und ähnliches hielt sich die Bewohnerschaft des Samerberges die unerwünschten semitischen Gäste und die gesprächigeren Brüder aus dem Norden Deutschlands ferne." Dies gaben wir in Nr. 31 der „C. V.-Zeitung" bekannt. Darauf erhielten wir ein Schreiben des Verkehrsverbandes München und Bayerische Alpen e. V., in dem uns mitgeteilt wurde, daß sich der Verband an den Gemeinderat zu Törwang und zu Frasdorf gewandt habe, mit der Anfrage, ob die Behörden die Auffassung des Herrn Lehner teilen. Es heißt in dem Schreiben wörtlich: „Wenn Sie im Gegensatz zu Herrn Lehner der Ansicht sind, daß Ihnen auch Gäste aus dem Norden und jüdische Gäste willkommen sind, wollen Sie uns das bitte zum Ausdruck bringen, worauf wir der „C. V.-Zeitung" gegenüber Ihre Interessen vertreten werden." (Frasdorf und Törwang sind die Talstationen für den Samerberg.) Wenige Tage, nachdem wir von diesem Schritt des Fremdenverkehrsverbandes in Kenntnis gesetzt worden waren, teilte uns der Verband weiter mlit, daß der Schriftleiter der Deutsch-österreichischen Alpenzeitung ihm gegenüber erklärt habe, daß der beanstandete Passus in dem Artikel des Herrn Lehner durch ein Versehen der Druckerei stehengeblieben sei. In den „Mitteilungen" sei nur deshalb nicht darauf reagiert worden, damit nicht die Aufmerksamkeit des Publikums noch einmal auf die Sache gelenkt wurde. Bühnen-Volksbund. Der Vorsitzende unserer Ortsgruppe Nordhausen wandte sich mit folgender Anfrage an den dortigen Bühnen-Volksbund, eine von Zentrumskreisen gegründete Theatergemeinde: „Einige Angehörige unserer Ortsgruppe haben die Absicht, dem Bühnenvolksbund beizutreten. Angesichts des Programmes des D. V. B., wonach er seine künstlerischen Ziele auf „christlicher und nationaler Grundlage" erstrebt, haben sie Bedenken, sich zu melden. Ich erlaube mir daher ergebenst, um Aufklärung darüber zu erbitten, in welcher Weise der Begriff „christlich und national" auszulegen, insbesondere ob darin eine judenfeindliche Tendenz zu finden ist." Er erhielt darauf folgende Antwort: „Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 11. September erwidere ich Ihnen für den z. Zt. auf einer Reise abwesenden Herrn Studienrat Dr. Schönherr, daß der 72

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