Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 4/5 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- Seite 71 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Verein für das Deutschtum im Auslande. Von folgendem Schriftwechsel, der seitens des Oberrats der badischen Israeliten, Karlsruhe, nach von uns eingeholten Informationen mit dem Verein für das Deutschtum im Ausland geführt wurde, geben wir hierdurch Kenntnis, da er einen wertvo llen Beitrag für unsere Stellung zu dem V. D. A. liefert. Der V. D. A. wandte sich mit folgendem Schreiben an den badischen Oberrat: Weinheim, den 24. Sept. 1926. Im Monat November gedenkt unser Landesverband eine große Werbewoche zu veranstalten. Sie soll durch Vorträge und geeignete Festlichkeiten in allen Schichten des badischen Volkes ohne Unterschied des Standes, der parteipolitischen Gesinnung und der Konfession ein lebendiges Verständnis für das Grenz- und Auslandsdeutschtum und dessen Bedeutung für die Zukunft des gesamtdeutschen Volkes erwecken. Sie soll durch Werbung neuer Mitglieder dem Verein die Mittel zuführen, deren er dringend bedarf, um unseren deutschen Brüdern im Auslande in ihrem schweren Daseinskampt um deutsche Art und Sitte, um deutsche Muttersprache und deutsche Schule hilfreich zur Seite zu stehen. Wir sind überzeugt, daß unsere Werbewoche den erhofften Erfolg nur haben kann, wenn führende Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bevölkerung uns ihre moralische Unterstützung zuwenden. Wir haben daher beschlossen, einen Ehrenausschub zu gründen und richten an den Herrn Präsidenten Ihrer Behörde die ergebenste Bitte, diesem Ausschuß beizutreten. Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns gestatten würden, uns des Namens Ihres Herrn Präsidenten in unseren Werbeaufrufen und in der Presse zu bedienen, und wir ersuchen um gütige Rücksendung des beiliegenden Antwortformulars bis spätestens 3. Oktober. Mit verbindlichstem Dank und in vorzüglicher Hochachtung gez. Unterschrift. Obmann des Landesverbandes Baden. Es wurde daraufhin folgende Antwort erteilt: Karlsruhe, 29. September 1926. Aus Ihren gefälligen Mitteilungen habe ich ersehen, daß der Landesverband Baden des Vereins für das Deutschtum im Ausland im November eine Werbewoche veranstalten wird, die in allen Schichten des badischen Volkes ohne Unterschied des Standes, der parteipolitischen Gesinnung und der Konfession ein lebendiges Verständnis für das Grenz- und Auslandsdeutschtum und seine Bedeutung für die Zukunft des gesamtdeutschen Volkes erwecken soll. Für Ihre Aufforderung zum Beitritt in den geplanten Ehrenausschuß danke ich verbindlichst und gebe Ihnen in der Anlage meine Zusage. Hierzu bemerke ich: es gereicht mit als Vorsitzendem unserer Behörde, aber auch persönlich, zur Freude, für einen deutsch-vaterländischen Zweck durch meine Unterschrift unter den beabsichtigten Autruf eintreten zu können; Ihr Ziel, unseren deutschen Brüdern im Auslande in ihrem schweren Daseinskampt um deutsche Art und Sitte, um deutsche Muttersprache und deutsche Schule hilfreich zur Seite zu stehen, liegt auch mir durchaus am Herzen. Meiner Zusage gingen allerdings gewisse Bedenken voraus: es wurde mir gelegentlich mitgeteilt, daß Gelder Ihres Vereins für auslandsdeutsche Schulen verwendet werden, welche die Auswahl der Schüler nach völkischen Rassegrundsätzen vornehmen; gegenüber der großen allgemeinen Bedeutung Ihrer Bestrebungen für das Deutschtum habe ich aber diese Bedenken zurückgestellt, zumal aus Ihrer Zuschrift hervorgeht, daß Sie sich an alle Kreise und Schichten unseres Volkes wenden und damit zum Ausdruck bringen, daß Ihre Bestrebungen keinen Unterschied unter denen machen, die sich zum Deutschtum bekennen. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Unterschrift. Der V. D. A. erwiderte darauf das Folgende: Weinheim, den 3. Oktober 1926. Sehr geehrter Herr Professor! Für Ihren Beitritt zu unserem Ehrenausschuß spreche ich Ihnen unseren verbindlichsten Dank aus. Was die am Schluß Ihres Schreibens geäußerten Bedenken betrifft, habe ich den Hauptvorstand in Berlin davon in Kenntnis gesetzt und hoffe, Ihnen nach einiger Zeit eine befriedigende Antwort geben zu können. Ich kann Sie aber versichern, daß unser Verein jede Rassenpolitik grundsätzlich ablehnt und dieses wiederholt auf seinen großen Tagungen mit aller Entschiedenheit zum Ausdruck gebracht hat. Wir betätigen uns lediglich auf kulturellem Gebiete, und sowohl unsere Hauptleitung als auch unser badischer Landesverband wahren in dieser Richtung die allerstrengste Neutralität. Wir sind allerdings noch bei Leuten, die unsere Bestrebungen nicht genau kennen, Verdächtigungen ausgesetzt, hoffen aber alle Mißverständnisse, die häufig darauf beruhen, daß man uns mit dem Alldeutschen Verband indentifiziert, durch allmähliche gründliche Aufklärungstätigkeit aus dem Wege räumen zu können. Was die von uns unterstützten Schulen betrifft, so weiß ich aus ganz positiver Quelle, daß z. B. die Schulen der Siebenbürger Sachsen von sehr vielen Schülern jüdischen Bekenntnisses besucht werden. Indem ich Sie bitte, auch Ihre Kirchenbehörden auf unsere Werbewoche aufmerksam zu machen, bin ich in ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster gez. Unterschrift. In Ergänzung dieses Schreibens erging wenige Wochen darauf das folgende: Weinheim, den 16. November 1926. Sehr geehrter Herr Professor! Mittlerweile hat auch der Hauptvorstand auf mein Schreiben geantwortet. Er ist der Meinung, daß er eine Auskunft auf mißverständliche Aeußerungen und Beschuldigungen nur geben kann, wenn ihm ganz bestimmte Schulen genannt werden, die angeblich die Schüler ihrer vom Verein unterstützten Anstalten nach rassemäßigen Grundsätzen auswählen. Im übrigen glaubt die Hauptleitung feststellen zu dürfen, daß Sie selbst durch die Unterzeichnung des Aufrufs und Ihren Beitritt zum Ehrenausschuß jene Bedenken als ungerechtfertigt ansehen. Das Berliner Schreiben befindet sich bei den Akten, die der heute leider verreiste Geschäftsführer in seiner Wohnung hat; ich werde es Ihnen in den nächsten Tagen zugehen lassen. Ich möchte im Interesse unserer Zusammenarbeit auch mit Ihrer geschätzten Kirchenbehörde und unseren israelitischen Mitbürgern in Baden hoffen, daß hiermit diese Angelegenheit als erledigt 'betrachtet werden kann. Es werden gegen unseren Verein ja so viele Einwände von allen Seiten her erhoben, daß es mich nicht wundert, wenn ab und zu allgemein gehaltene Behauptungen aufgestellt werden, die sich, was doch entscheidend sein müßte, so gut wie gar nie auf greifbare Einzelfälle stützen. Ich bin selbst auch seit Jahren Mitglied des Hauptvorstandes, ich kann Sie aber versichern, daß noch niemals auch der leiseste Versuch gemach worden wäre, Rassefragen mit unserer kulturellen B e t r e u u n g s a r b e i t zu verquicken. Ein solches Unterfangen hätte ganz gewiß die einmütige Ablehnung der Mitglieder 71