Mannheim
Compact Memory

Central-Vereins-Dienst · 1926-11-26 · 4/5 (26.11.1926) · p. Seite 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
4/5 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 66 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620164-9626612-9626439--034-9626445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„^Penn Deutschland keine Juden hatte ... * Anläßlich der von der Stadt Lebus begangenen 700-Jahrfeier kam es zu nationalsozialistischen Ausschreitungen. Diese Tatsache benutzte die im völkischen üeist geleitete „Lebuser Zeitung", um zu erklären, daß die deutschvölkische Freiheitsbewegung organisatorisch nicht das geringste mit den Nationalsozialisten zu tun habe: „Gemeinsam ist uns nur das Hakenkreuz .... und das Ziel: Die Befreiung Deutschlands vom jüdisch-marxistischen Joch". Unsere Ortsgruppe Frankfurt a. O. nahm diesen Vorfall zum Anlaß, um im „Frankfurter Volksfreund" einen längeren Artikel zur Veröffentlichung zu bringen, in dem mit der Lebuser Zeitung und ihrem geistigen Leiter und Hauptmitarbeiter, Herrn Studienrat i. R. Karl Boesch, in energischer Weise abgerechnet wird. Besonders erwähnt wird in dieser Erwiderung das kürzlich in der Lebuser Zeitung zum Abdruck gebrachte „Zeitgedicht" von Falk Enhagen mit der Ueberschrift „Wenn Deutschland keine Juden hätte." Im Anschluß an die einzelnen in dem Gedicht enthaltenen Prophezeiungen heißt es in dem Aufsatz u.a.: „Vorbei wärs mit den Dividenden", da echte Deutsche wie Stinnes, Krupp, Helfferich, von Borsig, von Siemens, Hugenberg, Fürst Henkel von Donnersmark, Fürst von Fürstenberg, alle toten und lebenden Wirtschaftsführer, namentlich der Schwerindustrie grundsätzlich nie Dividenden bezogen haben, noch als echte Deutsche je beziehen werden. „Das Handwerk blühte frei von Sorgen", „das Dort betreit aus Wucherklauen", weil dann der Landbund mit seinen Genossenschaften alles zinslos und unter Verzicht auf jeden schnöden Gewinn besorgen würde." „Der moderne praktische Schnellrechner." In dem Buche „Der moderne praktische Schnellrechner" von Dr. Fritz Kenner, erschienen im Maximilian Wendel Verlag, Leipzig, fanden wir unter der Ueberschrift „Mathematische Gaunerstückchen", eine Rechenaufgabe, in der ein Jude als Gauner und Betrüger hingestellt wird. Wir wandten uns mit einem entsprechenden Schreiben an den Verlag und erhielten folgende Antwort: „In umgehender Beantwortung Ihres geschätzten Schreibens teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß „Kenner, Der moderne praktische Schnellrechner" ein Buch ist, das vor 12 oder 15 Jahren von uns mit der Firma Wendel übernommen worden ist. Wir bedauern außerordentlich, daß in dem Buche eine Verunglimpfung des jüdischen Kaufmannes Aufnahme gefunden hat, denn uns liegt nichts ferner, als eine derartige Kritik. Wir haben vielmehr alle Veranlassung, einen gegenteiligen Standpunkt einzunehmen, denn wir zählen eine große Anzahl jüdischer Geschäfte zu unseren Kunden und haben mit diesen allerbeste Erfahrungen gemacht. Die Sache an sich erledigt sich ja schon dadurch, daß das Buch sowieso einen äußerst geringen bezw. tar keinen Absatz hat und daß an eine Neuauflage berhaupt nicht zu denken ist. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. Unterschrift." „Wochenblatt für Pappe* und Papierbearbeitung/* In Nr. 34 des „Wochenblattes für Pappe- und Papierbearbeitung" vom 19. 8. 1926 fand sich ein Artikel „Hände weg, Taschen zu", der sich mit dem Geschäftsgebahren der Ford Motor-Company of Canada befaßte. Es findet sich darin folgender Satz! „Nach dein hebräisch-amerikanischen Universal* Rezept ,Non olet' (Oeld stinkt nicht!) ist Herr Ford demnach so entgegenkommend und rührend herablassend, auch des kleinsten Mannes Spargroschen entgegenzunehmen. Da werden Teilscheine von 180 RM. bis 1800 RM. angeboten, deren Vertrieb einem Berliner Notar, der den germanischen Namen Wygodzinski führt, übertragen worden ist. Gott der Gerechte, warum soll er's nicht tun? Non olet!" Auf eine Vorstellung beim Verlage dieser Zeitschrift wurde folgende Antwort erteilt: „Mit außerordentlichem Bedauern mußten wir — leider zu spät — feststellen, daß der betr. Artikelschreiber .Spectatort sich in seinen Ausführungen in dem betr. Aufsatz zu einer ungehörigen Redewendung verstiegen hat, die wir aufs schärfste verurteilen und bedauern, nicht allein deshalb, weil politische oder konfessionelle Gegensätze in einem wirtschaftlichen Fachblatt nicht erörtert werden sollen, wozu wir unser Wochenblatt auch keinesfalls bewußt hergeben werden, sondern auch deshalb, weil der ergebenst Unterzeichnete mit einer großen Anzahl Herren jüdischen Glaubens seit jeher gute und angenehme Freundschaft in ehrlicher Ueberzeugungstreue hält. Sie bringen in Ihrem Schreiben bereits die alleinrichtige Annahme zum Ausdruck, daß der betr. Artikel, den wir auf Anregung aus Fachkreisen noch kurz vor Erscheinen der Nummer von einem sonst sehr verständig und objektiv schreibenden Mitarbeiter bearbeiten ließen, von unserer verantwortlichen Schriftleitung, also dem Unterzeichneten, nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit gelesen wurde. Wir müssen uns hier der Unterlassungssünde zeihen, daß der Artikel infolge der Kürze der Zeit im Manuskript im Vertrauen auf die sonstige gute Schreibweise des betr. Autoren, nur flüchtig gelesen und mit diesem Urtext in die Druckerei gegeben wurde. Zum Unglück wurde der Unterzeichnete an dem Tage, an dem die Zeitungsnummer kurz vor Druck zur nochmaligen Korrektur vorlag, wo die betr. unpassende Redewendung ganz sicher bemerkt und herausgestrichen worden wäre, plötzlich zu einer Gläubigersitzung abberufen, sodaß er sich nur auf den Korrektor verlassen konnte. Dieser aber sieht die Artikel nicht auf ihren Sinn und Jnhalt, sondern nur auf 'etwaige Satz- und orthographische Fehler durch. Wir bedauern aufs Tiefste diesen verhängnisvollen Fehler, und bitten Sie recht sehr, uns wegen dieses bedauerlichen Vorkommnisses nicht nachträglich sein zu wollen. Unser Stolz ist, daß wir uns freimütig und unbeeinflußt für unsere fachlichen Interessen einsetzen und hierfür auch die ungeteilte Zustimmung aller vorurteilsfreien Fachgenossen besitzen. Aber zu einer antisemitischen Hetze würden wir uns niemals hergeben, weil ein solches Verhalten unfair wäre und unserer eigenen ehrlichen Ueberzeugimg widerspräche. Wir würden keinen Anstoß nehmen, in der nächsten Nummer eine entspr. Klarstellung zu bringen, wenn uns nicht von der hiesigen Firma Wiener Postkartenfabrik Simon, mit der wir uns gleichfalls freundschaftlichst darüber unterhalten haben, empfohlen worden wäre, dies lieber zu unterlassen, da dann vielleicht noch mehr Staub aufgewirbelt werden könnte. Wenn Sie aber anderer Ansicht sind und eine derartige Klarstellung wünschen, werden wir keinen Augenblick hierzu zögern. In der Hoffnung, daß unser sonstiges angenehmes Verhältnis durch diesen Vorfall keine Trübung erfährt, begrüßen wir Sie hochachtungsvoll Richard Lange Verlag gez. Lange." 06

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.