Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 4/5 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirksame Bekanntmachung von Vereinsveranstaltungen. Die „Hakoah", Organ des Turn- und Sportklubs Hakoah in Essen bringt in jeder Nummer groß und wirkungsvoll aufgemachte Anzeigen der C. V.-Veranstaltungen im ganzen Bezirk. In der Oktobernummer befindet sich beispielsweise eine Ausstellung der für den Oktober geplanten Veranstaltungen, die eine Seite in Anspruch nimmt. Die Vortragsabende werden außerdem noch besonders angekündigt. Das Inhaltsverzeichnis enthält jedesmal Hinweise auf die Ankündigungen des Centraivereins. Wir empfehlen dieses wirkungsvolle Verfahren zur Nachahmung. B. W. Segel. Der bekannte Publizist Benjamin W. Segel, von dem im Philoverlag eine Reihe von Broschüren erschienen ist, — eine Volksausgabe der „Weisen von Zion" kommt in der nächsten Woche noch heraus — glaubt von Seiten des C. V. wie des Philoverlages in finanzieller Hinsicht schlecht behandelt worden zu sein. Jedoch ist festzustellen, daß Herr Segel keinerlei, irgendwie begründete Ansprüche aus bestehenden oder früher geschlossenen Verträgen hat. Er hat vielmehr auf seiten des C. V. im Rahmen der vorhandenen Mittel stets über die vertraglichen Verpflichtungen hinaus Entgegenkommen gefunden. Herr Segel sucht nun seinen Wünschen gegenüber dem C. V., da sie keine rechtliche Grundlage haben, dadurch Nachdruck zu geben, daß er eine in vieler Hinsicht sachlich unrichtige Darstellung an eine Reihe prominenter Persönlichkeiten versendet. Wir erklären, ohne auf die in diesem Zusammenhang uninteressanten Einzelheiten der Streitfrage zurückzukommen, daß Herr Segel, wie wir es ihm gegenüber stets in unseren letzten Schreiben zum Ausdruck brachten, nur wenn er uns gegenüber die strenge Scheidung von Honorar und Subvention durchführt, auf unser Entgegenkommen rechnen kann. Aus der Arbeit des C. V. „Christliche Herren gesucht". Die Kakao- und Schokoladenfabriken Leonhard Monheim, Aachen und Berlin, die Fabrikanten der Trumpf-Schokolade, veröffentlichen im „Berliner Tageblatt" vom 19. 9. 26 eine Anzeige, in der christliche Herren gesucht wurden. Einer unserer Herren besuchte daraufhin die hiesige Geschäftsstelle der Firma und wir erhielten im Anschluß an diesen Besuch den folgenden Brief: „Die wenig glückliche Abfassung meines Inserates im „Berliner Tageblatt" vom 19. September, in welchem ich einige christliche Vertreter suchte, ist mir nicht nur von Ihnen, sondern auch vom großen Teil meiner jüdischen Abnehmer und Vertreter mit Recht zum Vorwurf gemacht worden. Ich möchte von vornherein bemerken, daß schon die Tatsache einer Insertion im Berliner Tageblatt und unter vollem Namen gegen die Annahme spricht, als ob ich in meinem Unternehmen antisemitische Tendenzen verfolgte oder duldete. Ich wünsche vielmehr, mit allen deutschen Staatsbürgern, gleichgültig, welcher Konfession sie angehören, zusammen zu arbeiten. Bei dem Inserat handelte es sich um zwei Plätze in Mitteldeutschland, welche nach ihrer politischen Einstellung Wert darauf legen, von christlichen Herren besucht zu werden. Diesem Umstände wurde in dem beregten Inserat irrtümlich, und zwar durch einen Fehler des betreffenden Angestellten, Rechnung getragen. Angesichts der angenehmen Geschäftsverbindungen, welche ich sowohl mit jüdischen Abnehmern als auch Lieferanten unterhalte, und der Eigenschaft einer Markenfirma, welche selbstverständlich Wert darauf legen muß, bei der gesamten Konsumentenschaft in bestem Ruf zu stehen, und angesichts der Tatsache, daß in meinem Unternehmen eine Reihe von jüdischen Vertretern und Angestellten tätig sind, erübrigt es sich eigentlich, besonders zu betonen, daß mir jede tendenziöse Absicht fernliegt." Judenfeindliches in Lesebüchern. In dem Deutschen Lesebuch für höhere Schulen, 3. Teil, Quarta, herausgegeben von Dr. Deckelmann, Oberstudienrat in Köln und Professor Dr. Johannesson, Oberstudiendirektor a. D. in Berlin, erschienen im Verlage Weidmannsche Buchhandlung- Berlin 1926, befindet sich auf Seite 67 in dem Lesestück „Etliche Zauberstücklein des Doktor Faust" eine Episode, in der von einem Juden neben der in derlei Schilderungen üblichen Charakterisierung u. a. einmal behauptetn wird, daß er „ohnehin den Christen feind war." Wir wandten uns an Professor Johannesson und wiesen auf die Wirkung einer solchen Beschreibung auf die kindliche Vorstellungswelt hin. Wir erhielten darauf das folgende Schreiben. Sehr verehrter Herr Doktor! Für den in Ihrem gefälligen Schreiben vom 20. d. M. gegebenen Hinweis spreche ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank aus. Vollkommen stimme ich mit Ihnen darin überein, daß ein für die deutsche Jugend bestimmtes Lesebuch nichts enthalten darf, was geeignet sein kann, den konfessionellen Frieden zu stören, und wer sich die Mühe nimmt, das von mir im Verein mit Deckelmann-Köln herausgegebene Lesewerk daraufhin zu prüfen, wird unschwer erkennen, daß es durchaus im Geist nationaler Einheit und konfessioneller Versöhnung gestaltet ist. Um so peinlicher ist es mir, daß die von Ihnen bezeichnete Stelle des 3. Bandes bei jüdischen Schülern Anstoß erregt hat. Sie ist dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Volksbuch vom Doktor Faustus entnommen, das wegen seiner literarischen und kulturkundlichen Bedeutung in einem deutschen Lesebuch nicht unberücksichtigt bleiben durfte. An sich enthält sie meines Erachtens nichts, was jüdisches Empfinden verletzen dürfte, denn der Betrüger ist Faust, nicht aber der Jude. Ueberdies wird ein einsichtsvoller Lehrer kaum verfehlen, bei der Behandlung des Lesestückes aut die Zeit seiner Entstehung und auf die damals herrschenden Anschauungen hinzuweisen. Gleichwohl will ich mich gern bemühen, bei einer Neuauflage durch eine Textänderung, wenn sich auch das philologische Gewissen gegen eine solche zu sträuben pflegt, der Stelle jede konfessionelle Schärfe zu nehmen. Mit hochachtungsvoller Begrüßung ergebenst gez. Johannesson. 84