Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 34 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gar vom Judentum abgefallen. — Jenen spöttischen Bemerkungen gegenüber nimmt es sich merkwürdig aus, daß jetzt die Zionisten ein Unternehmen gründen und empfehlen, welches den Namen eines getauften Juden auf sein Panier schreibt und als erste Verlagswerke Bücher von getauften Juden herausgibt. — Mit diesem Hinweis sagen wir natürlich nichts gegen die Bedeutung eines Heinrich Heine, wie sich auch nichts gegen die Bedeutung P h i 1 o s sagen läßt, und es könnte ja auch das Beispiel der Familie Mendelssohn erwähnt werden, mit deren Begründer Moses Mendelssohn sich die ganze Judenheit rühmt obgleich er auch ohne Wirkung auf seine nächste Familie blieb; denn bekanntlich waren alle seine Kinder getauft. Ohne also irgend etwas gegen die Bedeutung Heinrich Heines sagen zu wollen, stellen wir lediglich fest, wie sehr die Zionisten mit zweierlei Maß messen und wie sie bei sich selber das schön finden und anpreisen, was sie bei uns hämisch tadeln. Die „League of British Jews" gegen den Zionismus Der Londoner „Jewish Guardian" brachte in seinen Nummern 348 und 319 einige bemerkenswerte Berichte über eine Rede, die C. G. Montefiore bei der diesjährigen Hauptversammlung der „League of British Jews" gehalten hat. Montefiore beschäftigte sich in dieser Rede ausgiebig mit dem weltanschaulichen Gegensatz zwischen den in der „League" organisierten Juden, die ihrer Richtung nach ungefähr mit dem C. V. zu vergleichen sind, und den englischen Zionisten. Es ist besonders interessant zu sehen, daß sich in England die Auseinandersetzung zwischen den innerjüdischen Richtungen genau in der gleichen Weise vollzieht, wie in Deutschland, trotzdem eine erklärliche Palästinafreundlichkeit, der englischen Palästina-Politik entsprechend, ja notwendigerweise einen Bestandteil des britischen Patriotismus bildet. Die Konstruktion eines jüdischen Nationalismus jedoch lehnt Montefiore im Namen der „League of British Jews" ab und verlangt über das bloße Staatsbürgertum der englischen Juden hinaus ihr „vollkommenes Aufgehen in englischer Kultur und englischem Geist". Den innerjüdischen Vorgängen in Deutschland wird in der Rede gleichfalls starke Aufmerksamkeit zuteil. U. a. wird zu den Berliner Repräsentantenwahlen in ausführlicher Weise Stellung genommen. Erwiderungsschreiben auf eine Austrittserklärung. Auf eine Austrittserklärung, deren Begründung aus der Art der Entgegnungen ohne weiteres ersichtlich ist, wurde folgende Antwort erteilt, die wir ihrer grundsätzlichen Stellungnahme wegen unseren Lesern zur Kenntnis bringen: „Sehr geehrter Herr......! Wir erhielten Ihr Schreiben vom 25. v. M. mit dem Sie Ihren Austritt aus dem C. V. erklären. Den darin zum Ausdruck kommenden Standpunkt können wir nicht ohne Widerspruch lassen. Zunächst berührt es uns merkwürdig, daß Sie in der Haltung der „C. V.-Zeitung" eine Veränderung gegen früher feststellen zu können glauben. Seit dem Auftreten der zionistischen Bewegung haben wir unsere gegensätzliche Stellung in gleicher Offenheit vertreten. Es muß uns von jedem einsichtigen Leser als unser gutes Recht zugestanden werden, daß wir weltanschauliche Unterschiede um der gedanklichen und moralischen Sauberkeit willen nicht vertuschen, sondern mit aller gebotenen Deutlichkeit zum Ausdruck bringen. Trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes betrachten wir es als eine Selbstverständlichkeit, daß wir inner jüdische Auseinandersetzungen nicht suchen, sondern ständig bemüht sind, sie auf ein Mindestmaß zu beschränken. Sie werden immer finden, daß wo wir gegen den Zionismus aufgetreten sind, wir nicht die Angreifer, sondern die Angegriffenen waren. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, die wir seit langer Zeit beobachten: Der Zionismus kann sich ungestraft jeder Bekämpfung seiner Gegner, auch der innerpolitischen schuldig machen; wir aber werden sofort des unwürdigen Verhaltens geziehen, wenn wir auch nur den Versuch machen, diesen Angriff abzuwehren. Um nur ein Beispiel hier aufzuführen: In Nr. 22 der „Jüdischen Rundschau" vom 19. März 1926 findet sich eine Notiz „Dr. Wiener geht nach Palästina", in der die Absichten der Palästinareise des Herrn Dr. Wiener in geradezu ehrenrühriger Weise ausgelegt werden. Wir haben dazu bis jetzt geschwiegen. Wollten wir aber diese unerhörte Provokation in gebührender Weise beantworten, so könnten wir sicher sein, daß wieder w i r als die Friedensbrecher und Ruhestörer hingestellt werden würden. Wir wären Ihnen sehr dankbar, sehr geehrter Herr .... wenn Sie sich diese Dinge einmal in Ruhe durch den Kopf gehen ließen. Sie werden dann sicher zu der Ueberzeugung kommen, daß der so gern gehörte Ruf nach „Frieden um jeden Preis" einer großen politischen Organisation wie der unsrigen, nicht in allen Fällen als Marschparole dienen kann. Es ist auch eine irrige Ansicht, das i n n e r j ü - dische Gegensätze unter allen Umständen vor unseren nichtjüdischen Mitbürgern geheim gehalten werden müssen. Es ist eine selbstverständliche Notwendigkeit, daß in einem großen lebendigen Organismus wie dem deutschen Judentum, sich Kräfte und Gegenkräfte an einander messen müssen. Wenn die Austragung derartiger Gegensätzlichkeiten in sachlicher und würdiger Form erfolgt — was in unserer Zeitung durchweg der Fall ist — so braucht nichts daran das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen. Neben der Wochenausgabe der „C. V.-Zeitung" aber dient der Propaganda in unserer christlichen Umwelt in hervorragendem Maße die „Einmonatsausgabe" der „C. V.¬ Zeitung", von der wir Ihnen die drei letzten Nummern zur Einsicht beifügen. Da in ihr nur solche Artikel zusammengestellt werden, die auf das besondere Interesse unserer nichtjüdischen Mitbürger zu rechnen haben, sind naturgemäß innerjüdische Auseinandersetzungen fast nicht darin enthalten. Sie sehen also, daß Ihrem Wunsche auch nach dieser Richtung hin in hohem Maße entgegengekommen wird. Wir hoffen, sehr geehrter Herr..... daß Sie durch diese Ausführungen, die wir selbstverständlich mit beliebig vielen Einzelheiten in allen Teilen belegen könnten, nachdenklich geworden sind. Wir hoffen, daß Sie Ihre Vorwürfe als unberechtigt anerkennen werden und werden uns freuen, Sie weiter als Mitglied in unseren Reihen zu begrüßen." Organisation. Monatliche Berichterstattung. Bei der Durchsicht der Monatsberichte der Landesverbandsbeamten hat sich herausgestellt, daß die meisten Landesverbände mit den monatlich einzusendenden Berichten stark im Rückstände sind. Für Monat März sind im Ganzen nur drei Berichte eingegangen, für Monat April fünf. Die meisten Landesverbände haben seit Beginn des Jahres noch keinen einzigen Bericht eingesandt. Es wird dringendst gebeten, das Versäumte schleunigst nachzuholen. 34