Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 33 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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hoffnungslose Lage des Zionismus deutlich hervortrat, setzte sich immer stärker und eindringlicher die panarabische Bewegung durch. Sofort verläßt England seinen rein-zionistischen Standpunkt und ist nun bestrebt, seinen Einfluß auf die Araberstaaten von Aegypten, Palästina, ja auch Syrien und Mesopotamien erneut zu konsolidieren und den auf die Dauer unter der Wucht des andrängenden Groß-Arabertums zur Wirkungslosigkeit verurteilten zionistischen Flankenschutz des Suezkanals durch etwas Dauerhafteres zu ersetzen, zugleich auch den Kampf aufnehmend gegen das französische Syrien, das im Rahmen der französischen mediterranen Politik eine gleiche Bedrohung des Suezkanals, besonders aber auch des Landweges nach Bagdad bildet". (S. 101/102). Der Verfasser faßt seine Ansichten in folgenden Sätzen zusammen: „Das Schicksal Palästinas wird durch die weltpolitischen Interessen derGroßmächte in erster Linie bestimmt. Im Brennpunkt der englischen Interessensphären gelegen, hat England das größte Interesse, es zu einem starken Faktor zum Schutze vitaler englischer Positionen auszubauen. Gelingt es doch noch dem Zionismus, sich das Supremat über Palästina anzueignen, so wird England nicht zögern, dieser Macht den Vorzug vor dem etwas unsicheren arabischen Element zu geben, doch erscheint es mir, als ob diese ausführlich dargestellte weltpolitische Einstellung Englands zum Araberturn und zum Islam überhaupt nach und nach die palästinensische Politik in arabisches Fahrwasser leitet und eine groß-arabische Union unter englischer Aegide der zionistischen Herrschaft vorziehen wird". (Seite 106). (Sämtliche Sperrungen durch C.-V.-D.) Die Aussicht für die Entwicklung einer Industrie hält der Verfasser bei dem völligen Mangel an Kohle und Eisen für sehr gering. Günstiger beurteilt er die Aussichten der Landwirtschaft und des Handels, obgleich auch hier die mangelnde Kaufkraft des Landes selbst den lokalen Handel noch lange Zeit am Aufblühen verhindern wird. Zur richtigen Beurteilung des Buches sei darauf hingewiesen, daß das Tatsachenmaterial, auf das sich der Verfasser stützt, nur bis Mitte 1924 reicht. Bei der raschen Entwicklung Palästinas ist das wohl zu beachten. Auch die politische Lage im Mittelmeer und im Orient hat sich seit damals erheblich geändert, wie die Vorgänge in Marokko und Syrien zeigen. Auch dies muß bei der Beurteilung dessen, was der Verfasser über die Weltpolitik sagt, in Betracht gezogen werden. Das Buch ist zum Preise von 5,50 M. durch den Philo-Verlag zu beziehen. i Vom „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten". Eine der letzten Nummern des „Schild" enthält einen Aufsatz des Herrn Rechtsanwalt Dr. Steffen Kann - Frankfurt a. Main „Aus dem Leben einer Ortsgruppe". In ihm befinden sich folgende Sätze: „Notwendig ist ferner die Aufrechterhaltung der unbedingten Neutralität in deutschpolitischen und jüdischpolitischen Dingen. Diese Aufgabe ist schwer, aber sie muß gelingen. Wir haben diese politische Neutralität in allen Kleinigkeiten, selbst in der Auswahl von Kranzschleifen bei offiziellen Gelegenheiten auf das strikteste gewahrt und damit die besten Erfahrungen gemacht. Aber damit soll keineswegs gesagt sein, daß wir unter politischer Neutralität auch politische Kastration verstehen. Die Neutralität hört in dem Augenblicke auf, wo wir angegriffen werden. Unser Kampf geht gegen alle, die im antisemitischen Fahrwasser segeln und zwar gegen die feindlichen Verbände. Die Bekämpfung des Antisemitismus ist in erster Linie Sache der speziell darauf eingerichteten Vereinigungen, die zum Teil bessere Waffen, eine ausgebildetere Organisation und sicherlich die längere Erfahrung haben. Aber es ist notwendig, daß unsere Ortsgruppen Hand in Hand mit diesen Organisationen arbeiten. Der Ausbau dieser gemeinsamen Arbeit ist Sache der Spitzenorganisationen. Dabei ist der Kampf um unsere eigene innere Regeneration und das Unterbinden von Mißständen und uns unsympathischen Erscheinungen in den uns nahestehenden Kreisen nicht zu vergessen. Aber gerade in diesen Fragen ist besonderer Takt und starke Zurückhaltung geboten......." Wir bringen diesen Auszug deswegen zur Kenntnis unserer Mitarbeiter, weil in ihnen mit außerordentlicher Klarheit die Momente zum Ausdruck kommen, die von jeher und auch künftig für die Aufrechterhaltung des freundnachbarlichen Verhältnisses zwischen uns und dem Frontbund zu berücksichtigen sind. Eine grobe Geschmacklosigkeit. Eine grobe Geschmacklosigkeit leistet sich das „Kölner jüdische Wochenblatt" in Nr. 9 dieses Jahrganges. Unter anderen sog. „Purimscherzen" bringt es die folgende Notiz: „Vom letzten Kongreß des C. V." (Drahtbericht). Es gelangen folgende Resolutionen zur Annahme: 1. Das Judentum ist ausschließlich Religion. 2. Ueber Religion darf im Interesse der Einheit in jüdischen Versammlungen nicht gesprochen werden. (1. und 2. stellen die in Vergessenheit geratenen Beschlüsse der Rabbiner-Versammlung von 1898 wieder her). 3. Der Aufbau und die Kolonisation Palästinas sind mit allen Mitteln zu unterstützen außer — mit materiellen. 4. Jede Einwanderung von Juden nach Palästina ist zu verhindern. 5. Der Antisemitismus ist eine judenfeindliche Bewegung. 6. Der Antisemitismus ist ein unablösbarer Bestandteil des deutschen Volkes. 7. Der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens ist eine künstliche Konstruktion und widerspricht allen Forderungen der Moral und Logik. (Anm. d. Red.: Möglicherweise liegt hier ein Irrtum unseres Korrespondenten vor. Es scheint, daß zu Nr. 6 und 7 die Subjektive verwechselt sind.)" Die Grenze zwischen Witz und bösartiger Verleumdung ist hier schwer zu finden. Der Heine*Bund. Wir machen auf die diversen Notizen in jüdischen Blättern und insbesondere auf das Inserat in Nr. 35 der „Jüdischen Rundschau" über den „Heine-Bund" aufmerksam, von dem wir in einer kurzen Notiz in Nr. 24 der „C. V.-Zeitung" mitgeteilt haben, daß seine Leitung in Händen des bekannten Zionisten und Inhabers des Weltverlages Dr. Aron Eliasberg liegt. Es erscheint angebracht, daran zu erinnern, daß, als im Jahre 1920 der „Philo-Verlag" gegründet wurde, das „Jüdische Echo" und andere zionistische Zeitungen sich über den „C. V." lustig gemacht haben, weil er seinem Verlage den Namen „Philo" gab. Der jüdische Philosoph Philo, schrieb damals das „Jüdische Echo", sei ohne Wirkung auf seine nächste Familie geblieben, sein Neffe, Tiberius Alexander, sei so- 33