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Central-Vereins-Dienst · 1926-07-07 · 2 (7.7.1926) · p. Seite 35

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
2 (7.7.1926)
Date
1926-07-07
Page
Seite 35 (sequence 15)
Language
German
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ssxxxxx^ssxrzgssszaaasaas Werbewoche des C. V. Auf unsere Rundfrage vom 21. Mai betr. der Werbewoche haben 7 Landesverbände nicht geantwortet. Außerdem vermissen wir positive Vorschläge und Aufstellung eines Programms, das in einzelnen Ortsgruppen praktisch durchgeführt werden kann. Stimmungsbericht aus Rastatt. Rastatt ist eine Gemeinde, die bis vor kurzem auf keine Weise für die Arbeit und den Gedanken des C. V. erschlossen werden konnte. Seit 1922 war die Ortsgruppe gegründet, aber niemals war es möglich seit Gründung der Ortsgruppe, Beitragsfreudigkeit bei den Mitgliedern der Ortsgruppe zu wecken, Vorträge zu arrangieren oder irgend eine noch so mäßige Form der Mitarbeit zu erreichen. Der C. V. war in den Augen der Meisten bestenfalls eine jüdische Institution neben der zionistischen Organisation, die beide ihr relatives Recht haben mochten. Diese Einstellung allein macht es vielleicht verständlich, daß in den Wohnungen fast aller Mitglieder des C. V. Sammelbüchsen des Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfonds für Palästina) standen, während der C. V. so gut wie gar keine materielle Unterstützung fand. Es darf. bei der ganzen Sachlage nicht übersehen werden, daß sozial einflußreiche Kräfte innerhalb der Gemeinde eine ständige, diskrete, aber umso wirksamere Propagandaarbeit für den zionistischen Gedanken entfalteten, während unsere Idee so gut wie gar keinen Wegbereiter innerhalb der Gemeinde fand. Die Lage änderte und besserte sich langsam aber stetig zu unseren Gunsten, als es nach langem vergeblichen Bemühen um Aktivierung des Lebens in der Ortsgruppe dem Landesverbände endlich gelang, in Herrn Richard B a e r im Dezember 1925 einen Vertrauensmann zu gewinnen, der sich sofort mit ganzer Energie für unsere Sache einsetzte. Ihm gebührt auch zweifellos das Hauptverdienst um den schließlichen Erfolg unserer Bestrebungen. Mit dem Beginn seiner Amtsführung konnten Vorträge in der Ortsgruppe arrangiert werden. Die erste Versammlung war verhältnismäßig schwach besucht, da man dem Wert der Veranstaltung mißtraute. Der ideelle Erfolg dieser und anderer Veranstaltungen von unserer Seite wies sich aber dadurch aus, daß die folgenden Versammlungen immer besser besucht wurden. Die vorletzte C. V.-Versammlung, in der ich über „Die jüdische Weltlage" sprach, war trotz des für Rastatt ungünstig gelegenen Werktags verhältnismäßig sehr gut besucht. Eine Auseinandersetzung mit den zionistischen Elementen der Gemeinde war jedoch trotz aller entsprechenden Hinweise und Andeutungen nicht zu erreichen. Es schien, daß diese Kreise das Gefühl hatten: „Wer den Streit vom Zaun bricht, wer als „Störenfried" erscheint, hat das Spiel verloren!" Im Gegenteil, gerade die Anhänger des Zionismus wiesen in der Diskussion auf den Wert der C. V.-Arbeit hin und enthielten sich jeder polemischen Aeußerung. Sie alle sind Mitglieder des C. V. Ihr eigentlicher Führer trat nach dem ersten Vortrag im vorigen Jahre dem C. V. bei. Umso gefährlicher konnten sie freilich heimlich wirken. Die Entscheidung rückte heran, als die Z i o - nisten in Rastatt sich stark genug fühlten, den Versuch einer eigenen Ortsgruppengründung vorzunehmen und zu der durch Herrn Herzberg aus Frankfurt a. M. mit einem Referat eingeleiteten Gründungsversammlung sämtliche Gemeinde-Mitglieder einluden. Am Tage vor dieser Versammlung ließen wir nunmehr Einladungen hinausgehen zu einem Vortrag, betitelt: „Zionismus und deutsches Judentum". Gleichzeitig ließ Herr B a e r die für geeignete Gelegenheit bereitliegenden „Merkbüchlein zur Zionistenfrage" an alle Gemeindemitglieder verteilen. Damit war die Stimmung für die zionistische Propagandavorstellung zunächst genügend präpariert. Als ein Gemeindemilglied in der Versammlung erklärte, vor Anschluß an die zionistische Ortsgruppe wolle er erst einmal den Vortrag des C. V. anhören, bekannte sich die Masse der Versammlungsteilnehmer zu derselben Ansicht. Der Plan der Ortsgruppengründung war gescheitert. Die paar unentwegten Zionisten standen allein, ohne Anhängerschaft. Die Versammlung des C. V. fand drei Tage später statt. Der Vortragsraum war dicht gefüllt. Alles, aber auch buchstäblich alles war erschienen. Der Gegensatz zwischen C. V. und Zionismus interessierte plötzlich. Man hatte die vergangenen C. V.-Vorträge begeistert aufgenommen. Der zionistische Gedankengang war demgegenüber fremdartig und ungewohnt erschienen. Man hatte nicht recht begriffen, worauf der zionistische Redner eigentlich hinauswollte und hoffte, daß der C. V. darüber vielleicht klarere Auskunft geben könne. Während man bisher den innerjüdischen Kampf in der Gemeinde nicht wollte und aus Bequemlichkeit oder Gutmütigkeit beide Richtungen nebeneinander „tolerierte" (oder besser gesagt: vernachlässigte), empfand man jetzt doch, daß in diesen beiden Auffassungen unverträgliche Gegensätze gegeben waren. Die Vorträge des C. V. hatte man verstanden, sie waren eindeutig und klar, in ihren Schlußfolgerungen geradezu selbstverständlich gewesen. Der Zionismus wollte demgegenüber augenscheinlich etwas diametral Entgegengesetztes, etwas, das in seiner Schlußfolgerung und letzten Konsequenz durchaus nicht so einleuchtend und selbstverständlich war. Man war innerlich beunruhigt dadurch und wußte plötzlich, daß man den Frieden und die innere Ruhe nur wiedergewinnen könne, indem man sich jetzt für eine der beiden Richtungen entschied und nicht mehr beide „tolerierte". Nach meinem Vortrag, der hauptsächlich auf die Widersinnigkeiten und die Gefahren der national jüdischen Agitation in Deutschland im Hinblick auf die Lage der deutschen Juden hingewiesen hatte, ergriff ein zionistischer Redner, Herr Rechtsanwalt Dr. Friedberg, der eigens aus Karlsruhe zu diesem Zwecke hergerufen worden war, das Wort zu einem regelrechten Correferat. Vor ihm sprach noch kurz der eigentliche Führer der Zionisten in Rastatt, Herr Lehrer Translateur. Beider Ausführungen gipfelten in der Behauptung, daß durch den Zionismus die „Renaissance" des Judentums herbeigeführt würde. In meinem Schlußwort zeigte ich, wie wenig der Zionismus zu dieser „Renaissance" legitimiert ist. Ich erwies ihn als politische, nicht-religiöse Modeströmung und Assimilationserscheinung. Ich erklärte das selbsteingestandene Unvermögen des Zionismus, das Judenproblem mit dem Palästinaaufbau hinreichend zu lösen, zeigte die Gefährlichkeit des zionistischen Bestrebens, auch außerhalb Palästinas in den Vaterländern der heutigen Juden national-jüdische Ziele zu verfolgen. Und schließlich beschrieb ich, wie auch ohne den Zionismus eine jüdische Renaissance einsetzen könne: durch gehobene Opferfreudigkeit der jüdischen Menschen in Deutschland für jüdische Zwecke auf deutschem Boden, vor allem für einen tieferen und besseren Religionsunterricht der Jugend, für Kultuszwecke und allgemeine Zwecke des jüdischen öffentlichen Lebens in Deutschland. Das Schlußwort löste den Bann. Während die zionistischen Redner schweigend angehört worden waren, wurden Referent und Schlußwort vielfach durch stürmische Beifallsäußcrungen unterbrochen. Nach dem Schlußwort, das gegen 1 Uhr nachts beendet war, erklärte ein Gemeindemitglied, daß es für ihn jetzt kein unschlüssiges Schwanken mehr gäbe und die „zionistische Sammelbüchse" aus seinem Hause entfernt würde. Die Versammlung quittierte diese Mitteilung mit allgemeinem Beifall. 35

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