Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 31 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620164-9626612-9626416--016-9626427- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mit Judengegnern Argumente zur Entkräftigung antisemitischer Vorwürfe zur Hand zu haben, die. wir Ihrer Zeitung entnehmen können. Mit freundlichem Gruß und nochmals herzlichem Dank Ihre sehr ergebene gez. M. Nölting." Ein weiteres Anerkennungsschreiben erhielten wir aus Stillau O. A. Ellwangen. „Sehr geehrter Herr Redakteur! Danke Ihnen bestens für Uebersendung Ihrer Zeitung. Dieselbe interessiert mich sehr. Bei jeder Gelegenheit, insbesondere in der Schule, trete ich für unsere verfolgten Volksgenossen jüdischen Glaubens ein. Der Judenhaß ist in meinen Augen eine Kulturschande und Barbarentum sondergleichen. Dem völkischen Banditentum muß der Garaus gemacht werden. Der Fall Münchmeyer ist geeignet, auch in der Schule zu zeigen, wohin völkische Tollhäuslerei führen kann. Für Material stets dankbar. Hochachtungsvoll ergebenst gez. (Unterschrift). Hauptlehrer". Ausländsdeutsche Stimmen über unsere Werbeschriften. Ein in Argentinien ansässiger Freund unserer Sache sandte unsere Zeitung und einige aufklärende Broschüren an christliche Bekannte. Es gingen ihm darauf mehrere Dankbriefe zu, aus denen wir die folgenden interessanten Stellen veröffentlichen: »Die mir übermittelten Zeitungen ließ ich einem Herrn Schott zukommen. Derselbe ist Jude, aber mit einer Katholikin verheiratet und erhalten die Kinder die Religion der Mutter. Jene Zeitungen habe ich der Reihe nach mit Geduld durchgelesen. Ihr Ton ist frei von Kraft- und Schimpfausdrücken, rein sachlich und fein. Ich glaube, daß es keine bessere Propaganda gibt, als die, anständig zu bleiben. Gewiß gibt es im Judentum Fehler, aber ist das Christentum frei davon? Es will doch wohl kein Mensch bestreiten, daß die jüdische Religion (deren Tochterkind des Christentum ist, was die Leute immer vergessen) ungleich höher dasteht als irgend eine der vielen orthodox-christlichen Richtungen. Dieses hat Goethe selbst anerkannt, indem er sagte: „Die Juden hatten immer nur einen Gott, daher die Langlebigkeit ihrer Religion". Der Judenpriester ist der Morallehrer seines Volkes, durchgehends ein gelehrtes Haus, das in Armut und Bescheidenheit dahinlebt und nie nach Weltmacht strebt. Ich bin zwischen Juden groß geworden und habe gerade in meiner Jugend manche Beobachtung gemacht. Bei uns daheim machten die gutbesoldeten christlichen Priester zum großen Teile einen protzigen Eindruck. Der Religionsleiter der Juden war ein gelehrtes Haus, das sich kümmerlich durch Stundengeben (griechisch, lateinisch etc.) ernährte. Der Mann wohnte in einer Hütte und sah ich ihn nur* ärmlich gekleidet. Mein verstorbener Vater (Katholik) sagte mir öfters: „Da geht Mayer hin, das gelehrteste Haus unserer Stadt; der arme Mensch muß sich kläglich durchschlagen". Mein verstorbener Vater war sehr frei in allem und wollte von politischen oder religiösen Haß nichts wissen . . .". „Meine Stellung zum Judentum ist immer die gleiche geblieben. Mein Getreide verkaufe ich stets an Weil und die Sämereien bezog ich immer von Leopold Aron. Es handelt sich beiderseits um gebildete Israeliten von Takt und freundlichem Entgegenkommen. In Würzburg, wo ich eine 8 wöchentliche Reserveübung machte, lernte ich anläßlich derselben einen Juden kennen, in dessen Hause ich manche angenehme Stunde genoß, ein grober bis saugrober, durch und durch ehrlicher Mensch. — Ebenso stand mir in Braunschweig, wo ich als Einjähriger diente, das Haus des Herrn . . ., eines sehr guten Freundes meines verstorbenen Vaters offen. Allerdings zog ich mich dort später vorsichtig zurück, und dieses zwar aus einem eigenartigen Grunde. Die Frau war ungemein belesen, ein durch und durch gelehrtes Haus und ich fühlte immer mehr meine Rindviehähnlichkeit heraus — und aus Angst, mich bei der ersten Gelegenheit zu blamieren, — kniff ich, trotz meiner Seitengewehrbewaffnung, vor einem Weibe aus. Aber ehrlich und gut waren auch diese Menschen durch und durch. Gerade durch meinen Kontakt mit den Juden ist mir auch jeder Fanatismus ferngeblieben und habe ich meine Kinder weder taufen und beschneiden lassen . . . . . . Die Zeitungen, die Sie mir sandten, gehen Später an Herrn Simon Schott weiter, dessen Sohn der einzige Freund meines Jungen ist." Innerjüdisches. Der Zionismus als „Verkappte Religion". In Nr. 17 des „Israeli t", Zentralorgan für das orthodoxe Judentum, Frankfurt a. M., befindet sich im Feuilleton eine Besprechung des Buches „Verkappte Religionen" von Carl Christian Bry, Verlag Perthes- Gotha. Der Verfasser der Besprechung, ein Herr Uckij-Haag, macht den Standpunkt des Buches fast kritiklos zu seinem eigenen und stellt nacheinander den Antisemitismus und den Zionismus als „Verkappte Religionen" dar. Aus seinen Ausführungen über den Zionismus heben wir folgende Stellen hervor die auf das Verhältnis zwischen A g u d a h und Zionismus ein interessantes Licht werfen. „Auch der Zionismus ist verkappte Religion geworden. Und das macht ihn so gefährlich, so bekämpfenswert. — Die Pflicht zur Besiedlung Palästinas hatte man ja vor dem Entstehen der zionistischen Bewegung gekannt. Denn sie war dem jüdischen Volksbürger' Nationalgesetz. Aber — und das ist der große Unterschied — Gesetz unter 613 Gesetzen. Die Vorläuferin der zionistischen Bewegung, die Chowewei Zion z. B., nahm sich dieses Gesetzes mit besonderer Liebe an. Aber auch ihr war, genau wie der Agudas Iisroel heute, die Kolonisation Palästinas nicht Weltanschauungssache. Die Pflicht zur Kolonisation Palästinas schluckt bei ihnen nicht alle Pflichten auf. Dem Zionismus aber ist die Besiedlung Palästinas Weltanschauung geworden, ihm ist sie Religionsersatz. Aber nicht nur dieses. Auch das nationale Gefühl, das, wenn es echt ist — international wirkt, schrumpft bei ihm zum Nationalismus, zum Chauvinismus ein, wird von ihm zur verkappten Religion degradiert." Aus dem Tätigkeitsbericht des britischen Ober« kommissars in Palästina, Sir Herbert Samuel, an den britischen Staatssekretär für Kolonien. Zusammenfassung und wörtliche Zitate. Die Verwaltung in Palästina war vom gleichen Geiste erfüllt, wie jede britische Verwaltung in Asien oder Afrika. Die Verwaltung will kein jüdisches Palästina, keine Unterordnung der arabischen Bevölkerung oder ihrer Sprache und Kultur. Nicht ganz Palästina soll nationale Heimstätte sein. Die zionistische Organisation soll keinen Anteil an der Verwaltung Palästinas haben. Die Nationalität, die Bewohner Palästinas erwerben, gleich ob Juden oder Nichtjuden, kann nur die eines Palästinensers sein. 31