Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 30 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Standpunkt als amoralisch" angesprochen worden. Im übrigen hat sich der Jungdeutsche Orden stets angelegentlich bemüht, das Zentrum durch unsachliche und verhetzende Angriffe, durch intrigante Ausspielungen und objektiv falsche Darstellungen zu schädigen. Besonders' die Beteiligung von Zentrumskreisen im Reichsbanner ist unter persönlichen Anfeindungen übelster Staffierung zur Bearbeitung rechtsstehender Katholiken gebraucht worden. Die Zentrumspartei vermag mit so wenig ritterlicher Gegnerschaft sich nicht auseinanderzusetzen. Sie hat aus den gemachten Erfahrungen heraus nicht den Eindruck, daß es dem Orden mit seinen sittlichen Grundsätzen im politischen Kampf ernst ist. Das Zentrum steht in seiner politischen Arbeit auf dem Boden der Aussöhnung, es betreibt „deutsche Volksgemeinschaft auf christlicher Grundlage" und ist von jeher unter der Voraussetzung gegenseitigen Vertrauens, ritterlicher Austragung von Gegensätzen, Wahrung der persönlichen Ehre und Anerkennung der Verfassung, bereit gewesen, mit denen, die gleich ihm vom besten Willen beseelt sind, für das Wohl des gemeinsamen Vaterlandes zu arbeiten". Wirtschaftspolitische Mitteilungen. Boykottaufforderung durch Geistliche. Ein ähnlicher Vorfall wie der über den auf S. 9 im „C. V.-Dienst" Nr. 1 unter dieser Ueberschrift berichtet wurde, hat sich auch in Magdeburg zugetragen. Der dortige Superintendent Danneil hat die gleiche Aufforderung bei der Verteilung von Gutscheinen an die Empfänger gerichtet. In einer Sitzung des städtischen Wohlfahrtsamtes wurde er dafür von allen Seiten schwer angegriffen und auf das Unzulässige seines Vorgehens aufmerksam gemacht. Auch in Wormditt in Ostpreußen hat sich etwas Aehnliches abgespielt. Dort fordert ein Reichsbankrat seine Glaubensgenossen auf, nicht mehr bei Juden und Katholiken zu kaufen. Als er darüber zur Rede gestellt wurde, legte er seine Worte dahin aus, daß er nur dazu aufgefordert habe, Mitglieder der evangelischen Gemeinde geschäftlich zu unterstützen, von einem Boykott gegen Juden und Katholiken aber nicht gesprochen habe. Germanenbank. Dem „Hammer" lag kürzlich ein Prospekt der „Germanenbank" bei. Wie wir aus Fachkreisen erfahren, ist die „Germanenbank" im Jahre 1919 gegründet worden. Im Vorstand befinden sich die Herren : Walter P 1 e w e r , Rolf H a n n i g und W. H e i - n e m a n n. Ueber die geschäftliche Tätigkeit des Unternehmens in Bank- und Börsenkreisen ist so gut wie nichts bekannt. Weder ist die Bank an der Börse zugelassen, noch gehört sie dem Zentral-Verband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes an. Wirtschaftliche Bedeutung kommt ihr nicht zu. Jüdische Hotels. Die Besitzer jüdischer Hotels, besonders in Thüringen, klagen mit Recht darüber, daß sie so wenig von Juden besucht werden. Dort, wo solche Hotels vorhanden sind, sollten sie auch, falls sie ebenso wie die gleichartigen anderen Hotels geführt werden, von unseren Glaubensgenossen besucht werden. Es wäre betrübend, wenn diese Hotels aus Mangel an Interesse seitens des jüdischen Reisepublikums ihre Betriebe schließen müßten. Erfolge unserer literarischen Auf klärungsarbeit. Wie stellen sich die Juden zur Person Jesu Christi? Von einem christlichen Leser unserer Zeitung wurde die oben wiedergegebene Frage an Herrn Dr. Holländer gerichtet. Wir teilen die Antwort, ihres allgemeinen Interesses wegen, mit. „Lassen Sie mich Ihnen antworten, daß Jesus von Nazareth im offiziellen Judentum, d.h. also in der jüdischen Religion und ihren Lehrbüchern keine Rolle spielt, so wenig wie etwa Gautama Buddha oder Laotse im Christentum. Wenn Sie aber die Meinung der einzelnen Juden wissen wollen, so wäre darauf zu erwidern, daß gewiß eine Reihe von Juden der Person Jesu mit größter Achtung und Ehrerbietung gegenüberstehen. Z. B. finden Sie in dem Buche „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" von Fritz Kahn Jesus als einen ganz bedeutenden, prophetischen Mann dargestellt. Auch Constantin Brunner preist ihn als eines der allerbedeutendsten Genies unter den Menschen. Brunners Buch „Der Judenhaß und die Juden" schließt mit einem Kapitel „Rede der Juden: Wir wollen ihn zurück!" Ferner hat Brunner ein umfangreiches Werk „Unser Christus oder das Wesen des Genies" herausgegeben. Sie sehen hier also einmal den Fall, daß ein jüdischer Mann von außer-» gewöhnlichem Format sich ganz an die Person Jesu hingibt — ohne zur christlichen Kirchhe überzutreten. — Um nicht den Anschein der Schönfärberei zu erwecken, will ich Ihnen freilich nicht verschweigen, daß es, zumal in den finstern Zeiten des Mittelalters, nicht an jüdischen Schmähschriften auf Jesus gefehlt hat. Sie werden dies aber begreiflich finden, wenn Sie bedenken, wie sehr die Juden im Namen des Christentums von der christlichen Kirche gepeinigt worden sind (worüber Sie näheren Aufschluß u. a. aus dem in Ihrem Besitz befindlichen Büchlein „Vom Heimatrecht der deutschen Juden" von Paul Rieger finden). — Was jene Schmähschriften anbetrifft, so wird wohl jeder denkende Jude ihr Vorhandensein bedauern, es aber menschlich begreiflich finden, daß die Verzweiflung des Herzens ihren Verfassern die Federn führte. Es muß aber gesagt werden, daß diese Schriften niemals irgendwelche offizielle oder gar irgendwie verpflichtende Bedeutung innerhalb des Judentums erlangt haben, denn, wie ich schon eingangs erwähnte, kann das Judentum offiziell keine Stellung nehmen zu dem Heiligen einer anderen Religion; und all das, was ich hier Ihnen geantwortet habe, müßte ich auch einem Moslem antworten, der mich nach der Stellung des Juden zu Mohammed fragen würde." Urteile über die C. V.*Zeitung. Von Frau M. Nölting — übrigens der Mutter von Professor Erik Nölting — ging uns ein Anerkennungsschreiben zu, aus dem wir folgende Stelle hier abdrucken: „Ich darf gleichzeitig die Gelegenheit benutzen, Ihnen meinen Dank auszusprechen, daß Sie uns so regelmäßig die C. V.-Zeitung zustellen lassen. Mein Mann und ich lesen sie regelmäßig mit großer Aufmerksamkeit und sicherlich ist unsere Einstellung zur Judenfrage durch die Lektüre dieser Zeitung merklich beeinflußt worden. Wenn man selbst auch niemals Antisemit gewesen ist, so ist es einem doch bei der heutigen Lage erwünscht, in Aussprachen 30