Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 29 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Volksbote:" Bisher haben sich noch keine Parteien erlaubt, die Schulkinder ihrer Parteigenossen auch politisch zu organisieren, aber die Deutschnationalerji haben das getan". Deutscher Bund für Volksaufartung und Erbkunde. Dieser etwa 5000 Mitglieder zählende Bund ist aus dem „Reichsbund der Standesbeamten Deutschlands E. V." hervorgegangen. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Lehren der Rassenhygiene und Erbkunde (die mit den Rassentheorien der Völkischen nichts zu tun haben) als Wegweiser der körperlichen und geistigen Fortentwicklung in das Bewußtsein des deutschen Volkes einzupflanzen. Der Bund hält sich allen politischen Bestrebungen fern, und wir deutschen Juden haben alle Veranlassung, rassenhygienische Bestrebungen zu unterstützen, wenn sie — wir müssen leider sagen: ausnahmsweise! — von Organisationen ausgehen, die sich von jedem volksverhetzenden Parteien- und Rassenhader fernhalten. Dem Bund gehört u. a. auch der bekannte Rassenforscher Dr. von Behr-Pinnow an. Eine Beteiligung an den Arbeiten des Bundes ist durchaus wünschenswert. Deutsche kulturpolitische Gesellschaft. Die Deutsche kulturpolitische Gesellschaft (Hauptgeschäftsstelle: Leipzig - Gohlis, Friedrich-Karlstraße 22; Berliner Büro: Berlin S, Sebastianstraße 16; Leiter: Heinrich Schröder) führt den Kampf gegen die Schuldlüge; sie ist in politischen und konfessioneller Hinsicht neutral und arbeitet mit Leuten aus jedem Lager. Es ist möglich, daß die Leitung ein wenig rechts gerichtet ist, doch vermeidet sie streng alles, was nach Monarchismus und Antisemitismus aussieht. Anläßlich eines Besuches übergab man unserm Mitarbeiter die Propagandaschriften mit dem Ausdruck der Freude darüber, daß durch unsere Anfrage Gelegenheit zur Information auch in unseren Kreisen gegeben ist. Die Schriften und die eingeholten Auskünfte lassen erkennen, daß von unserem Standpunkt nichts gegen die Gesellschaft einzuwenden ist. „Juden wollen wir auf der Bühne nicht sehen." In Bremen hat sich ein Vorfall zugetragen, der zu einer Pressefehde zwischen dem „Neuen Weg", dem Organ der „Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger" und der „Weser-Zeitung" Anlaß gab. Es soll sich darum gehandelt haben, daß der Vorsitzende der Bremer Theatergemeinde „Deutsche Bühne" dem Direktor des Bremer Schauspielhauses erklärte: „Juden oder politisch bedenkliche Leute wollen wir auf der Bühne nicht sehen." In diesem Zusammenhange war auch von dem „Oberjuden Thomas Mann" die Rede. Eine Rücksprache in der hiesigen Geschäftsstelle der „Bühnengenossenschaft" ergab, daß sich höchste Aufmerksamkeit auf die Vorgänge bei derartigen Theatergemeinden und insbesondere auf die Verhältnisse in Bremen empfiehlt. Von der Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener. Einem Aufsatz aus der Festschrift zum „Bundes- Kameradschaftstag" der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener E. V., der vom 4. bis 6. Juni in Remagen a. Rhein stattfand, entnehmen wir folgende Notiz, die für die politische Stellungnahme der Vereinigung von Interesse ist: „Für uns ehemalige Kriegsgefangene, deren Lebensziel, als alle Gaue Deutschlands wie Deutsch- Oesterreichs umspannende Vereinigung, darauf gerichtet ist, alles zu bannen, was uns trennt, und alles das zu fördern, was uns eint — für uns, die nicht Preußen, Bayern, Sachsen, nicht Katholiken, Protestanten oder Juden, nicht politisch rechts oder links Gerichtete, sondern nur Deutsche kennen, für uns gibt es auch keinen Gegensatz zwischen Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz-Rot- Gold. Wir blicken mit fester Zuversicht in die deutsche Zukunft und dem Tage entgegen, an dem im geeinten Großdeutschland sich das Ideal verwirklicht, das unsere Väter mit den Farben Schwarz- Rot-Gold verbanden. Dann endlich wird Schwarz- Weiß-Rot in Schwarz-Rot-Gold aufgehen können". „Der Saardeutsche." In Brebach a. d. Saar erscheint die Wochenschrift „Der Saardeutsche". Diese Zeitschrift kommt in ihren Leistungen auf dem Gebiete der Judenhetze nahe an diejenigen der übelsten Hetzblätter etwa von der Art des Berliner „Hakenkreuzlers" und des Nürnberger „Stürmers" heran. Wir bitten unsere Freunde in der Saargegend, der Zeitung aufmerksame Beobachtung zu schenken und, sofern eine Handhabe für strafrechtliche Verfolgung gegeben ist, uns sofort davon in Kenntnis zu setzen. „Der Anti*Stürmer." Der Inhaber eines Schuhgeschäftes in Nürnberg, ein Herr Markus Landau, Wiesenstraße 13, versandte vor einiger Zeit Propagandaschreiben mit der Aufforderung, seinen zur Bekämpfung des Antisemitismus gegründeten Verlag und die in ihm erscheinende Zeitschrift „Der Anti-Stürmer" oder, wie das Blatt jetzt heißt, „Das Licht" zu unterstützen. Durch Rückfragen in Nürnberg haben wir festgestellt, daß die Propagandaschreiben wenig Erfolg gebracht haben, sodaß mit einer Fortführung des Unternehmens des Herrn Landau kaum zu rechnen ist. Unsere Nürnberger Ortsgruppe hat mit diesem Unternehmen keinerlei Verbindung. Jungdeutscher Orden und Katholiken. Der Jungdo und sein Führer Arthur M a h r a u n haben es scheinbar verstanden, sich der Reihe nach zwischen sämtliche Stühle zu setzen. Jedenfalls rücken nun auch katholische Kirche und Zentrum in letzter Zeit sehr deutlich vom Jungdo ab. In einem außerordentlich interessanten Artikel „Jungdo im Scheinwerfer" der „Thüringer Volkswacht" vom 28. Mai schreibt Franz L e n b a c h , die treibenden Kräfte des Jungdo seien verschwommener Nietzscheanismus und Faschismus. Beide vertragen sich nicht mit der Lehre der katholischen Kirche, und der überspannte Nationalismus sei eine Gefahr für die deutsche Jugend. Einige bezeichnende Sätze aus dem Artikel seien hier wörtlich angeführt: „Der Orden hat die katholische Presse der Käuflichkeit, der Verlogenheit, der jüdischen Orientierung geziehen, ohne für diese allgemeine Behauptung auch nur den Schein des Beweises gebracht zu haben. Das Zentrum hat er mehrfach als geradezu unchristlich und einmal als eine Zuhälterin bezeichnet. Angesehene katholische Führer sind bis in die jüngste Zeit hinein in ihrer persönlichen und religiösen Ehre angegriffen, „vom katholischen 29