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Central-Vereins-Dienst · 1926-07-07 · 2 (7.7.1926) · p. Seite 28

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
2 (7.7.1926)
Date
1926-07-07
Page
Seite 28 (sequence 8)
Language
German
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Die Polizei nahm auch daran keinen Anstoß, obgleich voriges Jahr einmal eine Gruppe von Wehrwölfen in Weimar bei einem Streite auf das Kommando „Spaten los" mit diesen gefährlichen Werkzeugen zum Angriff überging. Unter der Bevölkerung herrschte im ganzen während der Tagung große Gleichgültigkeit. Fahnen wurden im ganzen nur 5 gezählt." Der jüdische Straßenbahnaufseher in Köln. Vier Abgeordnete von der Deutschvölkischen Freiheitspartei stellten vor einiger Zeit im Preußischen Landtag eine kleine Anfrage, die sich mit einem Straßenbahnaufseher bei der Straßenbahn Köln-Sülz beschäftigte. Der betreffende Beamte wurde als tschechischer Jude bezeichnet, und es wurde unter Darlegung der für die Anstellung angeblich maßgebenden Gründe verlangt, daß an Stelle des tschechischen Juden ein deutscher Beamter eingestellt würde. Der sozialdemokratische Kölner „Stadtanzeiger" wandte sich, wie in seiner Nummer 252 mitgeteilt wird, sofort um Auskunft an die städtische Straßenbahn. In der Auskunft wurde u. a. mitgeteilt, daß von der ganzen deutschvölkischen Darstellung nichts richtig war als daß der betreffende Beamte Jude sei. Daran anschließend erklärte die Straßenbahnverwaltung: „Diese Tatsache allein schließt entgegen der Auffassung der Fragesteller, nach der Auffassung der Direktion der städtischen Bahnen, einen tüchtigen, brauchbaren Mann von der Verwendung im Aufsichtsdienst nicht aus". Verein für das Deutschtum im Auslande. Der Verein hielt vom 21. bis 26. Mai seine 45. Jahrestagung in Hirschberg i. Schi. ab. Einladungen ergingen nur an staatliche und städtische Behörden sowie an führende Persönlichkeiten, darunter auch an je einen geistlichen Vertreter jeder Konfession. Die jüdische Geistlichkeit war durch Rabbiner Dr. Neilhaus vertreten. — Die ganze Veranstaltung war getragen vom Geiste der Einigkeit und der gemeinsamen Vaterlandsliebe. Kein auch nur andeutungsweise antisemitisches Wort fiel in einer der gehaltenen Reden, auch nicht — wie ausdrücklich betont werden soll — in dem in geschlossener Sitzung abgehaltenen Vortrag „Fremde Minderheiten im Inlande". Besonders erfreulich war u. a. die Rede des Staatssekretärs v. Hintze, der nachdrücklich hervorhob: „Dreierlei gehört nicht zum Arbeitsgebiet des V. D. A.: die Judenfrage, die Flaggenfrage, die Modenfrage". — In der katholischen und in der evangelischen Kirche wurden am Pfingstmontag besondere Festgottesdienste aus Anlaß dieser Tagung abgehalten; daß das nicht auch in der Synagoge geschah, hatte lediglich den Grund, daß nicht mit genügender Beteiligung gerechnet werden konnte. Rabbiner Dr. Nellhaus hat aber am ersten Tage des Schabuoth-Festes die Bedeutung der Tagung des V. D. A. und die kulturelle Verbundenheit des deutschen Juden mit dem ganzen deutschen Volke von der Kanzel herab gebührend gewürdigt. Der Verlauf der Tagung ist uns ein weiterer Beweis dafür, daß die Leitung des V. D. A. bestrebt ist, den Verein in einwandfreiem Geiste zu leiten. Der „jüdische" Dawesplan. Die Deutschnationale Volkspartei in Bayern veranstaltete vor einiger Zeit in München einen politischen Abend, in dem Großadmiral von T i r p i t z vor Vertretern seines Wahlkreises die politischen Gegenwartsfragen behandelte. Er sprach dabei auch über den Dawesplan, über den er sich folgendermaßen äußerte: „Das Dawesabkommen mußten wir annehmen, weil es uns wenigstens einige Sicherheit vor französischer Willkür im Westen in Aussicht stellte." Das Ipsheimer Festspiel. Am Pfingstsonntag wurde in Günzenhausen das Ipsheimer Festspiel unter sehr starker Beteiligung, namentlich aus den Kreisen der vaterländischen Verbände, wieder aufgeführt. Die Festrede hielt ein evangelischer Geistlicher aus der dortigen Gegend, Döderlein. Anwesend waren u. a. Excellenz von Gebsattel und General von Kraus, letzterer aus Oesterreich. Es ist geplant, das Festspiel im Herbst wieder aufzuführen. Norddeutscher Lloyd. Eine Notiz in der „Norddeutschen Volksstimme" Bremen Nr. 94 gab uns Anlaß, einem antisemitischen Zwischenfall nachzugehen, der sich anläßlich einer Propagandafahrt des „Columbus" beim Norddeutschen Lloyd zugetragen hat. Es erwies sich, daß der erwähnte Zwischenfall seinerzeit in einwandfreier Weise beigelegt worden ist. Trotzdem kann der Verdacht nicht abgewehrt werden, daß der Norddeutsche Lloyd judenfeindlichen Einflüssen zugänglich ist. Für Mitteilung von entsprechenden Erfahrungen sind wir immer dankbar. Reichsjugendtag der Bismarckjugend in Stettin. Die „Bismarckjugend" ist bekanntlich die Jugendbewegung der Deutschnationalen Volkspartei. Wenn man die Aufmachung, die die „Pommersche Tagespost" der Tagung widmete, betrachtet, muß man annehmen, daß es sich um eine besonders eindrucksvolle und gewaltige unter Anteilnahme der ganzen Stettiner Bevölkerung abgehaltene Feier gehandelt hat. Das ist jedoch nicht der Fall gewesen. Die Teilnahme an der Tagung ist auf ca. 2—3000 Bismärcker zu beziffern. Von einer besonderen Anteilnahme der Bevölkerung kann nicht gesprochen werden. Daß die im Zuge getragenen schwarz-weiß-roten Fahnen und die vielfach beobachtete Fahne der ehemaligen Kriegsmarine eine Anzahl Neugieriger heranlockten, ist selbstverständlich. Ueber die auf der Tagung gehaltenen Reden entnehmen wir aus dem vorliegenden Bericht das Folgende: Oberbürgermeister Dr. Ackermann, der auffallenderweise als offizieller Vertreter der Stadt Stettin der Tagung beiwohnte, erklärte ausdrücklich: „Die Spaltung bringt Spannung, aber sie darf nicht Haß und Todfeindschaft bringen. Der Feind steht draußen und nicht drinnen". In merkwürdigem Gegensatz hierzu erklärte aber Graf Westarp: „Im Innern fremder Geist und fremdes Wesen, fremdstämmiger Einfluß wohin wir blicken". Besonders betrüblich erscheint das unfreiwillige Selbstbekenntnis des stellvertretenden Landesmeisters Passarge: „Die Bismarckjugend ist ein politischer Machtfaktor". Mit Recht schreibt hierzu der „Stettiner 28

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