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Central-Vereins-Dienst · 1926-07-07 · 2 (7.7.1926) · p. Seite 27

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
2 (7.7.1926)
Date
1926-07-07
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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In den drei eben aufgeführten Fällen sind deri Betreffenden ausführliche gutachtliche Aeußerungen übersandt worden. Die Frage der Zweckmäßigkeit, Strafanzeigen wegen Gotteslästerung bezw. Beleidigung einer staatlich anerkannten Religionsgesellschaft zu stellen, wurde bejaht in den Fällen, wo es sich um die Zeitschrift! „Der Eisenhammer" in Pirmasens und die „Völkischen Nachrichten für Westsachsen" in Plauen handelte. In diesem Zusammenhang kann erwähnt werden, daß in dem Gotteslästerungsprozeß in Hof, der mit der Verurteilung Fritschs zu 8 Tagen Gefängnis endete, der Staatsanwalt vorher bei uns wissenschaftliche Werke über die zur Anklage stehenden Punkte angefordert und in reichem Maße erhalten hatte. Die Frage der Kollektivbeleidigung und der Aussichten ihrer Verfolgung ist unter anderem in den Fällen der völkischen Zeitschriften „Deutscher Michel" in Augsburg und „Hakenkreuzler" in Berlin untersucht worden. Hierbei ergab sich, daß auf Grund der Rechtsprechung die Aussichten derartiger Klagen als sehr zweifelhaft beurteilt werden mußten, sodaß wir in diesen beiden Fällen von Strafanzeigen abrieten. Umso bedeutungsvoller ist darum, daß wir einer Persönlichkeit, die an hervorragender Stelle mit der Ausarbeitung von Anträgen zum neuen Strafgesetzbuch betraut ist, unser Material über die Unzulänglichkeit des Ehrenschutzes gerade bei den sogenannten Kollektivbeleidigungen zur Verfügung gestellt haben. Politische Mitteilungen. Die Werwolftagung in Weimar. Ueber die Werwolftagung, die während der Pfingstfeiertage anläßlich der Enthüllung eines Schlageterdenkmals in Weimar stattfand, geht uns folgender ausführlicher Bericht zu: „Die Zahl der am 1. Pfingstfeiertag anwesenden Werwölfe ist auf 1500—2000 zu schätzen. Die in Zeitungen angegebene Zahl 8000 stimmt nicht. Genau vorgenommene Auszählungen ergaben einmal 1100, einmal 2000. Da der Anmarsch zur Denkmalsweihe in 5 Staffeln erfolgte, ist eine genaue Zahlenangabe sehr schwierig. Der Denkmalsplatz aber kann nicht mehr als 2000 Menschen fassen, und nur dieser Platz (der sog. „Stern im Webicht") war gefüllt, nicht etwa auch noch die Anmarschwege. Allem Anschein nach bestand bei der Leitung die Absicht, das klare Bild über die Stärke dieses Aufmarsches zu verschleiern. Die den ganzen Pfingsttag andauernde Bewegung kleinerer und größerer Trupps durch die Straßen Weimars und von einem Standquartier zum andern sollte anscheinend neben demonstrativen Zwecken auch dieser Absicht dienen. Dabei muß gesagt werden, daß durch die Organisation des Gauführers von Thüringen, des Polizeiobersten a. D. Müller-Brandenburg, diese Verschleierung gegenüber den Uninteressierten vollkommen gelungen ist. Die ganze Aufmachung ist echt militärisch, im Sinne preußischen Drills. Ehrenbezeugung und stramme Haltung vor Vorgesetzten, unbedingte Marschdisziplin (stundenlanges Stehen in der Marschbezw. Gruppenkolonne). Ausrüstung: Tornister mit Kochgeschirr und gerolltem Mantel und Decke, Koppel mit Brotbeutel, sehr viel Schanzzeug (auch Pionierschanzzeug) und einige Abteilungen auch mit Stahlhelm. Die Führer und teilweise die Unterführer sind ihrem Auftreten nach durchweg ehemalige Offiziere, unter den Mannschaften findet man nur einen geringen Bruchteil Intelligenz, die Mehrzahl scheint ländlichen Bevölkerungsschichten zu entstammen. Etwa QOo/o sind junge Leute unter 20 Jahren, auch 14-jährige sind anscheinend dabei. Ein großer Teil der älteren trägt neben dem Totenkopf auch das Stahlhelmabzeichen. Viele tragen daneben auch das Hakenkreuz. Eine Abteilung trägt auf dem linken Arm des feldgrauen Rockes die Zeichen S. A. u. S. A. F., ähnlich wie im alten Heer das Abzeichen der Maschinengewehrschützen. Unter den üblichen Liedern fiel mir besonders folgendes auf: „Auf, auf zum Kampf sind wir geboren, Auf, auf zum Kampf fürs heil'ge Vaterland; Dem Adolf Hitler haben wir's geschworen, Dem Führer Ludendorff reichen wir die Hand." Oder das bekannte Soldatenlied „Am Wege steht ein kleines Haus" mit folgender Textänderung: „— — — am Wege wilde Rosen blühn, wenn Werwölfe nach Moskau ziehn". Provokation von Reichsbannerleuten, die ihr Abzeichen trugen, wurde folgendermaßen (scheinbar systematisch) ausgeübt: eine Gruppe von Werwolf leuten begegnet einem Reichsbannermann, einer fragt seinen Kameraden recht laut und hämisch: „Was ist denn das für ein Abzeichen?" Die Frage ist offenbar an den Reichsbannermann gerichtet, reagiert er, hat man die gewünschte Anrempelei, kann aber hernach behaupten, der Reichsbannermann habe sich in vorlauter Weise in das Gespräch zweier Kameraden gemischt. Ein durchaus glaubwürdiger Augenzeuge berichtet mir, daß bei einer Schlägerei in der Nacht von Sonntag auf Montag auf dem Bahnhof etwa 30 Mann sog. „Freischar", die im Hotel Hohenzollern lagen und alarmiert wurden, mit Hundepeitschen ausgerüstet waren. Der führende Offizier hat ersucht, — ehe die Polizei eintraf — Bürgersteig und Bahnhofsvorhalle von Zivilisten zu säubern. Ich selbst sah bei der Denkmalseinweihung einen Werwolf des Kreises Halle mit einem Polizeiknüppel spielen. Das Denkmal ist mehr als 8 Tage vor der Einweihung ständig von aus Dortmund stammenden Werwölfen bewacht worden. Sie waren untergebracht im sog. Pulverschuppen, der noch heute Staatseigentum ist, allerdings verpachtet sein soll. Bei der Einweihungsfeier begrüßte zunächst Gauführer Müller-Brandenburg die Erschienenen; in seiner Begrüßungsansprache unterstrich er besonders die Verdienste des Grafen Görtz (Leiter des Frontbanns) um das Zustandekommen des Denkmals. Der Bundesführer Kloppe führte dann etwa folgendes aus: „In innerer Verbundenheit seien heute alle Werwölfe in Weimar, auch die Kameraden, die in Anbetracht der Wirtschaftslage nicht hier sein könnten und nur durch Fahnenabordnungen ihrer Gruppen und Gliederungen vertreten wären. Weimar sei eine Stätte großer geschichtlicher Vergangenheit. Weimar führe zum Bewußtsein, daß wir das Volk der Dichter und Denker seien. Weimar rufe aber auch die alten Erinnerungen wach, die für uns nicht erfreulich seien. Der Werwolf wolle wirken, bis das Vaterland wieder frei sei vom Schandvertrag von Versailles. Der Weg zur deutschen Freiheit gehe nicht über Locarno, sondern über den völkischen und sozialen Staat. Nicht die Internationale könne helfen. Die deutsche Arbeiterschaft müsse erlöst werden von diesem Irrwahn und erkennen, daß ihre Führer Verführer seien. Daß der vom Werwolf gewiesene Weg der Selbstbesinnung und des Selbstvertrauens richtig sei, beweist der Diktator jenseits d e r A 1 p e n. Es gälte die Stunde zu nutzen und alle wahrhaften Deutschen zu sammeln in einem sozialen Staat, in dem der Führer sei, der kraft seiner Eignung dazu berufen sei, gleich ob Akademiker oder Arbeiter." Von anderer Seite werden uns noch folgende interessante Einzelheiten berichtet: Gegen diejenigen Gruppen, die Stahlhelme trugen, schritt kein Polizeiorgan ein, obwohl das Tragen von Stahlhelmen verboten ist. Ueberall sah man bei den Mannschaften den kurzstieligen Spaten. 27

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