Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Velhagen & Klasing. Schon mehrfach sind in den Velhagen & K 1 a - sing'schen Monatsheften Aufsätze und Novellen veröffentlicht worden, die judenfeindlichen Charakter hatten. Wir halten darum eine ständige Beobachtung des Blattes für erwünscht und bitten, uns mitzuteilen, wer von unseren Freunden die Zeitschrift regelmäßig liest. England, deutsche Flotte und der Weltkrieg. Wir weisen auch an dieser Stelle noch einmal hin auf das Buch: „England, deutsche Flotte und Weltkrieg" von Vizeadmiral a. D. Karl G a 1 s t e r , Dr. phil. h. c, I. Scheible's Verlag, Kiel, von dem bereits in Nr. 38 der C. V.-Zeitung vom 18. September 1925 berichtet wurde. Das Buch bietet eine erfreuliche objektive Berichterstattung. Besonders wichtig ist die Kennzeichnung, die Ludendorff zuteil wird. Wir empfehlen, das Buch zur eigenen Information sowie zur Aufklärung heranzuziehen. Aus der Arbeit des C. V. Maßregelung eines Gymnasiasten. Folgender Vorfall wird uns aus P a s e vv a 1 k berichtet: Ein Untersekundaner des dortigen Realgymnasiums, der Mitglied des Stahlhelms ist, rief einem jüdischen Herrn und einer jüdischen Dame, welche an der aus der Turnhalle zum Gymnasium marschierenden Klasse vorbei kamen zu: „Seht das dicke Judenschwein, Schlagt ihm doch den Schädel ein". Der Vorsitzende unserer dortigen Ortsgruppe hat darauf sofort die erforderlichen Schritte eingeleitet mit dem Ergebnis, daß der betreffende Schüler das Konsilium erhielt. Hierbei wurde ihm seitens des Direktors des Realgymnasiums eröffnet, daß er unweigerlich die Schule verlassen müßte, falls sein Betragen im Laufe des folgenden Jahres zu irgend welchen Beschwerden Anlaß geben sollte. Daß die Zustände am Pasewalker Gymnasium ganz besonders unerfreulich sind, geht aus dem folgenden Schreiben unseres Vorsitzenden hervor: „Dieser Vorfall ist nur ein kleines Beispiel. Man könnte sie unendlich vermehren. Mein Sohn z. B., der ebenfalls Sekundaner ist, kann keinen Ausflug mehr mitmachen, weil er doch nur allein von der Klasse abgesondert seinen Spaziergang machen würde, wie es bereits vorgekommen. Auch in den Pausen läuft er allein. Es wirkt so etwas sehr deprimierend und obwohl mein Junge bisher erhaben über diese lümmelhafte Gesinnung der Mitschüler war, verliert er doch allmählich die Ruhe und wird verbittert." Aufklärung der Arbeiterschaft. Die Frage der Fürstenabfindung, die als solche den Centrai-Verein nicht interessieren kann, wurde von völkischer Seite besonders in Groß-Berlin benutzt, um gegen das „verjudete Kapital" zu hetzen und bei dieser Gelegenheit judenfeindliche Gedanken in die Masse der Arbeiter hineinzutragen. Um praktische Gegenarbeit zu leisten, hat der Landesverband Groß-Berlin während der Riesenveranstaltungen der Gewerkschaften aus Anlaß des 1. Mai in den acht größten Sälen — die Besucherzahl schwankte zwischen 20000 und 6000 — die Broschüre „Was muß das schaffende Volk vom politischen, wirtschaftlichen und religiösen Juden- und Rassenhaß des reaktionären Faschismus wissen?" verteilen lassen. Der Bericht eines Teilnehmers an der Veranstaltung in der Bockbrauerei in der Fidicinstraße besagt: „Die Bockbrauerei war der Versammlungsort der Staats- und Gemeindearbeiter. Etwa 20 000 Arbeiter waren in dem großen Garten versammelt. Was die Verteilung der Broschüren anbetrifft, so war diese mustergültig organisiert. Vor dem Eingang standen zwei Männer, die jedem in den Garten Tretenden eine Broschüre reichten. Beim Anrücken der großen Züge griffen die Ordner zu und verteilten reihenweise die Broschüre. Bemerkenswert ist das Interesse der Arbeiter für die Broschüren, die schon im Garten mit der Lektüre begannen. Ein Arbeiter, der an meinem Tisch saß, und der die Broschüre gleich zu Ende las, sagte mir auf Befragen: die Broschüre sei sehr interessant, sie enthalte vieles, was er bisher noch nicht gewußt habe; vor allem widerlege sie den Unsinn, daß die Juden an allem Schuld seien. Er selbst habe schon genügend Erfahrungen, um zu wissen, wie unsinnig diese Beschuldigung sei." Deutscher Jägerbund. Die Halbmonatsschrift „Deutscher Jägerbund", Nachrichten- und Unterhaltungsblatt für alle Vereine ehemaliger Jäger und Schützen der deutschen Armee, brachte in ihrer Nr. 9 in einem Artikel „Die Feldküche" eine häßliche judenfeindliche Bemerkung. Wir nahmen darauf Veranlassung, in der Redaktion in mündlicher Rücksprache vorstellig zu werden. Der verantwortliche Redakteur erklärte uns, eine Beleidigung der deutschen. Staatsbürger jüdischen Glaubens habe ihm ferngelegen, und er bedaure, daß sich die deutschen Juden durch) diesen Artikel verletzt gefühlt haben. Die Angriffe seien lediglich gegen Ortjuden „vom Format eines Barmat und Kutisker" gerichtet gewesen. Das Ergebnis der Unterredung war, daß der Redakteur uns zusagte, in Zukunft derartige Bemerkungen auf das Peinlichste zu vermeiden und uns zum Zeichen seines guten Willens die Zeitung fortlaufend zur Kontrolle zur Verfügung zu stellen. C.^V.-Zeitung im Friseurgeschäft. Einer unserer Landesverbandsbeamten kam auf den guten Gedanken, die wöchentlcihe Lieferung der „C. V.-Zeitung" an seinen Friseur zu veranlassen. Er machte damit folgende gute Erfahrung: Beim Friseur wird alles Lesbare gelesen. Die Besucher greifen daher auch stets nach der „C. V.-Zeitung". Der Friseurgehilfe, ein aufgeweckter und politisch interessierter Mann, berichtet unserem Syndikus regelmäßig die Unterhaltungen, die sich an die Lektüre der „C. V.-Zeitung" anschließen. Als typisch sei folgender Vorgang erwähnt: Ein jüdischer Herr verlangte etwas zu lesen. Der Gehilfe gab die „C. V.-Zeitung". Der Jude (Naumannianer) wies die Zeitung zurück und verlangte eine „ w i r k 1 i c h - n a t i o n a 1 e" Zeitung. Ein neben ihm sitzender arischer Student bemerkte zu diesem Vorgang: 23