Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Taktik, die sie herbeiführte, sind deshalb von großer Wichtigkeit, weil Münchmeyer vor Prozeßbeginn Zeitungsnotizen lanciert hatte, die den Prozeß so darstellten, als ob es sich um einen Kampf der Juden gegen die evangelische Kirche handele und auch nach dem Urteil erklärte Münchmeyer seinen sofortigen Rücktritt vom Amt damit, daß er seiner Kirchenbehörde weitere Angriffe ersparen wolle. Ohne Frage hätte, falls nicht von vornherein ein gegenseitiges Verständnis mit den Vertretern des Landeskirchenamtes erstrebt worden wäre, die völkische Presse die Verurteilung Dr. Charigs in der Form gemeldet, daß ein Syndikus des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wegen Verleumdung der protestantischen Kirche bestraft worden sei. In dieser Gestalt wäre dann auch ohne Frage die Verurteilung Dr. Charigs in den eisernen Bestand judenfeindlichen Materials übergegangen. Um eine solche politische Ausnutzung des Prozesses zu vermeiden, hatte man Dr. Bruno Weil mit der Uebernahme der Verteidigung betraut und wie schon ausgeführt, ist dieses Ziel auch tatsächlich erreicht worden, durch die geschickte und erfolgreiche Taktik der Verteidigung. Zur dringenden Beachtung! S. 36: Inkasso. Nach dem an dieser Stelle Ausgeführten mußte größter Wert darauf gelegt werden, daß die Information der großen Presse und der Presse überhaupt in einer Form geführt wurde, die folgende Gesichtspunkte in erster Reihe berücksichtigte: alle Momente, die die entgegenkommende Haltung des Landeskirchenamtes zu beleuchten geeignet waren und alle diejenigen Tatsachen, aus denen das völlige Fehlen jeglicher beleidigender Absicht seitens der jüdischen Angeklagten in Bezug auf das Landeskirchenamt hervorgingen, sollten betont werden, und andererseits war es wünschenswert, daß der Hauptverhandlung ein Echo verschafft wurde, durch das über die politische und moralische Verurteilung Münchmeyers hinaus das Borkumproblem in ganzem Umfange bekannt wurde. Herr Alfred Hirschberg erhielt die Vertretung der drei bekanntesten Blätter der Linkspresse in Berlin und Frankfurt, bediente daneben zwei Hannoversche Zeitungen und versah außerdem eine in Rechtskreisen verbreitete und eine demokratische Zeitungskorrespondenz mit Meldungen. Wichtige Mitteilungen an die Mitarbeiter. Achtet auf Neugründungen unter falscher Maske. Ein Vorgang in Westdeutschland veranlaßt uns, auf die Gefahr hinzuweisen, die darin liegt, daß von judengegnerischer Seite völkische Formierungen unter scheinbar harmlosen Namen gebildet werden. So wird vermutet, daß in der Form von Detekteien oder auch von Wach- und Schließgesellschaften Unternehmen gebildet und handelsgerichtlich eingetragen werden, die in Wirklichkeit neue völkische Verbände sind. Wir bitten dringend, daß überall im Lande auf derartige Neugründungen geachtet wird und daß uns umgehend Mitteilung gemacht wird, wenn ein Verdacht der angedeuteten Art begründet erscheint. Judenfeindliche Verhetzung der Justizbeamten. Der Verlag Alfred Roth, Stuttgart, versendet ein judenfeindliches Reklameschreiben an Justizbeamte, worin er das Buch „Der Talmud-Jude" von August Rohling zu einem Vorzugspreise anbietet. Im Interesse der Reinerhaltung unserer Rechtspflege scheint es geboten, diesem Treiben entgegenzutreten. Wir bitten, sich in geeigneter Weise bei bekannten Rechtsanwälten, Richtern, Justizbeamten usw. zu erkundigen, ob daß Rothsche Reklameschreiben auch dort vorliegt. Sollte das der Fall sein, so kann durch Verbreitung folgender Schriften für Aufklärung gesorgt werden: J. Bernfeld: Jüdische Geschäftsmoral. „ „ Eid und Gelübde. „ „ Das Zinsverbot bei den Juden. Prof. Strack: Jüdische Geheimgesetze? Bauernhochschulen. Unsere Fnfrage im C. V.-Dienst Nr. 1 auf S. 4 ist in außerordentlich mangelhafterWeise beantwortet worden^ Wir haben lediglich zwei Antworten erhalten. Wir bitten dringend, derartige Anfragen bestens zu berücksichtigen. Verband derVereine für jüdische Geschichte u. Literatur. Der Berliner Literaturverein hat den Beschluß gefaßt, sich den Bestrebungen zur Wiederbelebung des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland anzuschließen und sie nach Kräften zu unterstützen. Vor dem Weltkriege zählte man mehr als 220 Vereine für jüdische Geschichte und Literatur im deutschen Reiche. In den letzten zwei Jahren haben einzelne Bezirksverbände ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Der Bezirksverband in Ostpreußen steht unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Neufeld-Elbing, Oberschlesien unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Braunschweiger-Oppeln, der Ruhrbezirk unter Leitung von Herrn Rabbiner Dr. Samuel-Essen. Wir empfehlen unseren Freunden, sich diesen Bestrebungen sogleich bei ihrem ersten Auftreten zu widmen, um zu vermeiden, daß nationaljüdische oder zionistische Einflüsse in ihnen vorherrschend werden. Roßbach. Für den Fall, daß Vorträge des Oberleutnants Roßbach, des bekannten Freischarenführers, angekündigt werden oder daß in der Ortspresse irgend welche Behauptungen Roßbachs bezüglich des Landgerichtsrats Dr. Jacoby-Leipzig aufgestellt werden» bitten wir um Benachrichtigung, da wir über streng vertrauliches Material hierzu verfügen. Reichsknappschaftsverein. Durch persönliche Verbindungen haben wir die Möglichkeit, bei antisemitischen Vorgängen innerhalb des Reichsknappschaftsvereins zu intervenieren. Wir bitten unsere Freunde, uns über alle Strömungen innerhalb des Vereins, so weit sie uns interessieren, zu unterrichten. Vor allen Dingen interessiert es uns, zu erfahren, wieweit Juden die Möglichkeit geboten ist, als Aerzte angestellt zu werden. 22