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Blätter · 1921-10-06 · 27 (6.10.1921) · p. [Seite 4]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
27 (6.10.1921)
Date
1921-10-06
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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6. Oktober 1921. Seite 4 Nr. 27 Endlich? (Auf die etwas temperamentvollen Aeußerungen von H. K. in Ätr. 26 der „Blätter" geht uns eine ebenso temperamentvolle Gegenäusserung eines geschätzten Mitarbeiters zu. Wir bringen auch diese zur Kenntnis unserer Leser. Die Red.) Halloh! Gemach und nicht so rasch! Für dieses neue Charakteristikum des thoratreuen Juden höflichsten Dank. Aber ebenso höflich möchtelt wir es uns verbitten, daß, also der Stab gebrochen wird über eiltet! mindestens beachtenswerten Kreis derjenigen, welche so naiv sind, zu glauben, es gäbe noch Ausgaben in der Gola. Und' wir halten es für eine Ehrenpflicht, Zeugnis abzulegen, daß diese Kreise wahrlich nicht von der Liebe zum Lande „nur gesprochen" haben. Hält es .Herr 5). K. nicht für eine Tat, daß wir mit dem Aufgebot der größten Opfer dafür Sorge getragen haben, daß es wo ch M ensch en und Institutionen im heiligen Lande gibt, an die wir anknüpfen können, wenn wir „aufbauen?" Wir sind die letzten, die nicht das Werk für Erez-Jisroel mit dem vollen Ausmaß der Kraft fördern möchten, allein wir legen ebenso energischen Protest dagegen ein, daß man IN Wir machen einen solchen Stimnmngsfeldzug nicht mit, denn gerade in derartigell Uebertreibungen liegt das Unheil der jüngsten Jahre beschlossen. Und dazu ist uns Jisroel zu heilig, Agudas Jisroel zu hoch. —s" n Die Ukrainer Waisenkinder. Von S. Freudenberger in Flieden. Die Not der Ukrainer Waisenkinder ist bereits von berufener Seite zur Genüge geschildert worden. Unsere Sprache ist zu schwach, das große Elend zu schildern, das über unser Volk hereingebrochen ist. Man hätte erwarten sollen, daß angesichts dieser großen Notlage Tausende sich bereit erklären würde.n, ein armes Waisenkind an Kindesstatt anzunehmen. Wohl sind ungezählte Millionen für die Aermsten der Armen gesammelt worben, aber ein schützendes Obdach hat man den meisten unglücklichen Kindern noch nicht gelvährt. Wohl erfordert die Ausstattung der Armen größere Geldmittel, jedoch wichtiger als die Geldspenden ist für die verlassenen Wesen ein Heim, eine Stätte, wo sie ihr müdes Haupt zur Ruhe legen können. u'- Wie in den Zeitungen und von Augenzeugen berichtet wird, schmachten an verschiedenen Bahnhöfen der Ukraine Tausenoe armer Waisen in Baracken, zusammengepfercht wie die Schafe in der Hürde. Im Bezirk Rowno sollen 28 000 Kinder des schützenden Obdachs entbehren. Biele Tausende, man spricht von 80 000, sämtliche Waisen unter 3 Jahren sollen bereits ein Opfer des Hungers geworden sein. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache. Wollen wir immer noch überlegen, ob wir ein Kind diesem Elend entreißen wollen. Die Legende berichtet uns vom Wundermanne Nachum isch gamsu, daß er einst bei seiner Rückkehr von einer Wanderung von einem Verhungernden angesprochen wurde, ihm ein Stück Brot zu reichen. Er wollte erst seinen Esel absatteln und dann dem Armen das Gewünschte übergeben. Als er zurückkehrte, war der Arme verschieden. Der fromme Gelehrte machte sich nun den Vorwurf, den Tod dieses Armen verschuldet zu haben, und erbat sich vom Allgerechten die härtesten Strafen für seine Unterlassungssünde. Erst nach langem Flehen wurde ihm seine Bitte gewährt. Des Augenlichts beraubt und an Händen und Füßen gelähmt, büßte der Fromme seine Verfehlung. Befinden wir uns nicht in derselben Lage? Jedes verhungernde Kind wird eine Anklage für uns ani Throne des allgütigen Vaters. Alle, alle sino wir verpflichtet, ein Kind anzunehmen. Ihr Reichen, die Ihr vielleicht Tausenoe und Zehntausende gespendet, seid nichtsdestoweniger verpflichtet, auch dieses Opfer Euch aufzuerlegen. Und auch Ihr Armen, könnt Euch dieser Verpflichtung nicht entziehen. Wenn Eure Mittel es Euch nicht gestatten, ein Kind unentgeltlich zu verpflegen, so' stellt euch der geschäftsfuhrende Ausschuß des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel in Halberstadt die erforderlichen Kleider, Betten und Gelder zur Verfügung. Wir alle haben durch unsere Sünden das große Unglück nijtverschuldet, und wir alle müssen ein Opfer und sei es auch noch so schwer, bringen. Am Roschhaschonohfeste und den darauf folgenden Bußtagen schalten wir in allen Gebeten wiederholt die Bitte um Erhaltung unseres Lebens ein. „Gedenke unser zum Leben, o König, der du Wohlgefallen hist am Leben und schreibe uns ein ins Buch des Lebens! O, schreibe zum glücklichen Leben alle deine Bundes- ,«l älter."_,_ » kinder! O, laß im Buche des Lebens, des Segens Und ß des Friedens uns erwähnt und verzeichnet sein etc/' Also wir treten vor unsern allgütigen Vater und bitten ihn Erhaltung unseres Lebens und lassen es ruhig geschehen, wie Tausende und Abertausende seiner Geschöpfe Vorkommen und dahinsiechen! Kann es eine größere Blasphemie geben!? Drum, lieber Bruder, liebe Schwester, willst du am heiligen Rosch Haschonohfeste vor deinen Schöpfer treten und ihn bitten, daß er dein Leben und das Leben deiner geliebten Angehörigen erhalte, so spende auch Du Leben. Opfere deine Bequemlichkeit uno laß dich durch keinerlei Einflüsterungen des Jezer Hora von dieser großen 'Mizwoh zurückhalten. Und erwähle ä rs Lebens mnai An die Orfjj und Zugendgruppen. 1. Wir versandten Aufrufe für den Keren Hajischuw, Kalender für 5682 sowie Ransch^Chaudeschkarten. Wir bitten dringend für sofortige Verteilung besorgt zu fein. Weiteres Material kann auf Wunsch gesandt werden. 2. Ju den Gruppen sind entsprechend unserem Rundschreiben vom 25. September sofort die Vorbereitungen für die am Erew Jomkippnr in allen Synagogen für den Keren Hajischuw zu veranstaltende Tellersammlnngen (Kaaroth) zu treffen. Das Erträgnis der Samntlungen beliebe man unserem Postscheckkonto 593 00 mit dem Vermerke „Kaaroth" zu überweisen. Mit ö"n Wunsch PtUästmazentraLe der Agudas Jisroel für Deutschland. Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31. Die Maine-Aktion der Agudas-Wroel. Bericht über den Gesundheitszustand ukrainischer Waisenkinder in Wien. Tank dem Liebenswürdigen Entgegenkommen des Herrn Oberstabsarzt Tr. Chajes in Wien konnte der Ausschuß des Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel durch seinen Vertrauensarzt, Herrn Tr. Buttenwieser ans München, 50 ukrainische Waisen, die vor kurzem nach Wien gebracht worden waren, ärztlich untersuchen lassen. Abgesehen von erheblicher Unterernährung ist der Gesundheitszustand der Kinder im allgemeinen ein guter. Entgegen der in manchen Laienkreisen geäußerten Befürchtung über eine Zunahme venerischer Erkrankungen auch bei jüdischen Kindern in Polen und der Ukraine während des Krieges, ergab die Blutuntersnchung, die bei allen vorgenommen wurde, daß sämtliche Kinder, auch in dieser Beziehung gesund sind. Tie Blutuntersuchung wurde im Serotherapeutischen-Institut in Wien ausgeführt. Tr. Buttenwieser beabsichtigt im November l. I. nach Polen und den polnisch besetzten Gebieten der Ukraine zu fahren, um die gesundheitlichen und hygienischen Verhältnisse an Ort und Stelle zu prüfen. Nach allen Informationen besteht leider kein Zweifel, daß die Zahl der ukrainischen Waisen viele Tausende beträgt. Da der Transport dieser Kinder aus Polen mit Schwierigkeiten verbunden ist, bitten wir die Familien, die in hochherziger Weise sich bereit erklärt haben, für diese Waisen zu sorgen, sich noch einige Wochen zu gedulden, bis ihre Wünsche erfüllt werden können. Hingegen ist es dringend erwünscht, daß in der Zwischenzeit in allen Ländern, Städten und Törfern, wo jüdische Gemeinden sich befindetl, fleißig Geldmittel, Wäsche, Kleider etc. gesannnelt werden, damit der Kriegswaisenfonds beim Eintreffen der Kinder, der großen Aufgabe, die er sich gestellt hat, gewachsen ist. Auch bitten wir neiierhin um Angabe an die Adresse des Kriegs n-aisenfonds der Agudas Jisroel-Halberstadt und Aaudas Jisroel-Wien II, Malzgasse 12 a, welche Familien bereit sind, durch Adoption oder Bestreitung der Erziehungsunkosten in Familien oder Waisenhäusern diesen unglücklichen Kindern eine Lebensmöglichkcit zu gewähren. Für die Ernährung der ukrainischen Flüchtlinge und Waisenkinder ' wurde vorübergehend durch den Joint gesorgt, dessen weitere Fürsorge aber bekanntlich in Frage gestelllt ist. Zum Delegiertentag. ' Seit dem Delegiertentag der Ortsgruppen der Agudas-Jisroel und Wochen verflossen ohne daß der Oeffentlichkeit oder besser gesagt, den deutschen Mnatiedern der Agudas-Jisroel ein ausführlicher Berrchr über den Verlauf der Tagung gegeben worden Ware. In den „Blättern" ist allerdings mit dem Abdruck eines lediglich referierenden Berichts b e g pnrtc n worden: es fehlt aber immer noch der Artikel, der aus berufener Feder die Ergebnisse der Tagung äuf^^plenqefaßt und gewertet hätte. Der „Israelit' hat in der Woche, zu deren Beginn die Tagung ftatlsand, einen kurzen Vorbericht über den ersten Tag gebracht, ist aber weiter mit keinem Worte auf die Tagung zurückgekommen. Es mutet dieses sonderbar an, nachdem das gleiche Blatt in der Folge dem Ziomstenkvnqreß nicht Spalten, sondern ganze Setten voll a n s f ü h r l'i ch e r Berichte gewidmet hat.*) — Auf dem Delegiertentag ist die alte wechselseitige Klage geführt worden, daß die Leitung die Mitarbeit der Ortsgruppen und Mitglieder vermisse, während den Gruppen angeblich das Material zur Arbeit und Propaganda fehle. In dem oben erwähnten Ausbleiben eines guten journalistischen Berichts, der zu den Arbeiten der Tagung Stellung genommen hätte, ist unseres Erachtens dargetan, daß der Deutschen Agudas-Jisroel immer noch die unumgänglich nötige journalistische Vertretung fehlt, ohne die eine große Organisation heute schlechterdings nicht arbeiten kann. Die Leitung der Tagung war in den bewahrten Händen des Gruppen-Verbands-Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach wie immer ausgezeichnet aufgehoben. Dagegen machte sich hinsichtlich der Vorarbeiten ein gewisser Regiemangel fühlbar. Wir meinen in erster Linie die Aufstellung einer zu großen Tagesordnung unter gleichzeitiger Beschränkung der Tagung auf nur einen Tag. Es war sehr schade, daß hierdurch überaus wichtige Punkte von der Tagesordnung gestrichen werden mußten, die für die erfolgreiche Arbeit innerhalb des Gruppenverbands von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Es wäre wohl richliger gewesen, für die Tagung uiindestens zwei Tage vorzusehen und es hätte bedeutend an Zeit gespart werden können, wenn die Referate vorher Vorgelegen hätten, damit sich die Referenten hätten kürzer fassen können, wobei natürlich gesagt werden muß, daß wir von den Ausführungen des einen oder anderen.Herrn die Wirkung des gesprochenen Wortes nicht hatten . vermissen mögen. — Versagt haben die Ortsgruppen, denn die Beschickung des Delegiertentags blieb hinter den bescheidensten Erwartungen weit zurück und es darf nicht verschwiegen werden, daß man erstaunt war, daß große führende Gemeinden -- es sei nur.Hamburg erwähnt — nicht vertreten waren. Hier muß für die Zukunft durch straffere Disziplin Abhilfe geschaffen werden und gerade darum bedauern wir, daß Punkt 7 oer Tages-Ordnung unter den Tisch fallen mußte. — Was wir weiter besonders vermißt haben, war die Teilnahme der Frankfurter Orthodorie an den Verhandlungen des Delegiertentages. Obwohl zweimal zuvor in den „Blättern" mitgeteilt war. daß Gapkarten ausgegeben werden, waren von den Mitgliedern der Frankfurter Ortsgruppe, soweit sie nicht Delegierte waren, nur ganz wenige zu sehen und es hat den Anschein, als ob innerhalb der Frankfurter Ortsgruppe in diesem Punkte nicht die erforderliche Vorarbeit geleistet worden wäre. Bei der sehr interefsanten Diskussion über das Breuer'fche Programm, die auf einem bemerkenswert hohen Niveau stand, war im Zuhörerraum von Baalebatim nur ein einziger Herr zu sehen. — Es wäre überhaupt am Platze gewesen, wenn am Vorabend eine große Propaganda-Versammlung stattgefunden hätte, in der außer den bewahrten Frankfurter Führern auch noch der eine oder andere der auswärtigen Gäste gesprochen hätte. Die vorletzte der Tarjag Mizwaus „Hakhel", bei der uns der Grund deutlich angegeben ist, besagt ja auch n^olüv. anderes, als daß durch die Veranstaltung einer großzügigen Versammlung auf das Gemüt der Teilnehmer eingewirkt werden soll, zu dem Zwecke „lemaan 9^Edu-weforu". — Wir dürfen wohl sagen, daß wir ' Reifte _ dieses Tauroh-Gebotes folgen, wenn 111153 Prvpagandamittel in den Agudas-Jisroel stellen. Es braucht hierbei nichts Neues gesagt zu werden — bei „Hakhel" wurde Irplrniln1 ^ftnu”ctteix Volke ja auch nur Bekanntes vor- ,Ät.“6er lluytand, daß das ganze Volk z^igcgei. seiii mußte und der König es war, der das w Vereinbarung mit der Redakt L"' ,/>Kraelit sollen die Aguda-Angeleqenheiten die''ia s°ll "VMttern" behandelt wert du ,a ju.uu Lepr de- „Israelit" zu Gesicht komm Red. d. „Blätter'

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