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Blätter · 1921-06-02 · 18 (2.6.1921) · p. [Seite 3]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
18 (2.6.1921)
Date
1921-06-02
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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9 Juni 1921. in Polen veröffentlichen werde und zwar im „Jud", dessen Nr. 115 wir folgendes Schreiben des Gerer Rebbe an feilte Familie entnehmen. II. Aus einem Brief des Ge rer Rebbe. „Mein Herz erfüllt Weh und Stotz zugleich, da ich die majestätische Schönheit von unserem heiligen Lande sah. Ich besuchte dort die fü'bifclreit Anstalten, vor allem das orthodoxe Schulwerk (der Pekidim und Aguda) und fand es vorzüglich. Doch bedarf es finanzieller Unterstützung, damit die Anstalten vergrößert werden können. Ich habe zu meiner Freude gemerkt, daß wir Juden in Erez-Jsroel ein ruhiges Leben haben, und nach der Tradition unserer Väter dort sich ausleben können. Derjenige, welcher mit Kapitalien hinübergeht wird zweifelsohne sein volles Auskommen finden. Aber auch diejenigen, welche nicht die Möglichkeit haben sich ständig in Erez-Jsroel aufzuhalten und welche ihren frommen Gesinnungsgenossen helfen möchten, daß sie sich dort ansiedeln, müßten meines Erachtens nach einen bestimmten Teil ihres Vermögens zum Kauf von * Land verwenden, was sicherlich kein herausgeworfenes Geld ist. Es wird umgekehrt Gott die geschäftliche Unternehmung desjenigen zum Erfolg begleiten lassen, der einen Teil seines Vermögens zum Ankauf von Land in Palästina verwendet. Um in dieser Sache anderen beispielgebend voranzugehen, habe ich mit den übrigen Delegierten und mit Jerusalemer Gesinnungsgenossen eine Aktien-Gesellschaft gegründet, welche bei Jaffa 20 000 Ellen Land gerauft hat, um dort im Laufe eines Jahres eine Siedelung zu gründen und ich hoffe und ich richte meine Bitte an die Gesamtorthodoxie, daß man meinem Beispiel Folge leisten möge, weil jetzt die Zeit gekommen ist in Erez-Jsroel reale Arbeit zu leisten. Meine übrigen Vorschläge bezüglich praktischer Palästinaarbeit werde ich dem rabbinischen Rat und dem Zentralrat der Aguda vorlegen. Ich besuchte Sir Herbert Samuel und er versprach mir, den orthodoxen Juden, die nach Erez-Jsroel kommen, dieselben Rechte zu gewähren, wie den anderen Organisationen, und gestattete mir, dieses in seinem Namen zu melden. Er knüpfte die Bedingung daran, daß man mit den nichtjüdischen Einwohnern in Frieden auskommen solle, was ich ihm mit ruhigem Gewissen von unserer Seite versichern konnte. Ihr wißt, daß man auf der Wiener Konferenz beschlossen hat, daß die Arbeit der Aguda für Jischuv Erez-Jsroel unabhängig von politischen Bedingungen stattzufinden habe. Die Mizwo von Jischuv Erez- Jisroel hängt nicht von der politischen Lage und nicht von der Zeit ab, sondern nur von der Möglichkeit sie ausüben zu können, und deshalb muß jetzt die Möglichkeit ausgenützt werden mit der größten Energie zu arbeiten, denn je mehr orthodoxe Juden lsinkommen werden, umso erfolgreicher wird deren Streben sein, die Heiligkeit des Landes zu erhalten." III. Paläst inaarbeit der einzelnen La ndesor ga nisa tio nen. Die polnische Landesorganisation harrt mit Spannung der mündlichen Berichte ihrer Delegation. Zwei Mitglieder derselben, Herr T. Maler und Herr Steranky sind auch nach der Abreise des Gerer Rebbe in Erez-Jsroel zurückgeblieben um die angefangene Arbeit fortzusetzen. Ein weiteres Mitglied der Delegation, Herr Eißner, hat ein Haus und daneben einen Baugrund für einige Häuser in Jerusalem gekauft und wird eine Fabrikanlage gründen. Die polnische Aguda hat bis jetzt vier Millionen Mark dem Keren Erez-Jsroel der Aguda zwecks Lanoankauf beigesteuert. Sie wird zunächst von ihrer Landesorganisation ans 20 000 Dun am kaufen und hat sich deshalb mit der Wiener itito Frankjurter Zentrale ins Benehmen gesetzt. Die Letzteren haben in gemeinsamer Stellungnahme mit den anderen Palästinazentraleil der Aguda, vor allem mit der Litauischen und Lettischeil, bereits „B l ä t t e r." I konkrete wirtschaftliche Projekte ausgearbeitet, I deren Veröffentlichung bevorsteht. Tie Wiener Aguda hat die Sorge für die Verpflegung und Unterkunft der sich in Wien aufhalteuden polllischell Aguda-Emigranten übernommen, welche durch das Einwanderungsverbot all der Weiterreise verhindert, in großer Zahl in Wiell sehn süchiig die Möglichkeit der Weiterreise erwarten. Tie englische Landesorganisation hat in ihrer letztell Tagung folgenden Beschluß befaßt: I. a) Tie erste Jahreskonferenz der englischen Agudahgruppen erklärt, daß es heiligste Pfllcht der orthodoxen Judenheit sei, den auf der Kattowitzer Konferenz gegründeten Keren Erez Jisroel mit allen Kräften zu unterstützen. d) Die Jahreskonferenz drückt ihre größte Zufriedenheit zu dem Beschlüsse der englischen Regierung aus, das geschichtliche Recht der JuHen an dem historischen Jüdischen Land, mit dem sich die orthodoxen Juden vereint fühlen, anzuerkennen. e) Die Jahreskonferenz erklärt, es sei die höchste Pflicht der orthodoxen Judenheit der ganzen Welt, die größten Anstrengungen zu machen praktische Arbeit in Erez Jisroel zu leisten und dafür zu sorgen, daß alle Ausbauarbeiten in Erez Jisroel in Uebereinstimmung mit Thora und Tradition gemacht werden. (1) Die Jahreskonferenz bittet den Zentralrat der Agudas Jisroel, die höchste Antorltät innerhalb der Organisation, sofort die nötige Aufmerksamkeit der Erez Jisroel-Arbeit zu weihen und sofort Vorbereitungen zu treffen und praktische Pläne auszuarbeiten, um die Einwanderung religiöser Juden zu ermöglichen und zu fördern und produktive jüdische Kolonien (Jischuvim) in Erez Jisroel zu errichten in Uebereinstimmung mit Thora und Tradition. o) Die Jahreskonferenz bewillkommt unb erklärt, daß der privaten Initiative durch religiöse Juden für Erez Jisroel Arbeit und Aufmunterung gegeben werden soll. Die Konferenz begrüßt besonders die Tatsache, daß unter den Mitgliedern der englischen Gruppen der Agudah Jisroel ein Komitee gebildet worden ist zum Zwecke, eine Handelsgesellschaft zu errichten, um Aufbauarbeit in Erez Jisroel zu unternehmen. Die Jahreskonferenz beauftragt das Exekutiv-KomKee der englische Agnats Jisroel-Gruppen, die nötigen Schritte zu tun, um die Verwirklichung dieser und ähnlichen Unternehmen in die Tat umzusetzen. k) Die Jahreskonferenz beschließt respektvolle Grüße im Namen der englischen Gruppen der Agudas Jisroel dem H'gh Commissioner Sir Herbert Samuel zu übersenden und ihn zu benachrichtigen von ihrem ernsten Entschluß, mit dem Aufbau von Erez Jisroel in Uebereinstimmung mit dem traditionellen Judentum anzufangen. Die Konferenz erwartet, daß die Verwaltung von Erez Jisroel solche Arbeit unterstützen und die angeführten Prinzipien in Betracht ziehen wird. Die Idee des Agudismus. IV. Agudismus und Zionismus haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Sie knüpfen beide, über die Jahrhunderte hinweg, unmittelbar an die Katastrophe des Jahres 70 an. Sie lehnen es beide ab, mit dem Golus als historische Tatsache sich abzufinden. Sie empfinden beide das Golus als höchstes nationales Unglück und __ Nr. 18. Seite 3. senken den spitzen Stachel dieses Bewußtseins tief ins Herz ihrer Bekenner. Aber der Zionismus sieht nur die äußere Erscheinungsform der Katastrophe des Jahres 70: die Trennung des Volkes von seinem Lande. Die Umstände und Ursachen, die zu dieser Trennung geführt, gelten ihm als längst verjährt, als durch die Jahrhunderte überholt. Eine historische Konstellation, der römische Imperialismus, har das Unglück gebracht. Eine neue Konstellation kann die Erlösung bewirken. In dem Streben nach Bereitstellung des Landes für das Volk erschöpft sich das amtliche Programm des Zionismus. Der Zionismus kennt keine Golusbestimmung des jüdischen Volkes. Ueber die Struktur der Judenheit inr Golus hat er sich nie Gedanken gemacht. Das einfältige Wort von der Stammeseinheit hat ihm Genüge getan. Der Goluszustand des jüdischen Volkes gedeiht ihm zu vollendeter Sinnlosigkeit. Der Sinnlosigkeit der Judengeschichte ein baldiges Ende zu bereiten, ist fein heißes Bemühen. Zwischen ihm und dem Agudismus gibt es keine Versöhnung. Dem Agudismus gilt die Bereitstellung des Landes ohne gleichzeitige Bereitstellung d>es Volkes als vollendete Leugnung des Gottes der Geschichte. Dem Agudismus unterscheidet sich die Judeneinheft im Golus ihrer Struktur nach in nichts von der Judeneinheit im Lande: es ist die Einheit der Rechtsuutertanen Gottes, die jüdische Rechtsgemeinschaft. Gott ist der Herr des Landes wie des Volkes. Volk und Land sollen nicht für einander, sondern gemeinsam für Gott bereitgestellt werden. Wohl richtet auch der Agudismus den Blick des jüdischen Volkes auf das Golusende. Aber nur, um dieses Golusende dem jüdischen Volke als ein Ziel hinzustellen, dessen es sich durch freie sittliche Tat würdig erweisen soll. Und die Vollbringung dieser freien sittlichen Tat ist dem Agudismus Sinn und Bestimmung des Golus. Das Golus des Landes und das Golus des Volkes kann der Agudismus nicht voneinander trennen. W>as nutzt es, wenn das Land sein San Remo erlebt, solange nicht das San Remo des Volkes gekommen? Kein Balfour kann dem Volke sein San Remo bringen. Was nützt dann das San Remo des Landes? Das Land von den Ketten der Feinde befreien, ohne das Volk von den Ketten der Untreue gegen Gott und sein Recht lösen: was spräche wohl Jirmejah, der Prophet, zu solch wahnwitzigem Beginnen? Der Zionismus will das Golus des Landes beenden und verlängert das Golus des Volkes, dessen geschlossene Rechtseinheit er verwirft und aus dem er eine chaotisch zusammengewürfelte Stammeshorde macht, die er in seiner Organisation höchst äußerlich von neuem sammeln möchte. Aber der Einzug des jüdischen Volks in das jüdische Land wird nicht anders sein als zu Jofuas Zeiten: Gottes Bundeslade geht voran, und ihr folgen die in Gottes Bund Geeinten. Der Agudismus ruft die jüdische Nation in einer Zeit furchtbarster Gefahr zur freien, sittlichen Tat auf: Erlöset euch und das Land! Führet bewußt das Ende des Golus für Nation und Land herbei durch Bereitstellung von Nation und Land für Gott und sein Recht! Bringet Gottes Staatsvolk und Gottes Staatsland zu Gott, damit Gott aus ihrer Bereinigung den Gottesstaat neu erstehen lasse! An der Erlösung des Volkes und des Landes hat die Leitung der Agudas Jisroel, haben ihre Landesverbände und ihre Ortsgruppen bewußt zu arbeiten. Sie sollen die Scheidewände fort räumen, die zwischen der Nation und Gott wie zwischen dem Lande und Gott sich trennend erheben, sollen das Land des Rechtes Gottes immer fester um Nation und Land schlingen. Gott hat den Zionismus über sein Volk verhängt, um den Agudismus in ihm zu entflammen. Welch ungeheuere Aufgabe für die Leiter der Agudas Jisrosl und ihrer Landesvdrbänd^

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