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Blätter · 1921-05-19 · 16 (19.5.1921) · p. [Seite 2]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
16 (19.5.1921)
Date
1921-05-19
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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Aelte 2. Nr. 16. Blätte r." lg. Mai 1931. Tendenz, relativ einfache Vorschläge abzulehnen und komplizierte --- zn erwägen. Daran hatte der Misrachi ein begreifliches ganz bestimmtes Interesse. Unser gegenteiliges Interesse War, eine Basis zu praktischer Gemeinschaftsarbeit zu erspähen, die ab er am W i d erstan d o es Misrachi scheiterte, und eine theore t i s ch e Einheit zu v e r m e i d e n, b ie v o n jenen aber ge lv ü n s ch t w u r de. Lo kamen wir auseinander, nicht anders. Auch in Amsterdam, wo man irach der Darstellung des Msrachistischeu Blattes durch eitle Resolution „erneut zur Einigung aufrief". - In Amsterdam forderte der Misrachi wirklich in einer Art Ultimatum an die Zionistische Mutterorganisation von dieser neben denr areligiösen, einen selbständigen orthodoxen Waad hachinuch. also ein eigenes Erziehungswesen im heiligen Lande für die Orthodoxie. Das misrachistische Ultimatum wurde von den zi o - n i st i s ch e n Führern abgelehnt, u u b Misrachi zog nicht die vorher a n g e - drohten Konsequenzen. Der mutige Entschluß wurde sogar im eigenen Lager unter Führung von Erich Fromm und Dr. Rabin getadelt. ' Ad vocem vr. Rabin: Der Herr Gegner irrt, wenn er meint, die Aguda habe „kein Wort des Bedauerns" verlautbart, als „der andere konservative Dozent" der Breslauer Kefiro-Hochburg die' Berufung annahm. Vielmehr hat der Halberstädter Delegiertentag der deutschen Aguda (gegen wenige misrachistisch-agudistische Stimmen) eine Protestresolution dagegen angenommen, und es wurde nicht geruht, bis die persönlich zu bedauernde, aber unabweisbar nötige Folge eintrat: Der .Herr gehört der Aguda-Leitüng llicht mehr an. Eine Inkonsequenz wäre tu diesem Falle liebenswürdig gewesen. Sie bleibt dem Misrachi überlassen. Dessen Redakteur aber bringt als Knalleffekt dieses unzutreffenden Vorwurfes die folgenden zwei tiefernsten Sätze: „Wir erimiern uns, in der Thora das Verbot gelesen zu haben, mit zweierlei Matz zu messen. Etwas mehr Thoratreue, verehrte Scharfmacher innerhalb der Aguda!" — Wir sind zerknirscht. Weitere Jrrtümer, die das misrachistische Zentralorgan begeht, beruhen auf dem Grundirrtum, datz es dem Wiener Falschbericht von vermeintlich einwandfreier Seite mit zu leichtem Sinn vertraut hat. Hier einige Proben: „. . . . datz Herr Rosenheim zwar nochmals den Versuch gemacht hat, zum Frieden mit dem Misrachi zu raten . . . ." „. daß die schärfere Tonart von Herrn Rabbiner Pinchas Kohlt und zwei polnischen Rabbinen die Versammlung nicht nur zum Abbruch der Verhandlungen (mit wem?) veranlassen, sondern sie auch zu einem Kampf gegen den Misrachi aufrufen konnten". Rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht. Rosenheim hat nicht für, Rabbiner Pinchas Kohn hat nicht gegen den Misrachi gesprochen. ';3>er Name „Misrachi" wurde während der ganzen Zentralwoche vielleicht mal gestreift, wie in Parenthese genannt; aber von keinem D e l e - g i e r t e n i st e r n st h a f t v o n V e r h a n d l u n - gen gesprochen w o r d e tt, die man nt i t dem Misrachi führen oder u n t erlas s e n s o l l e. Alle diese Jrrtümer und noch ein Bündel weiterer, die sich anschließend tumtneln sie stammen anscheinend allesamt aus derselben „absolut einwandfreien" Quelle - bringen das misrachistische Zentralorgan zu der ernsten Frage, ob es ihm, angesichts aller schauderhasteiw Tatsachen (die Aguda könne in Erez Jisroel nicht produktiv tätig sein, sie könne nicht einmal einige orthodoxe Familien hinübersenden, sie wolle vielleicht gar den Beschlutz von San Remo umzustoßen suchen, um sich Daseinsberechtigung zu geben usw.) ob es ihm noch möglich ist, der Aguda gegenüber „die Neutralität zu bewahren". Die Neutralität zu bewahren? So scherzhaft sich das auf den ersten Blick ausnimmt, so ernsthaft meinen eS die Herren Misrachisten. Sie meinen in der Tat, lv i r hätten den Bruderkrieg entfesselt, w i r hätten den Fehdehandschuh hingeworfen — sie hätten aus unsere Angriffe nur „voll Zeit zu Zeit" notgedruugen reagiert, keineswegs in allen Fallen und keineswegs immer mit der erforderlichen Schärfe bis jetzt endlich durch die Wiener Vorgänge das Matz voll und der offene scharfe Kampf unvermeidlich werde. Nein, geehrte Herren, es hat sich wirklich nichts geändert. Sie haben sich grundlos echauffiert. Sie können die alte „Neutralität" bewahren. Sie können in Ihrer Friedensliebe uird Bescheidenheit weiter betonen, „datz jedem die Entschließung, welcher Organisation er angehören wolle, freistehe, daß nur von jedem, der seine Pflicht gegenüber seinem Volke erfüllen wolle, verlangt werden müsse, daß er auch dem Misrachi angehöre". Wir schätzen dann im Fluge ab, wieviel Misrachisten unter zwölf Millionen Juden zu zählen sind und wieviel andere, die also ihre Pflicht ihrem Volke gegenüber nicht erfüllen wollen — und quittieren vergnügt auch über diese Harmlosigkeit. Es hat sich wirklich uichts geändert, auch nicht in der Wiener „Jüdischen Presse", die zwar nicht den gesegneten Namen Hildesheimer, aber seinen Emmes an der Stirn trägt. „In den verschiedensten Zuschriftelt aus Oesterreich" ist das Zentralorgan des Misrachi „gebeten worden" zu berichten, daß im Redaktiousbüro der „Jüdischen Presse" ein Mann angestellt ist, der in Ungarn Kommunist war. Mir ist erzählt worden, der Herr, der ein vorzügliches Einfühlungsvermögen hat, ein glänzender Journalist ist und dadurch in der Redaktion ausgezeichnete Dienste leistet, habe sich, als der bolschewistische Terror über Ungarn hereinbrach, aus effektiver Lebensgefahr, nur deswegen zum Konrmunismus bekannt und sei ein paar Tage lang in eine kommunistische Zeitungsredaktion gesteckt worden. Ich glaube das, habe aber keine Beweise dafür zur Hand. Was indessen feststeht, ist erstens das D enu n zi a tiö nch en an sich nnb zweitens der Grund, aus dem es von dem Misrachi gebracht wird. Die Aguda ist nämlich eine orthodoxe Organisation. Bolschewismus und Orthodoxie schließen einander natürlich aus; infolgedessen birgt die Aguda uicht die Gefahr in sich, etwa kommunistische Elemente nach Erez Jisroel zu bringen. Dieser Umstand könnte sie möglicherweise bei der Mandatarmacht in einen kleinen Vorteil gegenüber den Zionisten setzen. Den lvnservativen Misrachi und seine religiösen Mitglieder berührt das natürlich gar nicht. Programmähig jedoch ist der Misrachi „eine Gesellschaft von Zionisten"; darum muß er die Agudakreise, „die sich als Schutz gegen den Bolschewismus gerieren", und ihren vorgedachten Wiener Beamten verdächtigen, mutz, wie er sich ausdrückt, diesen Fall jetzt „leider" der Verborgenheit entreißen. — „Leider" ist über wältigend! Nein, es hat sich wirklich nichts geändert, weder hüben noch drüben. Fassen wir, wie schon früher mehrfach getan, dasjenige, was Misrachi und Agudas Jisroel eint, und dasjenige, was sie voneinander prinzipiell trennt, zur Herstellung möglichster Klarheit noch einmal zusammen. Die Agudas Jisroel beansprucht, ihre Tätigkeit von v o r n e h e r e i n auf die Idee des „Gottesv Kkes" auszubauen. Der Misrachi sieht die Verwirklichung dieser Idee als sein Endziel an, nicht aber als die Basis seiner Tätigkeit. Daraus ergibt sich, daß der Misrachi kein U n r e ch t und keine Gefahr barin erblickt, sich zunächst einmal auf den Boden der auch von ihm bedauerten - Tatsache zu stellen, daß die zionistische Organisation für das jüdische Volk die unbeschränkte Souveränität auch in religiöser Hinsicht in Anspruch ninlmt und den Willen der Mehrheit als den Willen der Nation selbst dann anerkennt, wenn er sich gegen den Gotteswillen wendet. — 'Ster Misrachi hofft, die zionistische Organisation durch Ueberzeugung oder Majorisierung von innen heraus im Sinne unserer Ideale wandeln zu können. Die Agudas Jisroel dagegen erblickt in der Hinnahme der erwähnten Tatsachen durch Eintritt in die zionistische Organisation bereits eine unerlaubte Preisgabe des religiösen Prinzips von der Unbedingtheit des Gotteswillens, und sie erblickt ferner in diesem Beitritt eine Gefahr für die dauernde Aufrechterhaltung diefts Prinzips im Bewußtsein der jüdischen Masse. Das Verhältnis der Ueb ero rdnung, in welchem die Zionistische Organisation zu ihrer M i s r a ch i f r a k t i o tt steht, h ält die Agudas Iisroel für eine Verleugnung des Grundgedankens der jüdischen Religion. So hat es die Leitung der Aguda schon bei Urbeginn der Verhandlungen mit dem Misrachi betont. Wenn dieser sich dereinst aus der zionistischen Umklammerung befreit haben wird, dann kann die natürliche organisatorische Einheit aller derjenigen Kreise geschaffen werden, die das Gottesgesetz als Alleinherrscher anerkennen. Wir täuschen uns nicht darüber, daß dieses Endziel noch recht fern ist. Denn die politischen Erfolge des Zionismus blenden noch viele Leute, und sie meinen, das Heil in dem Anschluß an die Zionistische Organisation zu sehen. Tritt aber auf dem Boden Palästinas bei der praktischen Arbeit der tiefe Gegensatz zwischen Nurzionismus und Misrachi-Zionismus erst in die Erscheinung, dann kann sich die Situation ändern. Bisdahin müssen wir miteinander ringen. Daß es in brüderlicher Form, nicht gehässig, nicht feindselig geschehe, ist unser aufrichtiger Wunsch. Halberstadt, am 19. Omertag 5682. Gottfried Goldschmidt. Rabbiner IN. S. Halpern Wie ein Blitz aus heiterenr Himmel traf uns die Nachricht, daß der polnische Seimabgeordnete, Mitglied des polnischen Zentralkomitees der Aguda, Rabbiner Halpern- Lodz, im Alter von 49 Jahren am ersten Tag Chaulhamoed einem Herzschlag erlegen ist. Noch auf der Wiener Zentralratssitzung hatten wir Gelegenheit, diesen seltenen Menschen zu bewundern; wie er es verstanden, in einer großen Versammlung der Wiener Jugendgruppe die Zuhörer hinzureitzen. Wir sehen ihn noch vor uns, voll Jugend und Kraft, voll Initiative und Energie Thoraideale auch in die Tat umzusetzen. Neben seinem großen Thorawissen, welches and; für polnische Verhältnisse selten war, gehörte Halpern zu den ganz wenigen, die die Eignung besahen, auf Grund ihrer profanen Kenntnisse die Orthodoxie im polnischen Landtag achtunggebietend zu vertreten. Für unsere polnischen Gesinnungsgenossen ist der Verlust ein geradezu unersetzlicher. In erschütternder Klage kommt dies in dem Nachruf zunr Ausdruck den „Der Jud" denr Heimgegangenen widmet. Aber auch die Leitung der Gesamtaguda, in welcher Rabbiner Halperrr tätigst mitarbeitete, wird nur schwer den Schlag verwinden können, daß einer der wenigen von uns gegangen ist, welche es verstanden haberl, ihre Tchoraüberzeugung nach innen urrd nach außen mit einem Feuer und einer Energie zu vertreten, welcher die Wirkung selten versagt blieb. Das Geheimnis'seiner Persönlichkeit bestand neben der Abgeklärtheit seines Wesens wie sie einem echten Talmid-Chochom zu eigen, darin, daß dem jüdischen Verstand auch ein jüdisches Herz zugesellt war, welches in Treue für alle seine Brüder schlug, welches alles Weh und alle Bitternis mitempfunden hat, die den jüdischen Volksleib und die jüdische Volksieele, die Thora, trafen. Charakteristisch für seine unermüdliche Tätigkeit im Dienst des Agudagedankens ist es, daß in einer Sitzung des Agndavorstandes in Lodz, welche in seiner Wohnung stattfand, Montag abend 1l Uhr ihn der Tob ereilte, Dnw ma ’tras man* Sein Andenken wird auch uns unvergeßlich bleiben. n"3X3n-

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