Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1921-05-19 · 16 (19.5.1921) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
16 (19.5.1921)
Date
1921-05-19
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641060-9626311--1122-9626312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■--- -. — ' Wummer 16 1». W a i 1921 VIL. Jahrgang =s II. Jjar 5681 b e v n u o i] c i] e b c n u o in Gruppenverbcmd, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. ÄerMsrachi aus demKnegspsade? In seiner 17. Nummer hatte uns das Zenlralorgan des Misrachi aufgefordert, uns zu ocn von unseren polnischen Freunden bereits dementiert gewesenen, durch und durch unrichtigen Mitteilungen zu äußern, die über die Wiener Zentralratssitzung der Aguda von einem uns feindseligen Berichterstatter ausgestrent waren. Diese Rückfrage des Berliner Blattes ist prompt beantlvortet worden. In den Blättern wurde der ganze Berg von Unsinn und Erdichtung, den das I. E. B. geschichtet hat, abgedeckt. Aber unsere misrachistischen Brüder sind nervös und ungeduldig; sie konnten aus unsere sofortige Antwort nicht warten. Schon in Nr. 18 ihrer Zeitung nehmen sie den verlogenen I. C. B.-Bericht als lauterste Wahrheit; er sei inzwischen „von absolut einwandfreier Seite" bestätigt worden. Auf eine Rückäußernng der befragten Aguda kounte somit verzichtet werden. Neben dem offiziellen Aguda bericht steht der zionistische, wie Ja zu Nein, wie weiß zu schwarz, in diametralem Gegensatz, und der liebe Leser könnte sich an den Knöpfen abzählen, wer die Unwahrheit gesagt hat. Es gibt aber auch zur Nachprüfung einen Weg. Im Berliner misrachistischen Büro sitzen Herren, die zion'bischer Eifer wohl bisweilen zu journalistischer Unfreundlichkeit hinreißt, die aber ehrenhaft sind und eine offensichtliche Lüge nicht vertreten mögen. Diesen Herren machen lvir einen Vorschlag: Veranlassen Sie den vermeintlich einwandfreien und streng religiösen Gewährsmann, etwa vor dem Preßbnrger Ralv, dem Sie at derselben Nummer ihres Blattes eine achtungsvolle Verbeugung machen, eurem Mitglied unseres Zentralrates, Auge in Auge gegenüber zu treten, wenn Lie wollen, in Gegenwart einiger Ihrer Gesinnungsgenossen, und Aussage gegen Aussage zu machen. Hat Ihre, wie Sie glauben, absolut einwandfreie Quelle wenigstens subjektiv die Wahrheit gesagt, so wird sie auf diesen Vorschlag eingehen; tut sie dies nicht, so wird )k auch vor Ihnen gerichtet sein. Inzwischen wiederholen wir feierlich, daß das I. E. B. Sie durch euren total verfälschten Bericht objektiv betrogen hat. Der misrachistische Leitartikel trägt die Ueberschrist: „Krieg in der Orthodoxie?" Er beginnt mit dem Ausdruck des Unbehagens darüber, daß sich die Gegensätze zwischen Misrachi und Mts von Monat zu Monat zuspitzen, glaubt sich selber von der Schuld daran frei und hält uns für das Karnickel. Für die Friedensliebe des Misrachi sprächen, so meint der Herr Gegner, eine Reihe Umstände. Zunächst sei der Misrachi die Organisation, die die Einigung der gefantteu Jndenheit anstrebt. Fürwahr ein'treuherzig Argument. Mißlich daran ist nur die Tatsache, daß dieses Ziel von allen anderen ebenfalls verfolgt wird. Schon die Mutter-Gesellschaft des Misrachi will ganz ohne Zweifel die Einigung der gesantlen Jndenheit, und zwar im Zionismus, will alles Trennende ansschalten, auch die leidige „Religion". Da kommen aber die misrachistiichen Krakehler (Pardon!) und uröchten Die „Religion", die nach allen dreimal geheiligten demokratischen Prinzipien doch Privatsache ist, zur Volkssache machen. Wohl sind sie, die Misrachisten, darin schüchtern, nachgiebig, verzichtvoll, voll Ehrfurcht für die zionistische Organisation, aber ihr Begehren allein muß sie schon in den Augen der Nnr-Zionisten zu Störern der Einigung stempeln. Auch die Gegner.links, die der eme: Assimilanten, der andere: Neologe oder religiöse Nihilisten, der dritte gar: Staatsbürger und Neutrale schimpft, auch sie iuo£ien die Einigung der gesamten Jndenheit bei uns zulande und sind weidlich ungehalten, daß Ihr Zionisten mit Eurem zionistischen Separatismus und wir mit unserem orthodoxen Separatismus die Eimhung hindern. Der Misrachi müßte, ist seine Liebe zur Einigung so heiß, wie er es schwört zu jeglicher Stund', gleichzeitig orthodox, zionistisch und neolog sein. Das geht nicht? Nun denn, dann stecke sein Zentralorgan das naive Argument, er fei die Organisation, die die Einigung der gesamten Jndenheit erstrebt, ruhig wieder in die Tasche.. Nach Einigung strebt Agudas Jisroel auch, nach Wiedervereinigung. Israels Stämme waren früher einig. Die Einigung entstand am Hinai. Die Einigungsformel hieß: naasseh wemschmoh. Die Jndenheit wurde Jisro- El, das Volk Gottes und seines heiligen Gesetzes.. Sie dazu, zur Agudas Jisrool, wieder zu vereinigen, ist das Ziel der Agudas Jisroel. Eine Bewegung, die für das jüdische Volk eine andere Eidgenossenschaftsformel als naasseh uenischmoh aufstellt, halten wir für unjüdisch. Ihr auch, Misrachi-Zionisten? Man sollte es fast meinen. Denn den Zionisnius, wie er ist, haltet auch Ihr, so scheint es, für abwegig; darum schüfet Ihr beit Misrachi, der sonst überflüssig wäre. Anderseits seid Ihr „eine Vereinigung von Zionisten", untersteht der zionistischen Organisation und fügt Euch ihr in allen Dingen. Der Misrachi ist somit eine Inkonsequenz, meinetwegen eine liebenswürdige. Er ist ein Widerspruch in sich selbst, eine stiro minej ubej. So hat der Hunsdorfer Raw s. A. den Misrachi bezeichnet. Mit solcher Liebenswürdigkeit der Inkonsequenz arbeitet der misrachistische Leitartikler denn auch weiter. Gerade diejenigen, „die ihm in religiöser Beziehung am nächsten stehen", möchte er Hern schonen. Dieser Ausdruck hat zwar schon im „Israelit" und in sonstigen Aguda- Aeußerungen gestanden; man freut sich aber, ein gutes herzliches Wort erwidert zu sehen. Tatsächlich stehen lvir längst auf diesem Standpunkt. Die Milderung der Kampfform ist bereits vor mehr als zwei Jahren zwischen Misrachi und Aguda in Deutschland verabredet worden. Lang danach, beim Nürnberger Delegiertentag unserer Jugendorganisation, sprach die führende Stimme der Aguda, daß neben der heiligen Pflicht, die Misrachi-I d e e zu bekämpfen, die ebenso heilige Pflicht stehe, in diesem unvermeidlichen Kampf den M i s r a ch i st e n gut und rücksichtsvoll zu begegnen, weil sie achejnn bemizwaus siltd. Mir scheint, wir sind dieser Pflicht eingedenk geblieben. Mir scheint, weder im „Israelit" lwch in den „Aguda-Blüttern" war seitdem eine Verunglimpfung von Misrachisten zu verspüren. Oestlich von Deutschland mag der Tori schärfer pfeifen, aber da gibt es auch eine ganz andere Sorte von Misrachisten als in Berlin und Amsterdam, und wenn die Gegenseite das bestreiten sollte, so lvird sie wenigstens das einräumell, daß im Osteli allgemein, auf allen Seiten, leidenschaftlicher gekämpft lvird als im disziplinierten Westen. — Die Kampfmittel im Berliner Misrackii-Organ aber mögen dessen Herren selber in einer ruhigen Stullde prüfen, mögen, bitte, selber darin die f a st al lw ö ch e n t l i ch e n Angriffe auf die Aguda Nachlesen und dabei ermitteln, ob nicht in vielen, in den meisten Fällen die. sachliche Sprache des Kampfes, die ihnen keiner verübeln dürste, durch etwas ganz anderes ersetzt lvorden ist. Sollten die Herren nichts dergleichen finden, so stehen wir ihnen mit einem ansehnlichen Bouquet aus dem Beet ihrer Presse ungern, aber dienstbereit zur Verfügung. Viel besser aber wäre, man beließe es fortan einfach und konsequent bei dem früheren Pakt: Achtung der Person des Gegners, keine Unterstellung niedriger Motive, leine Herabwürdigung seines südlich-sittlichen Eharakters. Mehr erwarten wir vorerst von den Misrachisten nicht. Mehr dürfen sie nicht von uns erwarten. Der gegnerische Schriftleiter erinnert an Verhandlungen, bie zwischen dem Gruppenoer band der Agudas Jisroel in Deutschland und dem Misrachi-Zentralbüro in Berlin vor zwei Jahren schwebten und, wie er hinzufügt, von uns abgebrochen worden seien. Diese Verhandlungen wurden von uns in der Absicht geführt, festzustellen, ob und inwieweit bei voller Wahrung des unüberbrückbaren prinzipiellen Gegensatzes praktisch gemeinschaftliche Arbeit in und für Erez Jisroel geleistet werden könnte. Da waren wir es, die dem Misrachi den Vorschlag machten, die Tragfähigkeit einer Gemeinsamkeit durch den Versuch einer gemeinsamen Anf ied lung zu erproben. Der Misrachi jedoch erklärte eine territoriale und organisatorische Gemeinsamkeit von Misrachisten und Agudisten auf dem Boden, des heiligen Landes als „ e i n st w e i l i g e U nnlöglichkeit" und begründete dies damit, daß. „Siedlungen, wie sie der Misrachi erstrebt, als Glieder des gesamtnationalen Gemeinwesens notwendig anders gusfehen müssen als Kolonien der Aguda, die sich in ein solches nicht eingliedern, sollen". Man Könnte es, so erwiderten, wi r, ja ruhig der Zukunft überlassen, wie'Kolonien, in denen Ansiedler misrachistischer Erziehung und solche agudistischer Gesinnung wohnen, sich später zu dem thoralosen Gemeinwesen stellen werden. D e r Ai i s r a ch i w o l l t e das nich t. Zur Liebe kann man niemanden zwingen. Jedoch ergab sich für uns mit voller Klarheit die folgende .Ueberzeugung: Hat der Misrachi bei der Siedlung nicht das Zutrauen, daß die gemeinsame «Vertiefung in die Quellen des Thora-Gesetzes, die Autorität der Gesetzesgelehrteu und der Rabbiner: in jedem einzelnen Falle eine Gemeinsamkeit der Entscheidung herbeiführen könne, so kann er dieses Zutrauen bei der Schulorganisation und anderen kulturellen Aufgaben noch viel weniger haben. Für den Misrachi ist eben die E i n g l i e d e r u u g i n das t h o r a l o s e Gemeinwesen eine' Art Glaubenssatz. Das war unsere Erwiderung. ----- Der misrachistische Kritiker fügt hinzu, in mehreren Fällen, die er selbst kontrollieren konnte, sei „durch offizielle Personen von der Gegenseite die objektiv unwahre Behauptung verbreitet lvorden, -vir (die Misrachisten) hätten diese Verhandlungen abgebrochen". Ist die Frage erlaubt, lvann und loo durch „offizielle Personen" der Aguda die Behauptung verbreitet wurde, die Misrachisten hätten diese Verhandlungen aD gebrochen? Sachlich hat in diesem Fall der Geg ner recht: Die Misrachisten haben die Verhandlungen n i ch t abgebrochen, hätten sie sogar gern ad infinitum weiter geführt, immer in derselben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.