Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 4/5 (11.1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 63 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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und Leben bringen könnte, haben wir gegriibelt, aber das Fundament aller unserer Bauten, den Lebensquell unseres Lebens haben wir vergessen; laßt uns, Brüder, nicht den Wahnwitz eines Belschazar wiederholen, heilige Gefäße nicht durch Weintrinken zu entweihen, uns dem zu beugen was die Augen sehen und dem Gott uns nicht zuzuwenden, in dessen Hand die Seele unseres ganzen Lebens liegt. Das war einstens, darf aber nicht wieder sein in Israel. Die öffentliche Entweihung des Sabbat in den Städten, Kolonien und Gruppen, wo sie bereits zum Programm wurde und unseligen dauernden Bruderhaß geschaffen, darf nicht fortgesetzt werden. Die Gemeinden sind mit Recht voll Empörung, die Diaspora muß wie ein Flammenzeichen auflodern ob solch Verderbnis. Die Völker werden ob unseres „Ruhetages“ spotten und unsere Ehre entflieht. Es ist die Ehre unseres Volkes, die wir nimmer in den Koth zerren lassen. Himmel und Erde mögen unseren Protest mit unterstützen, daß nicht das Lebensblut unseres Volkes wie Wasser zur Erde gegossen werde. Die Ohren gellen ob des Schrecks und das Herz wird weh ob der frivolen Art, in welcher die Speisegesetze verletzt werden. Ganze Gruppen und Parteien genießen in aller Seelenruhe Awelo und Trefo, Familienväter und Mütter gehen öffentlich, ohne sich zu schämen, zu nichtjüdischen Fleischern und verzehren uns völlig zum Genuß verbotene Tierarten. . . . Und das alles sind Menschen, die mit an der Wiederbelebung arbeiten!! Weh ob des Tages, an dem die Sühne für die beleidigte Würde der Wiederauflebung von ihren Entweihern gefordert wird. . . . Und nun, Ihr Brüder, kehrt zurück, Ihr habt Euch wahrlich schon weit genug entfernt, Ihr alle; Ihr Schriftsteller, Lehrer, Erzieher, Vorsteher, Leiter, Arbeiter; wir alle irrten wie eine verlorene Herde. Wir alle sind mitschuldig an dem Bruch, der solche erschreckende Dimensionen angenommen; und wir alle sind verpflichtet, als feste Mauer uns zusammen zu stellen, um diesen Sturmwind abzuwehren und wieder normale Ordnung zu schaffen. Es muß wieder ein öffentliches Gewissen wach werden in Erez-Isroel. Die Würde der nationalen Belebung muß gewahrt bleiben. Von Verachtung unserer Heiligtümer darf keine Spur mehr bleiben, in den Erziehungsstätten, in den niederen und hohen Schulen, im praktischen Leben der Lehrer und Erzieher, in unserer Literatur und bei unseren Schriftstellern, unseren Leitern, in unseren kulturellen und in unseren arbeitenden Kreisen. Hinweg mit dieser nationalen Schmach! Hinweg mit diesem Schandfleck unserer nationalen Belebung! Gebet dieser unserer Belebung und unserem Volke seine Würde, die Würde der ganzen Gottesnation. Dann wird bald Gottes Wort wahr werden, welches er durch den Propheten gekündet (Jesaias 29. 23.) Dann wird Jakob sich nicht mehr schämen und sein Antlitz wird nicht erröten, wenn er sehen wird, seine Kinder, seiner Hände Werk, in seiner Mitte, heiligen meinen Namen; und so werden sie heiligen den Heiligen Jakob, werden verehren den Gott Israels.“ Soweit das Rundschreiben. Wer die Wesensart des Autors und dessen literarischen Niederschläge (insbesondere in seinem jüngst erschienenen Werke rvnix) kennt, mag ermessen, welche geradezu katastrophalen Verhältnisse im religiösen Leben Palästinas herrschen müssen, wenn Rabbiner Kuck sich gezwungen sieht, in diesem scharfen Tenor an die jüdische Öffentlichkeit zu appellieren. Aus jeder Zeile seines Briefes drängt