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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 59

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 59 (sequence 19)
Language
German
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6g ins Riesenhafte wächst, daß sich dadurch das Flüchtlingselend, die Arbeitslosigkeit und die Bedürftigkeit der tausenden und aberlausenden armen elenden Juden des Ostens ins Ungemessene steigert, und daß wir daher alles daran setzen müssen, um dieser schwierigen Situation nach Kräften entgegen zu treten. In einer jüngst abgehaltenen Sitzung der Agudo-Organe in Frankfurt wurde die sofortige Aufnahme der Emigrations-Arbeit im größten Stil beschlossen. Es wird schon in der nächsten Zeit an die Gründung eines Zentral-Emigrations-Amtes herangegangen, und wir wollen hoffen, daß es diesem Amt möglich sein wird, ein gut Teil zur Linderung des entsetzlichsten Elend beizutragen, das die Judenheit jemals befallen hat. Ist die Arbeit dieses Amtes an und für sich schon schwierig und äußerst kompliziert, so scheint sie mir ganz unmöglich zu sein, wenn nicht von allen Seiten und von allen Stellen genügende Unterstützung geleistet wird. Und da sind es gerade wieder unsere jugendgruppen die die geeigneten Instanzen sind, hier Hand anzulegen. Ein solches Emigrationsamt bedarf eines riesigen technischen Hilfsapparates, bedarf unzähliger Auskünfte und Mitteilungen, bedarf tausender Erkundigungen und Nachrichten, ohne die sein Arbeiten ganz unnütz wäre. Und wer ist mehr berufen, diese Kleinarbeit zu leisten, die an sich nicht schwer ist, sondern nur exakt durchgeführt werden muß, als unsere Agudo-Jugend? Wir müssen nun unsere Jugend-Gruppen für diese ganz neue Arbeit, die an uns herantritt, so gut vorbereiten, daß in dem Moment, in dem von der Zentrale an uns der Ruf ertönt, alles zur Arbeit gerüstet ist, und auf ein gegebenes Zeichen der ganze Apparat in Bewegung gesetzt werden kann. Es unterliegt ja gar keinem Zweifel, daß der übergroße Teil all dieser Wanderer in der Diaspora bleiben wird und bleiben muß, und daß die Sorgen für die Unterkunft, für die Verschaffung einer ausreichenden Parnosse, für das Einleben in das bestimmte ländliche Milieu mit ihrer ganzen schweren Verantwortlichkeit auf uns lastet. Wir haben uns dieses Achrajaus bewußt zu sein und — und ich spreche da besonders zu den großen Gruppen — haben auch selbst mit zu sinnen und zu erwägen, wie und wo möglichst gut geholfen werden kann. Erfährt z. B. eine Gruppe, daß in ihrer Nähe ein geeignetes Terrain zur Ansiedlung mehrerer hundert Familien sich befindet, daß die Ansiedler in der umliegenden Industrie Beschäftigung finden können, daß die sonstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegend überhaupt günstig sind, so muß sie aus eigenem Antrieb, ohne erst eine Weisung der Zentrale abzuwarten, diese von ihren Beobachtungen in Kenntnis setzen, und so auch selbständig mitzuarbeiten versuchen an dem großen schwierigen Werk, das wir zu erfüllen haben. Handelt es sich aber um Durchwandererverkehr von Flüchtlingen, d. h. von solchen Jehudim, die nicht bei uns bleiben wollen, sondern die nur durchziehen und ihren Weg weiter gehen gen Westen, so haben wir uns auch hier aktiv zu beteiligen, haben mitzusorgen für die Weiterbeförderung dieser Armen, für ihre Beköstigung, Bekleidung etc. In vielen Orten Deutschlands sind ja bereits solche Flüchtlingsfürsorgestellan eingerichtet, und es ist dringende Notwendigkeit, daß die Agudo-Jugend allüberall in diesen Institutionen und Organisationen an erster Stelle steht und mustergültig arbeitet. Unsere Jugeiid muß immer zeigen, daß sie sich eins fühlt mit dem ganzen jüdischen Volk, daß sie mitleidet all seine Leiden, und daß sie mittrauert den ganzen Jammer und das ganze Elend, das unser Volk gerade in der letzten Zeit bis auf den Tod peinigt.

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