Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 4/5 (11.1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 58 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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58 bedingten anormalen Lage ihrer Betriebe, an die Reichsregierung oder an eine sonstige Behörde stellen, tatkräftigst untei stützen, daß dieser Verband geschlossen auftritt und sagt: „jawohl, alle wir Angesteilten, die wir unseren Schabos halten wollen, und die wir in unseren Stellungen die Möglichkeit naben, ihn zu halten, wir alle unterstützen die berechtigte Forderung unserer Chefs, am Sonntag so und soviele Stunden hinter verschlossener Tür arbeiten zu dürfen.“ Glauben sie nur nicht, daß eine solche Unterstützung von Seiten des Verbandes, wenn er gegründet und stark ist, ungehört verschallen wird. Natürlich muß dieser Verband möglichst alle diejenigenjJHandlungsgehülfen und Handwerker umfassen, die wirklich auf den freien Schabos Wert legen Dann wird aber auch dieser Verband für die Angestellten ein großer Segen sein. Dann wird er auch den Chefs gegenüber die berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer mit Nachdruck und Erfolg vertreten können. Dann wird sich jeder Prinzipal hüten, seinen Angestellten deshalb in unmäßiger Weise zu beschäftigen, weil er am Schabbos frei hat, und ihm deshalb keine Ferien zu geben, und ihn deshalb schlecht zu bezahlen, weil er an den Jomim tauwim nicht zu arbeiten braucht. Dieser Verband muß kommen! Alle Gruppen können an seinem Zustandekommen mithelfen. Und noch eine dritte Seite ist es, die uns zur Gründung eines Angestellten- Verbandes veranlaßt. Wir werden nämlich dadurch eine große Anzahl neuer Mitglieder bekommen, die uns bisher ganz fern standen. Da gibt es noch unzählige Herren und Damen in Deutschland, die Schaumrei Schabos sind und auch bleiben wollen, und die in dem Moment, wo sie sehen, daß die Agudas Jisroel Jugend-Organisation sich ihrer materiellen Forderungen annimmt, sich gern und freudig auch ideell mit uns verbinden werden. Ich will die Einzelheiten für den Aufbau der Stelle Vorbehalten die die Gründung dieses Verbandes übernehmen wird. Nur folgendes fordere ich — abgesehen von der ganz konkreten Forderung, der einzigen die ich überhaupt in meinem Referat slelle, diesen Verband überhaupt ins Leben zu rufen — daß der Angestellten-Verband eine Berufs-Organisation werde, die die Sorge für das materielle und geistige Wohl ihrer Mitglieder übernimmt, die sich ihre Versicherungskasse, ihre Stellenvermittlung, ihre Fortbildungskurse schafft, die für die Unterkunft und Unterstützung von Lehrlingen sorgt, die Angestellten-Kasinos einrichtet, die dafür eintritt, daß allenthalben rituelle Speisehäuser entstehen und geführt werden. Wie alle diese Bestrebungen von den Competenzen der A. J. J. O. selbst abgegrenzt werden» bleibt ebenfalls der detaillierten Behandlung dieser Frage Vorbehalten. Dieser Verband wird natürlich autonom sein, wird selbstverständlich aber mit der A. J. J. O. Zusammenhängen. Er wird uns neue interessierte Mitglieder bringen, er wird beitragen zur Stärkung der Schabos-Heiligung, und er wird die Erfüllung des jüdischen Pilichtenlebens erleichtern. Ich komme nunmehr zum zweiten Hauptteil des Referates. Während ich bisher stets von sozialer Arbeit gesprochen habe, die in den Gruppen selbst zu leisten ist, gehe ich nunmehr dazu über skizzenhaft zu umschreiben, inwiefern die Tätigkeit der Gruppen sich auf die Gesamtjudenheit zu erstrecken hat. Und zwar möchte ich auch hier wieder einteilen in Arbeit für die Judenheit der Diaspora, und in Aufgaben, die in und für Erez-Jisroel zu erfüllen sind. Es unterliegt heute gar keinem Zweifel mehr, daß der Strom der Emigranten in der nächsten Zeit immer breiter wird, daß die Auswandererwelle in wenigen Monaten