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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 60

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 60 (sequence 20)
Language
German
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- M - Wir haben nicht zu warten, bis die staatliche Fürsorge eingreift, bis sie sich der gehetzten Elenden annimmt,. wir haben, darüber ^raucht wohl kein Wort verloren werden, zuerst die Aufgabe, uns hier eine Besserung am Herzen gelegen sein zu lassen und alle Mittel und alle Wege zu beschreiten, die aur irgendwo von Nutzen sein können. Aber auch neben dieser moralischen Verpflichtung ist es eine rein religiöse, die uns dazu zwingt. Können wir es etwa verantworten, daß die Flüchtlinge in den staatlichen Fürsorgeinstitutionen Achilaus treifaus essen müssen, zu Issurei Schabos gezwungen werden, und was sonst noch alles für Unrecht dadurch.geschehen kann? Und neben der Linderung der materiellen Not ist es wieder die Sorge für die Not der Seelen, für die Not des Geistes, die uns auch zum Handeln ruft, die uns auch zum Eingreifen zwingt, da draußen in den weiten Ländern des Ostens. Da draußen, wo bis zum Ausbruch des Krieges noch der Quell der Tauroh frisch sprudelte, wo eine endlose Zahl von jungen Leuten zu den Füßen überragender Gedaulei Hatauroh gesessen hat, und dort den Taurohgeist in einem Maße in sich aufnahm, wie er bei uns seit Jahrhunderten nicht mehr bekannt war. Wir wissen genau, wie abhängig wir in geistiger Beziehung auch heute noch vom Osten sind, wir wissen genau, daß eine Auffrischung unserer Jüdischkeit, daß eine Regeneration des Limmud Hatauroh in Deutschland nur auf den Osten gestützt durchgeführt werden kann. Um so größer ist unsere Verpflichtung, uns für die Unterstützung der verfallenden Jeschiwaus und für den Neuaufbau der zerstörten einzusetzen, allüberall zu sammeln, um so wenigstens einen Anteil an der großen Geistesarbeit, die dort drüben geleistet wird, zu erlangen. Wie ich aber bereits hervorgehoben habe, kann sich unsere Arbeit außerhalb der Gruppen nicht auf die Diaspora beschränken. Es ist selbstverständlich, daß wir uns auch der Erez-Jisroel-Arbeit zu widmen haben, und zwar der Arbeit ipi Lande selbst sowohl, als auch der Tätigkeit für Palästina. Ich kann mich hier ganz kurz fassen, da ich den nächsten Rednern, die ja gerade über dieses Thema referieren werden, nicht vorgreifen will. Jedoch werden Sie mir gestatten, mit ganz wenigen Worten grundsätzlich noch, auf die Erez-Jisroel-Frage einzugehen. Und zwar scheint es mir, vom sozialen Gesichtspunkt aus, eine Hauptnotwendigkeit zu sein, den alten Jischuw zu unterstützen. Es ist falsch, und kann niemals zur Gesundung führen, wenn man auf einem rissigen, schwankenden Unterbau ein Gebäude aufführt. Es ist dringende Notwendigkeit, daß die bestehende Siedlung in Erez-Jisroel erst 'mal fest fundiert ist, daß sie geistig, wirtschaftlich und gesellschaftlich in ein Stadium hinein gebracht wird, daß sie allen. Kämpfen und Anfeindungen zu trotzen in der Lage ist, bevor man an Aufoauarbeiten und Neueinrichtungen herangeht. Wir müssen Realisten sein, und müssen als Realpolitiker wissen, daß die ökonomischen Verhältnisse in Erez-Jisroel absolut ungeeignet erscheinen, um im Moment eine großzügige Ansiedlung ertragen zu können. Wir haben dafür zu sorgen, soweit es in unserer Macht liegt, daß die Möglichkeiten, die überhaupt vorhanden sind, nicht durch ein unbedachtes immigrieren zerstört werden, und dadurch niemals mehr so ausgenutzt werden können, wie das vielleicht der Fall gewesen wäre, wenn man von vornherein die ganze Ansiedlungs-Arbeit etwas rationeller betrieben hätte. Es wird nie möglich sein, den ganzen Strom der Auswanderer aus detji Osten und der Wanderlustigen aus dem übrigen Europa nach Erez-Jisroel zu bringen. „Von diesem Grundgedanken beseelt, müssen wir an Erez-Jisroel herangehen, müssen dafür sorgen, daß in Erez-Hakdauschoh eine Luft weht, die dem heiligen Lande

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