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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 57

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 57 (sequence 17)
Language
German
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57 - sorgen, daß die Leute mit unseren westeuropäischen Sitten und Gewohnheiten bekannt gemacht, daß sie in profanen Dingen weiter gebildet werden, daß wir uns darum kümmern, daß bei ihnen die Grundlagen gelegt werden, auf denen aufbauend sie nützliche Glieder unserer Gemeinschaft werden können, d. h. daß wir ihnen all die Handhaben geben, deren ein Mensch, der sich in Deutschland w rtschattlich befähigen will, dringend bedarf. Und vor allen Dingen in jüdisch-geistiger Beziehung haben wir uns zu bekümmern. Wir wissen ganz genau, daß leider in so vielen Fällen gerade die aus dem Osten kommenden Juden, die dort glänzende Jereiei Hascheim waren, hier in sehr kurzer Zeit ihre ganze Jüdischkeit fortwerfen. Entweder weil sie glauben, daß sie im Berufsleben undurchführbar wäre, oder weil man ihnen eingeredet hat, sie sei mit der modernen Bildung und Kultur nicht in Einklang zu bringen, oder aus welchem Grund auch sonst immer. Da haben wir ebenfalls einzusetzen und zu zeigen, gerade so wie wir das bei uns in deu letzten 100 Jahren mit mehr oder weniger großem Erfolg getan haben, daß Tauroh und Derech-Erez sehr wohl zu einem harmonischen Ganzen vereinigt werden können. Das zuletzt Gesagte trifft mit mehr oder weniger Veränderung auch für die ortsfremden Mitglieder zu. Kommen da fremde junge Leute vom Lande in die Stadt, werden von ihrer ländlichen Gruppe an unsere städtische überwiesen, erscheinen hier im Schiur. Man sieht sie wohl, aber man beachtet sie nicht, man kümmert sich nicht um sie; es hat kein Mensch Interesse an dem neuen Teilnehmer, und so sucht ersieh denn seine Gesellschaft da, wo er sie eben findet. Bei uns aber macht sich keiner Gewissensbisse dartber, ob dieser junge unfertige Mann, ob dieses kleine unerfahrene Mädchen in falsche Hände gerät und dort für Judentum, evtl, sogar für Menschentum, verloren geht. Auch hier muß ich unbedingt die Forderung wiederholen, diese jungen Leute in unsere Häuser zu ziehen, sie an unserem Familienleben teilnehmen zu lassen und ihnen, soweit das eben möglich ist, das Elternhaus in der Fremde zu ersetzen. Vielleicht läßt sich das so einführen, daß man eine Reihe von Familien, besonders junge Frauen, von der Gruppenleitung aus verpflichtet, jeden Freitag Abend und jeden Schabbos Mittag eine Person zu sich zu Gast zu laden, die ihr dann von dem Vorstand zugeschickt wird. Ich komme nun zu einem ganz neuen Gebiet, und zwar zu der Hauptforderung, die ich auf sozial-politischem Gebiet erhebe. Es handelt sich um den Angestellten-Verband. Alle bisherigen Versuche der Schaumrei-Schabos-Vereine sind glänzend mißglückt. Das kann man wohl behaupten, ohne irgend eine Einschränkung machen zu müssen. Der Hauptfehler scheint mir der gewesen zu sein, daß es sich bei den bisherigen Organisationen um p h i 1 an tropisch e Einrichtungen von Seiten der Chefs gehandelt hat, an denen die Angestellten praktisch überhaupt nicht beteiligt gewesen sind. Es dürfte wohl klar sein, daß es nicht nach eines jeden Angestellten Geschmack ist, wenn man ihm „hilft“, wenn man ihn unterstützt, wenn man seine Notlage zu lindern sucht. Hier muß endlich einmal tabula rasa gemacht werden. Hier müssen wir einen großen neuen Aufbau versuchen, der sozial-politisch arbeitet, und nicht sozial helfen will. Dieser Verband kann nach zwei Richtungen von Bedeutung sein 1. für die Chefs und 2. für die Angestellten. Für die Chefs deshalb, weil die Angestellten vernünftige Forderungen der Prinzipale, die diese, infolge der durch die jüdischen Religionsgesetze

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