Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 4/5 (11.1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 55 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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55 einzelne von uns in seinem ganzen Bekanntenkreis Werbearbeit leistet, daß er, ohne von irgend einer Stelle dazu aufgefordert zu sein, im persönlichen Verkehr mit Freunden und Bekannten immer und immer wieder zum Eintritt in A. J. und zur Mitarbeit auffordert, daß er keine Gelegenheit versäumt in Versammlungen, in der Korrespondenz mit Verwandten und Freunden auf die A. J.-Idee und A. J.-Arbeit hinzuweisen. Dann wird er von selbst dazu kommen, über Agudofragen nachzudenken, dann wird es ihm selbstverständlich sein, eine Anregung, die er geben zu können glaubt, an die Zentrale weiter zu leiten, dann wird er von selbst die Jugendgruppe nicht als Verein auffassen, sondern dann ist ihm die Gruppe die Plattform, auf der er das, was ihn als Juden bewegt, aiissprechen kann, wo er das, was er als Jude in der rauhen Welt heutzutage sucht, findet. Aber finden muß er es wirklich in der Gruppe; an uns ist es, die Voraussetzung dafür zu schaffen, an uns ist es, dafür zu sorgen, daß unsere Mitglieder wirklich über Agudas-Jisroel, über ihre Idee und ihre Arbeit, über ihre Versuche und über ihre Ziele aufgeklärt werden. Wir, als Jugendorganisation, haben vor allen Dingen naturgemäß die Aufgabe, die Jugend in unserem Sinn heranzubilden. Und da wir wissen, daß der Zeitpunkt nicht früh genug gewählt werden kann, wo man an die Jugend herantritt, und da wir wissen, daß gerade heute der Kampf um die Seele des Kindes mit dieser fürchterlichen Wucht und Intensität entbrannt ist, gerade darum haben wir unser Augenmerk auch auf die Erziehungsanstalten zu richten, in denen wir die Kinder im jüngsten Alter finden. Gerade die Damen unter uns werden es mit mir verstehen, wenn ich fordere daß wir aus diesem Gesichtspunkt heraus verpflichtet sind, überall, wo Kindergärten bestehen, sie nach Möglichkeit mit agudistischen Kindergärtnerinnen zu besetzen, daß überall aber, wo sich die Möglichkeit bietet, wir verpflichtet sind, einen Agudo- Kindergarten ins Leben zu rufen. Schätzen Sie nicht zu gering all das ein, was man diesen zarten Kinderseelen schon einimpfen kann. Glauben Sie nur nicht, daß sündige Gedanken jemals wieder aus dem Herzen dieser heranwachsenden Jugendlichen entfernt werden können. Und, daß wir uns in Nachhilfezirkeln beschäftigen, daß wir jetzt, besonders in großen Städten, im Winter, wo es den Armen schwer fällt, ein geheiztes Wohnzimmer zu haben für ihre Kinder, wo die vielen Flüchtlinge sind, die kein Dach über ihrem Kopf zu fincjen wissen, daß wir diese ganze Jugend zusammen nehmen und ihnen weiter helfen für ihr künftiges Leben, das ist wohl eine Selbstverständlichkeit, über die ich nicht viel Worte zu verlieren brauche. Daß ich aber last not least unsere Mitglieder auch an dieser Stelle dringend ermahnen muß, sich im weiteren Umfang der Esra-Führerschaft ihres Ortes zur Verfügung zu stellen, ist wohl auch klar. Hier im Esra haben wir die Gemeinschaft, die ja gerade die Aufgabe hat, für A. J. vorzubereiten, hier finden wir das Feld, wo junge arbeitsfreudige und begeisterte Agudisten in der Lage sind, ihre Kraft in den Dienst der heiligen Sache zu stellen und den Erfolg selbst zu sehen. Hier ist die Möglichkeit ifür jeden einzelnen gegeben, die weitere Stärkung der A. J. mit dem besten Erfolg vorzubereiten. Eine weitere Aufgabe, der sich vor allen Dingen die Mitglieder unserer Mädchengruppen unterziehen müssen, ist die Familienfürsorge. Ich verstehe darunter das Einspringen unserer Mädchen in Familien, in denen die Hausfrau krank ist, und der Haushalt nur mit fremder Hilfe bestehen kann, wo