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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 54

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 54 (sequence 14)
Language
German
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54 - jeder von uns würde sich, wenn er wüßte, wieviel Menschen sich nach ihm richten, mehr in Acht nehmen und mehr auf all das achten, was ich hier vorgebracht habe. Vor allen Dingen aber haben die Vorstandsmitglieder vorbildlich in der Gruppe zu leben, haben nicht hocherhobenen Hauptes auf den besseren Sesseln zn sitzen und auf das Volk da drunten im Kreise herab zu blicken, wie das gar zu häufig zu sehen ist, sondern sie haben beispielgebend die Agudo-Arbeit in den Gruppen zu leisten. Und auf ein [weiteres Uebel will ich zu sprechen kommen, das wir immer und immer wieder antreffen müssen, auf die Klicken, die Grüppchen, die gesellschaftlichen Klübchen, die sich da in jedem Verein bilden, die fein säuberlich ausscheiden, jeden, der einer anderen Gesellschaftsklasse angehört, der weniger Geld hat, der weniger gebildet ist, etc. Auch dieser Klickenbildung muß bewußt und systematisch entgegengearbeitet werden. Wir müssen es allen unseren Mitgliedern klar machen, daß jeder Jehudi verpflichtet ist, sich am Aufbau des Klall zu beteiligen, und daß keiner von uns das Recht hat, ihn an dieser Arbeit in irgend einer Art und Weise zu hindern. Unsere Arbeit hat sich zu erstrecken auf die Gesamtheit. Auch das ist zu betonen, daß die Tätigkeit in der Gruppe nicht dahin eingestellt wird, daß es der Gruppe möglichst gut geht,.sondern daß darüber hinaus immer der Bück darauf gerichtet werde, daß die A. J. möglichst großen Vorteil aus der Gruppentätigkeit ziehe. Nicht für eine politische Organisation wollen wir arbeiten, wenn wir uns für A. J. mühen, eine politische Organisation so verstanden, daß sie nur einen, nämlich den politischen Teil der Gesamtheitsaufgaben der Judenheit leiste. Nein, wir wollen arbeiten für die Gesamtheitsaufgaben des jüdischen Volkes, wir wollen arbeiten an dem Judentum als Ganzes. Für uns ist es Lebensbedürfnis dem Ganzen so zu helfen, in jeder Beziehung, wie wir es mit unseren schwachen Kräften leisten können. Und da gilt es das Verantwortlichkeitsgefühl aufzurütteln, da gilt es einen jeden mit dem Gedanken zu durchdringen, daß auch er ein Glied und zwar ein wichtiges unentbehrliches Glied in der Gemeinschaft bildet, daß das große Werk ohne ihn einfach nicht durchzuführen ist. Meine verehrten Anwesenden, Sie kennen alle das bekannte Gleichnis von der kleinen Schraube im großen Schiffsraum, einer kleinen Schraube, die hineingedreht war in mächtige Eisenplanken. Und diese kleine Schraube sagte eines Tages, sie habe keine Lust mehr in dem dunklen, schwarzen Schiffsraum zu sitzen und keine Luft und kein Licht zu sehen, sie wolle sich losmachen. Gesagt, getan. Sie schraubt sich ab, und es lockern sich von den Planken einige Eisdnstäbchen, und mit den Eisenstäbchen waren Stahlplatten verbunden, die dadurch ebenfalls in Unruhe geraten. Und an den Stahlplatten waren schwere Kolben befestigt, und an den schweren Kolben hingen die Schiffsräder, alles fing an unruhig zu werden, und von seinem Platze zu gehen. Und der Riesendampfer ging unter, weil das kleine Schräubchen nicht mehr an seiner Stelle in dem dunklen, schwarzen Maschinenraum sein wollte. Sehen Sie, meine Zuhörer, dieser Gedanke muß ein jedes Mitglied von uns durch und durch erfüllen, dieser Gedanke muß sich in den Kopf eines jeden Mitgliedes so fest und unverrückbar eingegraben haben, das wir mi^ Recht behaupten können, daß alle Mitglieder Mitarbeiter am Wiederaufbau des Klall sind. Dann brauchen wir nicht mehr darüber zu klagen, daß unsere Mitglieder wohl Beitrag zahlen —- und manchmal auch das noch nicht — aber keine Agudisten sind, Dann werden wir erreicht haben, wohin wir es unbedingt bringen müssen, daß jeder

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