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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 53

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 53 (sequence 13)
Language
German
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Ich sprach eben davon, daß die Auffassung einer selbständigen Orthodoxie die Vorbedingung für eine erfolgreiche soziale Tätigkeit ist. Es ist klar, daß wir diese Vorbedingung erfüllen^ daß, wir Mittel und Wege suchen müssen, um diese Vorbebedingungen für eine, selbständige gesetzestreue Judenheit überall wachzurufen. Da sind es zwei ethische Momente, die wir pflegen,/die wir erläutern, und auf deren ./Wichtigkeit wir immer und immer wieder hinweisen müssen, die uns zu dem gewünschten Ziele verhelfen können. Es sind zwei Gefühlsmomente: die Zusammen gehörigkeit und die Verantwortlichkeit. Sie müssen die Grundlage für unsere ganze soziale Arbeit werden, denn ohne sie wird all das, wovon ich sprechen will, und was uns so - sehr not tut, nur Stückwerk bleiben. Die Pflege des Areiwus ist eine der wichtigsten Aufgaben, die die Jugend bei sich durchzuführen hat. Ich gebe zu, daß die Durchführung und die Ausführung außerordentlich kompliziert ist. Ich gebe auch zu, daß gebundene, feste Vorschläge gar nicht gemacht werden können, weil gerade bei der Lösung dieses Problems die lokalen Verschiedenheiten und Differenzierungen sehr schärf beachtet werden müssen. Aber daß überhaupt, und daß bewußt daran gearbeitet wird, das Areiwus zu pflegen, das können wir und das müs sem 'wir he ute beschließen. Wenn ich einen Vorschlag machen darf, wie man hier vielleicht vorgehen soll, so möchte ich besonders den größeren Gruppen raten, kleine Zirkel einzurichten, Gruppen von mehreren etwa gleichaltrigen, jungen Leuten, die geführt werden von einem geistig Stärkeren, der in der Lage ist, sie in all die Probleme hineinzuführen, die uns bewegen. Wir müssen in den Gruppen die allgemein pädagogische Literatur etwas mehr beachten und dem Verständnis unserer . Mitglieder näher bringen. Ich denke da vor allen Dingen an die Schriften von Förster. „ Wir fiaben eben auch die allgemeine Aufgabe zu erfüllen, solch allgemein menschliche Bedingungen und ethische Forderungen bei uns bewußt zu verbreiten. Wir müssen dafür sorgen, daß ein jedes einzelne unserer Mitglieder weiß, wie wichtig es ist, daß er sich, gerade gut benimmt und gut aufführt, weil er doch wieder beispielgebend wirkt für so viele andere, von denen er nichts weiß, die sich aber trotzdem nach ihm richten und sein Wesen sich zur Richtschnur genommen haben. Gerade da macht Förster so.schön darauf aufmerksam, welches Unrecht darin liegt, wenn man sagt: „Bin ich der Hüter meines Bruders? Jawohl, jeder ist der Hüter seines Bruders, denn jeder muß wissen, daß seine Taten von der menschlichen Gesellschaft beobachtet und kopiert .werden, daß jeder auf irgend einen seiner Mitmenschen einen gewissen Einfluß ausübt, und welche Verantwortung daher ein jeder Mensch, für seine Taten tragen muß. Vielleicht darf ich auch noch ein Beispiel erwähnen, das Pestalozzi in einer seiner Schriften anführt, worin er erzählt, daß seines Erachtens nicht nur die Diebe im Gefängnis sitzen müßten, sondern daß sie dort von den Versuchern bedient werden sollen. Denn wenn nicht so viele Menschen ihre Freude daran hätten, ihre Mitmenschen in Versuchung zu führen, wenn sie ihnen nicht Veranlassung böten, zu stehlen, so würde .(fie ,Zahl, der Diebe viel geringer sein. Genau so geht es auch uns. Auch in unseren Kreisen, in all unseren Jugendgruppen müssen wir dahin arbeiten, daß allmählich jedes Mitglied das nötige Verständnis dafür aufbringt, daß er mit berufen ist,; an der Erfül lung des großen Werkes, das wir uns vorgesetzt haben, . mit zu arbeiten, und daß er in dieser Beziehung ein verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft ist. Er soll wissen, daß wir alle zusammen stehen in der Erreichung des Zieles, und daß aus dieser Zusammenarbeit sich neben der Verantwortlichkeit, und gerade durch sie, ein enges Zusammengehörigkeitsgefühl -entwickeln muß. Das sind die geistigen Grundlagen, auf die wir unsere Arbeit gründen müssen.*.

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