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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 51

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 51 (sequence 11)
Language
German
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51 Aus alledem ist durchaus verständlich, daß wir zuerst unsere ganze Aufmerksamkeit der Taurohgefahr und der Taurohnot widmen, ist es klar, daß unsere Gesamttätigkeit auf die Linderung dieser schlimmsten Uebel für das jüdische Volk zugeschnitten ist. Aber immer und immer wieder müssen wir den Ruf erheben, daß ein großes Volk ohne gerechte Satzungen undenkbar ist. Allzulange schon haben wir untätig bei Seite gestanden, wenn es galt, große Hilfsaktionen zu erledigen und darüber hinaus vorsorgend bereits allen den Hebeln zn steuern, die leider in den letzten Jahren den jüdischen Volkskörper erschüttert haben. Wir müssen allmählich zu einem Aufbau übergehen. Denn dadurch haben wir unsere Pflichten nur schlecht erfüllt, wenn wir Not lindern, die da ist, wenn wir dem Hungernden zu essen und dem Kranken Arznei reichen. Wir müssen unsere Aufgaben viel weiter fassen und so verstehen, daß das Uebel an der Wurzel angepackt wird, daß wir es allmählich dahin bringen, daß diese Wurzel gesundet, und damit dem ganzen Volk wieder ein gesunder Körper verschafft wird. Aber auch noch aus einem anderen Grunde sind wir verpflichtet, uns dieser Aufgabe zu widmen. Es ist nun einmal ein menschliches Uebel, daß die Gesellschaft die Erfolge einer Organisation sehen will. Da sie sich nicht damit begnügt, wenn man ihr große Reden hält und erzählt, von welcher außerordentlich ethischen Bedeutung die Organisation ist, und wie wichtig es ist, ihre Tätigkeit in jeder Weise zu unterstützen. Nein, meine verehrten Anwesenden, der Erfolg wird nur und lediglich darnach beurteilt, ob man effektive Resultate vorweisen kann Dem müssen wir Rechnung tragen. Wir müssen dafür sorgen, daß sich alle Jereiei Haschern bei uns wohl fühlen, haben also dahin zu wirken, daß wir ihren Wünschen uns anpassen und ihren Nöten begegnen. * * * Nach dieser allgemeinen Auseinandersetzung gilt es nun festzustellen, was zur Lösung dieser großen Autgabenkomplexe unsere Jugend- und Mädchengruppen überhaupt beitragen können. Ob sie helfen können, und wie ihre Hilfe geartet sein muß. Da ist ein zwiefaches festzustellen: Sie haben sich in sozialer Hinsicht zu betätigen: erstens in rein geister Beziehung und zweitens durch praktische Arbeit. Sie haben erstens dafür zu sorgen, daß das echte und rechte Verständnis für die soziale Arbeit und ihre Forderungen überall verbreitet werde in unseren Kreisen, haben also, um mich einmal etwas anderes auszudrücken, geistige Aufklärungs- und Besserungsarbeit zu leisten. Zweitens sind die Gruppen natürlich verpflichtet, diese theoretische Betätigung in praktische Arbeit umzusetzen. Eines ist aber dabei zu bemerken: ohne ein rechtes Verständnis wird eine tatkräftige, erfolgreiche, praktische Arbeit nie geleistet werden können. Ich muß mich, so leid es mir auch tut, bei der Behandlung des Themas allerdings auf die Verhältnisse der westeuropäischen Gruppen beschränken, muß das schon deshalb tun, weil mir die Verhältnisse des Ostens zu wenig und nur oberflächlich bekannt sind. Aus meinen Thesen wird jedem Uneingeweihten verständlich, daß ich den Begriff „Sozial“ mit möglichst weitem Inhalt durchdrungen wissen will. Ich stehe in dieser Beziehung nicht allein, ich besitze vielmehr die gute Gesellschaft der altjüdischen Auffassung von sozialer Arbeit, sowie der Auffassung der modernen Sozialpolitik. Für mich umfaßt die soziale Arbeit, erstens die Hilfe geistiger Art, eine Hilfe für falsch Gerichtete, für solche, die aus irgendwelchen Gründen andere Wege geführt

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