Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 4/5 (11.1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 — in jeder einzelnen Gruppe überlegt, wie man ihnen am besten gerecht werden kann Insoweit war allerdings die Arbeit unserer Organisation und auch unserer Jugend- und Mädchengruppen eine praktische. Jedoch darüber hinaus sind wir niemals in das Gebiet von praktischer Klali-Arbeit hineingekommen. Der letzte Wochenabschnitt lehrt uns nun, daß es mit diesem Aufgabenkreis nicht genügt. Er sagt vbx u*np f?22 "'.12 iHx a'nnp D'p1?« H im brti Denn welches ist ein großes Volk? Dasjenige, dem Gott nahe ist, geradeso, wie Gott unser Gott in allen Dingen am nächsten steht. Jedoch nicht damit allein wird bereits dem Prädikat „Großes Volk“ Genüge geleistet; hinzu gehört noch der zweite Satz, der da lautet: '2N im mn mim ^>22 apN2 D‘&£>röi D>pn 17 im b)il 'U av.i B2>:al? und welches isi weiter ein großes Volk? Das Gesetze und gerechte Rechtssatzungen hat, gerade so, wie alle Satzungen der Thauro, die tich euch heute gegeben habe. Das wäre nur eine halbe Erfüllung der Jisroel aufgabe, wenn wir nur Jerei Schomajim im engsten Sinne des Wortes wären, wenn wir uns darauf beschränkten, Gott zu lieben und Ihm unser Seelenleben zu schenken. Es handelt sich für den echten Jehudi nicht nur darum, Gott zu dienen dadurch, daß er all die Gebote erfüllt, die sich auf Gott selbst beziehen, die den reinen Gottesdienst umfassen, sondern darüber hinaus ist auch Gewicht zu legen auf all die Satzungen, die Gott für wichtig hält und die sich beziehen auf die Gemeinschaft, auf den Nebenmenschen, auf all die menschlichen Gemeinschaften, die von Gott selbst in der Welt gestiftet sind. Auch die Pflichterfüllung gegen die Mitmenschen bedeutet Gottesdienst. Da Gott selbst uns Pflichten gegen die Gemeinschaft aufgegeben hat, sind auch diese Pflichten als Gottesforderung anzusehen und ihre Erfüllung ist für uns Gottesforderung. Der einzelne Mensch hat von Gott einen Rechtsanspruch gegen seinen Nebenmenschen bekommen, gerade so, wie die Gesamtheit ihrerseits einen Rechtsanspruch gegen den einzelnen Menschen hat. Dieser Anspruch ist ebenfalls Gottesanspruch und wir haben zu forschen und zu suchen, ihm in möglichster Vollständigkeit zu befriedigen. Die Agudas Jisroel unternimmt es, wiederum an die Lösung der Klallaufgaben heranzugehen. Diese Klallaufgaben waren allmählich unerfüllt geblieben. Sie hatten überhaupt den Charakter als solche verloren, und die Agudas Jisroel übernimmt die Aufgabe, diese allgemein notwendigen Aufgabenkomplexe wieder von der jüdischen Gesamtheit lösen zu lassen. Man darf nun nicht glauben, daß die Pflichten nicht mehr erfüllt worden seien, im Gegenteil, in den weitesten Kreisen der jüdischen Gesamtheit lebt man immer noch nach dem jüdischen Gebot, nach Gottes Recht. Aber die Pflichten bleiben von der Gesamtheit als solche ungeübt und unerfüllt. Bis zur Emanzipation, so kann man wohl ohne Uebertreibung sagen, bestand der Klall. Er hatte zwar keine Organe, ihm fehlten die organisatorischen Formen und Bindungen, aber die Wirkungen, die Erfüllung der Klallaufgabe, sie waren deutlich erkennbar. Ganz Jisroel in der weiten Welt stand wie ein Mann, wenn es galt, jüdische Pflichten zu übernehmen. Da entstand die große Bresche. Hier und dort, in den verschiedensten Ländern bröckelten einzelne und darüber hinaus ganze Gruppen von diesem freiwilligen Gebäude ab, überall lichtete sich die Schar derjenigen, deren Lebensaufgabe in der Erfüllung der jüdischen Geböte gipfelte. Was wir num wiederum wollen ist nichts anderes, als die Trompete zum Sammeln blasen, nicht anderes, als wieder eine jüdische Gesamtheit zu bekommen, in einer zeitentsprechenden Form, mit Organen versehen, die sich der Lösung der jüdischen Gesamtheitsaufgaben widmen.