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Blätter · 1919-12-01 · 12 (12.1919) · p. Seite 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
12 (12.1919)
Date
1919-12-01
Page
Seite 218 (sequence 12)
Language
German
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218 Darin bestand ja gerade die Größe der ״Großen Synode“. In einer Zeit» da die Ruinen des Tempels, der Stadt Jerusalem und aller übrigen Städte Palästinas noch der Wiederaufrichtung harrten und politische Nöte aller Art deren Aufbau hinderten, ließ sich die כגסת הגרילה nicht zuriickhalten, die geistige Wiederaufrichtung unter allen Umständen zu bewerkstelligen. Sie erkannte mit prophetischem Blick, worauf es in erster Reihe ankam, um dem Volke das Land wiedergeben zu können. Und dadurch hat sie ihm eine Grundlage geschaffen, die auch nicht wanken sollte, als Israel nach einem halben Jahrtausend wieder den Wanderstab ergreifen mußte, und die trotz aller Erschütterungen heute noch das Gebäude des Judentums stützt und trägt. Und es ist bezeichnend und zugleich ehrend für das Denken und für die Auffassung des jüdischen Volkes, daß es diese Behörde mit dem Epitheton כגסת הגדולה belegt hat. Eine Behörde, der es doch nicht gegeben war, dem Volke nach außen hin Ehre und Ansehen zu verschaffen, die es nicht zu glänzenden Siegen auf dem Schlachtfelde führte und die Grenze seines Gebietes nicht erweiterte! Und dennoch wird sie ״Große Synode“ genannt. Weil jeder in Israel es fühlte und begriff, daß in dieser Behörde die besten Kräfte und die größten Männer ihr Ganzes dransetzten, das Volk seiner eigentlichen Aufgabe zu erhalten. Und es ist ein Beweis der wirklichen Größe der כגסת הגדולה, daß das von ihm beeinflußte und erzogene Geschlecht die Größe dieser geistigen Arbeit erkannt hat. Halberstadt. Dr. Frankl. Literarische Rundschau. Jaäkobs Traum von Richard Beer-Hofmann. Erschienen bei 8. Eischer, Berlin. Es ist für den jüdischen Menschen von heutzutage ein wertvolles Erleben» wenn er jüdische Ideen und Probleme oder Ausschnitte aus der Geschichte seines Volkes von Künstlerhand oder Dichtergeist bearbeitet sieht. Denn diese erweitern unseren Gesichtskreis, weil sie alle tiefer sehen als wir, weil sie alle Feinheiten der menschlichen Psyche kennen. Sie wissen dank ihrer künstlerischen Begabung jede Erscheinung und jedes Ereignis geistiger oder materieller Natur menschlich nahe und plastisch deutlich vor unser Auge zu zaubern. Wir erleben unter ihrer Flihrung alles viel intensiver, tiefer und wirkungsvoller. Wer einmal Richard Beer-Hofmanns Dichtersprache gelauscht, wer ״Jaäkobs Traum“ gelesen, kann nicht leugnen, dass dieser Dichter durch sein Werk weiten Kreisen unseres Volkes erst das Organ geschenkt hat, die Jakobsgeschichte zu erlassen und zu erleben. Es ist ja ein charakteristisches Merkmal unserer Zeit, dass viele Angehörige unserer Gemeinschaft der Dichtersprache mehr Gehör zu schenken vermögen als den Worten der Thora.

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