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Blätter · 1919-12-01 · 12 (12.1919) · p. Seite 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
12 (12.1919)
Date
1919-12-01
Page
Seite 219 (sequence 13)
Language
German
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219 \ Aber auch wer gelernt hat der Sprache der Thora mit Verständnis zu lausehen, wird der Musik dieses Dichters sein Ohr nicht verschließen können; er wird überwältigt sein von der Erhabenheit der echt jüdisch-menschlichen Motive, die durch das ganze Gedicht klingen. Denn sie finden treuesten Widerhall in seinem Herzen und vermögen, den darauf gestimmten Saiten unserer Seele neue Klänge abzulocken. Die Kraft der Dichterworte lässt Keimendes zu junger Frucht heranreifen, erweckt Schlummerndes zu neuem Leben. Es liegt uns fern, an dieser Stelle die Dichtung künstlerisch zu würdigen. Auch die wenigen unjüdischen Gedanken des Werks sollen hier nicht erwähnt werden mit Ausnahme der ״heiligen Zeichen“ des Bluts, (V. 9(16) die uns als Jakobstat und in Jakobs Mund befremdend anmuten. Wir wollen nur die menschlieh und psychologisch besonders wertvollen Gedanken nochmals auf uns wirken lassen. Im geistigen Mittelpunkt des ersten Teils steht der Segen Jaäkobs. Edom glaubt sich von seiner Mutter gehasst; denn sie habe ihn um den Segen betrogen. Edom: Mutter! Was Hab’ ich getan, dass Du mich so sehr hassest! Rebekah: Ich hass dich nicht! Nur — fremd bist du mir worden! . . . Rebekah verheißt Edom den ganzen Besitz des Vaters: Was soll was soll der Segen dir? Auf Erden Wächst deine Lust! Nimm du dein irdisch Erbe! . . , Ein Segen ist jenseit von Raub und Diebstahl. Jaäkob raubte den Segen nicht, nein er gehört ihm und nur ihm. Jaäkob muss gesegnet sein, denn er weiht sein ganzes Leben dem Höchsten, er geht einher ״voll von dunklen Fragen“, er ringt täglich mit Gtt, Herz an Herzen. Und deshalb ist er auserwählt; Edom verworfen, weil dieser Gtt in ferne Himmel einsargt und nur jagen, morden kann. . . . Und als Edom mit seinen Hunden zum Tor hinausstürmt, um Jaäkob zu verfolgen, betet die Mutter: Lass Edom — Herr — Jaäkob nicht erreichen! Befiehl der Nacht, dass sie Jaäkob berge! — — — — — die Hand, die wider Jäakob sich erhebt, mach' lahm! — — — Gib Engel mit, Jaäkob — bis ans Ziel! Edom erreicht Jakob. Aus kurzem Kampf wird ein Wortgefecht. Edom glaubt (durch sein verfehltes Leben und den Verlust des Segens) für ewig verworfen zu sein, nur Jaäkob sei auserwählt. Was heisst ״erwählt?“ ״Traumlosen Schlaf nicht kennen, Gesichte nachts — und Stimmen ringsum tags!“ antwortet Jaäkob. Edom : So achtest du mich nicht geringer? Jaäkob : Nein! Gtt braucht mich so — und anders dich! Nur weil Du Edom bist — darf ich, Jaäkob sein! ln seinem Traume — er bildet den zweiten Hauptteil des Vorspiels — ringt Jaäkob mit Gtt, den Engeln und sich selbst. Aus dem Munde der Engel hört

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