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Blätter · 1919-12-01 · 12 (12.1919) · p. Seite 211

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Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
12 (12.1919)
Date
1919-12-01
Page
Seite 211 (sequence 5)
Language
German
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211 ברבות erfassen! Sie lauten: Gelobt sei Gtt, der mich nicht zum Knechte gemacht und gelobt sei Gtt, der mich nicht zum Weibe gemacht! Dieser Dank שלא עשני גוי ,עבר׳ אשת ist, wie 8. R. Hirsch in seiner Tefilloh erklärt, ״kein Dank, daß uns Gtt nicht zum Nichtjuden, Sklaven, Weibe geschaffen, sondern läßt uns die Aufgabe erwägen, die uns Gtt erteilt, indem er uns zum freien jüdischen Manne erschaffen und läßt uns geloben, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Alle drei Seiten legen uns umfassendere Pflichten auf als diejenigen sind, welche die übrige Menschheit zu tragen hat.“ Also nicht Rechte, sondern gerade Pflichten! Und nicht ohne Grund betont Hirsch ״als freie Männer“. Damit ist eigentlich alles gesagt. Frei nicht im Gegensatz zum Sklaven, sondern frei, auch als Diener, frei im Sinne des p אין לך ״ •חורין אלא בי שעסק בתורתNur der ist frei, der sich mit der Tora beschäftigt.“ Denn vom Sinai her sind wir gebunden; aber diese Gesetzesgebundenheit bedeutet uns köstlichste Freiheit, ist uns erquickende Befreiung aus den Fesseln der Begierde und Leidenschaft, in die die unfreie Menschheit geschlagen ist. Darum freuen wir uns auch gerade mit der Fülle der Gebote, י־צת תקב״ה לזכות את ישראל לפיכך ״ הרבת להם תורת ובצות •Gtt wollte Israel viel Freiheit gelben, darum gab er ihnen besonders viel Lehren und Gesetze!“ Dasselbe, daß wir nämlich mit den drei Lobsprüchen Gtt für die große Pflichtenzahl und die damit verbundene geistige Freiheit danken wollen, erklärt uns auch die Steigerung in der Reihenfolge: Nichtjude — Knecht — Weib. Da ist zunächst der גוי• Er ist nicht verpflichtet auf unsere Gebote, ja nicht einmal zu ihrer Erfüllung berechtigt. Denn ,״ •גוי ששבת חייב ביתרEin Nichtjude, der wie wir den Sabbath feiert, ist sozusagen todesschuldig.“ Nur derjenige darf und kann den Sabbath halten, der das יזכור ושבור seine Gesetze und Gedanken bis in die letzten Tiefen zu erfassen und zu erfüllen imstande ist, den Sabbath als sichtbares Zeichen für die gttliche Schöpfung, Vorsehung und Waltung (• אות היא לעולם כי) können nur wir begreifen, die wir neben der Herrschaft Gttes über uns keinem andern Wesen bestimmenden Einfluß auf die Lebens- und Schicksalsgestaltung einräumen. Aber ein ׳גוי der den Sabbath feiert, wurde (namentlich im Sinn des Talmuds, der darunter meistens יעכו״ם den Götzendiener versteht), da er gestaltende Kraft außer Gtt doch auch anderen Wesen noch beimißt, den jüdischen Sabbathgedanken abschwächen. Weil also für uns ein Leben nur in Gtt denkbar ist, ergibt es sich ja von selbst, daß eine gttesverneinende oder doch wenigstens nicht restlos ganz bejahende Auffassung vom Ursprung alles Seins den Tod in sich schließt. Was verstehen wir nun unter גוי?(*גוי heißt Nation. Es gibt ja auch jüdische גוים• Das soll nicht etwa Scherz sein, es heißt doch tatsächlich neben vielen anderen Stellen ״ ואתם תתיולי בבלבת כתנים וגוי קרושIhr sollt mir ein Priesterreich, ein heiliges Volk sein.“ Also nicht bloß und gewiß nicht ״ganz besonders“ die heutigen Ghristen haben ein Recht, dieses auf sich zu beziehen. Eine jede Nation, ein jedes Volk auf dem weiten Erdenrund kann gemeint sein, nicht zuletzt auch schließlich wir selber. *) Die Aussprache ״goj“ hat keine lautliche Begründung! Richtig lese man ״gauj, gaujim.“ Die Red.

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