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Blätter · 1919-12-01 · 12 (12.1919) · p. Seite 210

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
12 (12.1919)
Date
1919-12-01
Page
Seite 210 (sequence 4)
Language
German
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210 schließe dich nicht vor deinem Bruder und vor deiner Schwester, die anders sind als du. Öffne ihnen deinen Geist und dein Herz freundlich — so werden sie auch dir sich öffnen. Nur so wächst Vertrauen auf und Herzlichkeit und einer wächst seelisch an und mit dem andern. Sagt mir aber, wie kann eine Gemeinschalt bestehen ohne diese drei Dinge? Horch, junges Herz, wie unser großer Lehrer Hillei sagt: אוהב שלום ורודף שלום אוהב את הבריות וכקרבן לתורה Liebe Frieden, jage dem Frieden nach (auch mit Selbstüberwindung!), liebe die Geschöpfe (alle deine Brüder und Schwestern, die mit dir eine Gemeinschaft bilden, also doch gewiß!) — so bringst du sie in die Nähe der תורה. Wenn du aber nicht demütig wandelst vor ‘ה, so wirst du auch nie seine Geschöpfe lieben — sondern nur einzig dich — und dann bist du kein echtes Glied einer Gemeinschaft. Hast du aber die Demut an die Stelle des jugendlichen Übermutes in dein Herz eingepflanzt — dann weißt du dich als ein Werdender, als einer, der sich alle Tage müht, zu ‘ה hinaufzusteigen höher und höher auf der Leiter, deren Spitze an den Himmel reicht. Dann weißt du auch, daß deine Brüder und Schwestern nicht alle auf derselben Stufe der Leiter stehen können wie du — wenn sie nur aufwärtsstreben wie du und ״sich wandeln“ vor Gott und alle Tage ihre תורה sich neu erwerben wie Du, dann kann אמת ומשפט שלום in euren Toren sein, Nur dann kann unsre jugendorganisation zu recht bestehen. Und das wollen wir doch alle! Marburg. Lilli Frei mann. Ein Beitrag zum Verständnis unserer Gebete. ln diesen Tagen fiel mir ein Flugblatt in die Hände, in dem es heißt, in unseren täglichen Gebeten würde uns Juden systematisch Haß eingeimpft gegen die, die nicht unseres Stammes seien. Als schlagender Beweis für die Unwiderleglichkeit dieser Behauptung war auf den Segensspruch unseres Morgengebetes verwiesen: ״ ברוך אתה ה‘ אלקינו מלך העולם שלא עשני נויGelobt seist Du, Ewiger unser Gott, König der Welt, der uns nicht zum ״Nichtjuden“ gemacht hat!“ Mehr als je müssen wir heute das rechte Wort zur rechten Zeit bereit halten. Und ganz besonders an uns Agudisten, die Repräsentanten der toratreuen Jugend, die berufenen Verteidiger der gttlichen Lehre, ergeht der Mahnruf: דע ״ •מה שתשוב לאפיקורוסWisse, was Du dem Gttesverächter zu antworten hast!“ Da gilt es gleich, ob sich der Angreifer im nichtjüdischen Lager oder in unserer Mitte oder gar in unserer eigenen Brust befindet — wisse, was Du zu antworten hast! Und darum: Gehe hin und lerne! Und der Angreifer fragt: Scheint es nicht, als sei der Andersgläubige vom Standpunkte des Judentums aus nur ein minderwertiges Glied der menschlichen Gesellschaft? Und wir fragen: Was ist wirklich der Sinn jener ברבה? — Sie wird uns verständlich werden, wenn wir sie im Zusammenhang mit den beiden nachfolgenden

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