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Blätter · 1919-11-01 · 11 (11.1919) · p. Seite 193

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Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
11 (11.1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 193 (sequence 7)
Language
German
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193 für diese und ähnliche Gesamtheits-Zwecke hat die deutsche Gruppe der Agudas Jisroel an anderthalb Millionen beschafft. Für die Erhaltung und den Ausbau der im Krieg begonnenen philantropischen, geistig-erzieherischen, praktisch religiösen Unternehmungen, sowie zur Erhaltung des jüdischen Volkes für seine ureigene Bestimmung als Träger der Thora, für die Vereinigung der Gesetzestreuen des Erdballs zu organisierter jüdischer Arbeit, zu den organisatorischen Grundlagen für Erez Jisroel-Arbeit, die sich auf die jüdischen Massen stützt, für alle diese Aufgaben mögen Sie, Herr Dr. Ffaenkel, mögen andere Leser dieser Antwort namhafte Zuwendungen für den Agudo- Hauptfond leisten. Damit würden Sie das der deutschen Gruppe der Agudas Jisroel angetane Elul-Unrecht gutmachen, und dann würde sich über Ihren Offenen Brief, lieber Herr Dr. Fraenkel, nachträglich sogar herzlich freuen Ihr Halberstadt, Tischri 5680. Gottfried Goldschmidt (G. Schmidt). Ueber die Bedeutung des Schönen im Judentum. (Aus einem Vortrag in den Agudas Jisroel-Jugendgruppen Nürnberg.)* Bei der Einschätzung der geistigen Höhe eines Volkes nach seinen Sitten und Gebräuchen, seiner Lebensart und Anschauung spielt eine bedeutsame Rolle die Stellung, die der Pflege des Schönen, der Kunst im Leben des Volkes eingeräumt wird. Diese Rolle war z. B. bei den alten Griechen so bedeutend, dieses Streben nach Harmonie und Schönheit so ausgeprägt und vorherrschend, daß es noch nach Jahrhunderten als leuchtendes Vorbild galt. Auch bei den übrigen Völkern des Altertums, den Babyloniern, den Aegyptern, den Römern u. 8. w. sehen wir eine hohe Wertschätzung und Pflege der Kunst. Betrachten wir nun dieses Verhältnis zwischen dem Streben nach Schönheit einerseits und dem Judentum andererseits, dem Judentum, das doch auch vor vielen Jahrhunderten in geistiger Beziehung an der Spitze stand, so finden wir, daß trotz seines hohen kulturellen Standes die Pflege des Schönen im Vergleiche zu anderen Völkern augenscheinlich völlig vernachlässigt wurde. Bei der Bedeutung dieses Problems verlohnt sich, ihm nachzugehen und den Versuch zu machen, diese wichtige Frage zu klären. Die jüdische Religion, das Judentum stehe dem Ideal des Schönen gleichgültig, ja feindselig gegenüber, so schallt es uns vielfach entgegen, wobei uns von den einen überhaupt die Befähigung, produktiv zu wirken, Eigenes schöpferisch zu gestalten, abgesprochen wird, von den andern die Feindschaft des Judentums dem Schönheitsideal gegenüber, unter Hinweis auf Bibel- und Talmudstellen, bewiesen wird. Ein Eingehen auf die erste Behauptung und ihre Widerlegung fällt nicht in den Rahmen dieser Ausführungen; der Nachweis des Vorhandenseins einer jüdischen Produktivität, auch an Hand der Werke der jüdischen Künstler, gäbe Stoff zu einem neuen Thema. Anders steht es mit dem zweiten Vorwurf. Hier scheinen einzelne Momente denen, die der Meinung sind, daß das Judentum ein Feind des Strebens nach Schönheit sei, recht zu geben. Die Thauro verbietet die plastische Darstellung der Menschengestalt, eines Gegenstandes, dessen Nachbildung für den Künstler *) Wir stellen diesen und den nachfolgenden Aufsatz, die sich in mannigfachen Punkten berühren, einander gegenüber. D.e Red.

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