Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 8 (8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 149 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Aus unseren großen Gruppen kommt uns erfreuliche Nachricht zu, die zeigt, daß in diesem Sinne gearbeitet wird. Berlin, das wirklich wenig redet und viel tut, hat ein großes Unterrichtswerk geschaffen — und in der neugegründeten ostjüdischen Gruppe, es ist die fünfte dort, wird schon um sechs Uhr morgens in mehreren Gemoro-Schiurim ״gelernt“. Posen bildet jetzt den geistigen Mittelpunkt der ostdeutschen Gruppen. Viele kleine Gruppen freilich haben noch immer mit dem Mangel an Kursleitern zu kämpfen; nur ein zielbewußtes Hilfswerk könnte hier Abhilfe schaffen. In den hessischen Gruppen dagegen ist die intensive Arbeit im Fortschreiten begriffen, zum Teil durch die erfolgreiche Tätigkeit unseres dortigen Bezirksleiters, zum Teil aber auch durch die freudige Hilfe einiger Agudisten. So in Fulda und Gersfeld, in Guxhagen, Marburg, Treysa.—Kirchhain, Birstein und Adelsdorf wurden neu gegründet. In Friesland ist der gleiche Wille zur Arbeit zu konstatieren, nachdem in Aurich, Finden, Leer und Bremen agudistische Zentren sich gebildet haben. All diese ״Kleinarbeiter“ einigt eins: das Ideal. Erst nachdem Moses das jüdische Volk לגלגלתם, nach Individuen, nach Schaffenden gezählt, sammelt er die Einzelnen um das gemeinsame Panier: איש על רגלו. Diesem Gedanken Ausdruck zu geben, ist die Agudo-Nadel entstanden. בגגר ־לב an die Brust ihres Trägers geheftet, sei sie ihm stets Erinnerung: □בי1 מהשבותי יהיו לשם שמי. Nicht stolzes Abzeichen, sondern demütiger Mahner an gemeinsame Pflicht. A. M. Für Posen! Nach langem langem Warten ist mir die Gelegenheit geboten, aus Posen nach meiner Heimat in Westpreußen zurückzukehren. Hier angelangt, fühle ich mich veranlaßt, der Posener Agudoh, der ich angehöre, zu danken. Es kann vorläufig nur auf diesem Wege geschehen, aber nicht weniger herzlich. All die Lehrvorträge und schönen Stunden, die ich dort gehabt, alle Anregungen, die mir dort zuteil wurden, wirken in mir nach. Die Lehre der Agudoh ist meine erste feste Grundlage, auf der ich mit Vertrauen weiterbauen kann. Hier in der Kleinstadt, in der mir jede Anregung von anderer Seite fehlt, habe ich mir zur Aufgabe gestellt, im Sinne der Agudoh weiter zu arbeiten. Die oft gehörten wunderbaren Sidra-Erklärungen am שבת - Nachmittag bei Fräulein H. Hirschfeld haben sich mir eingeprägt. Auch die Chumesch- und Dinimstunde, die Pflichtenlehre und noch anderes mehr, werden mir stets im Gedächtnis bleiben. Die Palästina-Vorträge, die allwöchentlich von Mitgliedern gehalten wurden unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Blum, der Anregung dazu gab, versetzten uns in unser altes heiliges Land, mit seinem anheimelnden Zauber. Herr Rabbiner Blum selbst machte uns interessante Mitteilungen über Palästina. Diese interessanten Vorträge sind nun beendet und sollten andern Belehrungen Platz greifen. Ich beabsichtigte einen Vortrag über ״Biblische Frauengestalten“ zu halten, doch war es mir leider nicht vergönnt, dieses zur Ausführung zu bringen, da ich meine Heimreise antreten mußte. Ich werde aber den Versuch machen, den Vortrag schriftlich durch die ״Blätter“ der Agudoh zu übermitteln. In der Agudoh wurde nicht nur gelehrt und gelernt, sondern auch der gesellige Teil kam auf seine Rechnung. Nachdem wir (״Agudoh“ und ״Esra“) zu Lag b’aumer die Agudoh in Pieschen besucht hatten, fand bei uns in Posen ein Bundestag der Agudas Jisroel Jugendgruppen aus der Provinz Posen statt. Wir hätten gerne die Vertreter aller