Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 8 (8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 150 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Gruppen bei uns gesehen, wären ebenso zusammen gekommen, wie vor einem Jahr in Würzburg, durch die politischen Verhältnisse sollte es aber nicht sein. So haben sich die zwei Tage in Posen auch so schön wie nur möglich gestaltet. Es war Würzburg im Kleinen. Der erste Tag verlief mit Begrüßungen, Vorträgen über Zweck und Ziel der Agudoh, Veranstaltungen geselliger Art in reichlichem Maße. Der zweite Tag begann mit einem Frühspaziergang, dem eine Delegiertensitzung folgte, die sehr ausgedehnt war. Dieser Bundestag, der uns unseren Gästen sehr nahe brachte, rief große Befriedigung hervor. Seitdem arbeitet unser neugegründetes Korrespondenzbüro mit noch größerem Eifer an der Gründung von Agudohgruppen. Jede Woche hörten wir ״diese Woche wurde da und da eine gegründet, hat so und soviel Mitglieder.“ Aber auch der ״Esra“ wird zugleich gegründet, denn wo eine Agudoh ist, muß ein ״Esra“ sein. Nicht nur mit dem Geiste soll man arbeiten, auch der ganze Körper muß dabei sein. Auf einer Wanderung mit dem ״Esra“ kann man am besten den jüdischen Geist, der erzogen und gepflegt wird, sehen. Hier wird er in die Tat umgesetzt, ln Gttes freier Natur entfaltet sich das jüdische Leben in seiner vollen Größe. Auch die jetzigen Verhältnisse haben durchaus dem Vorhaben, weiter zu arbeiten, keinen Stein in den Weg legen können. Eine dreitägige Tour fand erst vor zwei Wochen statt und eine viertägige folgt in einer Woche. Die Touren sind so eingerichtet, daß die ״Esragruppen“ der anderen Städte mitwandern können. Ich glaube, daß ich genug geplaudert habe, es ist auch leicht möglich, daß viele meine Beschreibung langweilig halten, aber mir bereitet es große Freude, noch einmal mich an alles Schöne und Gute erinnert zu sehen. Einen herzlichen Agudoh - Gruß von den Posenern und mir und ein kräftiges חזק F. L. marburg (Lahn). Im Sommerhalbjahr war in unserer Jugendgruppe, die gegenwärtig über 50 Mitglieder zählt, der Lernbetrieb ein recht fleißiger! Allwöchentlich hielt Herr Oberlehrer Bergei einen anderthalbstündigen Hiob-Kurs ab. Am Sabbath fand bei Herrn Rabb. Dr. Cohn ein Dinim-Schiur statt, in dem das schwierige Thema der Speisegesetze durchgearbeitet wurde. Des öftereren wurden auch Aussprache - Abende unter Leitung von Herrn Arnold Merzbach veranstaltet, in denen wir eifrig über jüdisch-religiöse Fragen debattierten. Diesen Lehrkursen, die durchschnittlich von zehn bis zwanzig Agudisten besucht waren, gesellten sich eine Reihe von Gruppenschiurim bei, deren Zweck die Pflege des eigentlichen ״Lernens“ war. Herr Merzbach unterrichtete in je zwei Wochenstunden Mischna (Makkoth) und Chumesch, Herr Jak. Eschwege lehrte Mischna (Pessachim) und Kizzur Schulchan Aruch. Mehrere־ Versammlungen vereinigten die Gesamtheit der Gruppe: In der am 26. Mai stattgehabten Mitgliederversammjung fand eine Neuwahl des Vorstandes statt. Gewählt wurden als 1. Vorsitzender Herr Referendar Dr. Willy Wertheim, als Stellvertreter Herr cand. med. Arnold Merzbach und als Schriftführer Herr Markus Stern. Die bisherigen Vorstandsdamen, Frau Lotte Bachrach und Frl. Blanka Baum, wurden wiedergewählt. Herr Merzbach hielt am gleichen Abend einen Vortrag über ״Menschentum —, Judentum — Agudas Jisroel.“ In einer am 16. Juni veranstalteten Versammlung referierte Herr Heinrich Cohen über das Thema ״Die Judenheit am Scheidewege“, woran sich eine sehr lebhafte Diskussion schloss. Auf Veranlassung unserer Gruppe fand Anfang Juni eine Treff-Fahrt mit den Jugendgruppen Gießen und Treysa statt, die von mehr als 40 Agudisten besucht war und einen harmonischen Verlauf nahm. Auch sonst war Marburg geistiger Mittelpunkt der Gruppen unseres Bezirkes, die regelmäßig bereist wurden. Die Propagartda zeitigte gute Erfolge. An dem anläßlich der Pogrome von unseren Chachme Daur angesetzten Fasttage veranstalteten wir einen Trauergttesdienst, bei dem Herr Rabb. Dr Cohn einen Hesped hielt. Hieran schloss sich eine