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Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · p. Seite 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 107 (sequence 17)
Language
German
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107;ש “ ס und פוסקים — nur im Ausnahmefall gegeben sind. Mit Rücksicht auf die der Regel nach vorhandene Incongruenz von Talmud- und Fachwissen muß der Vorschlag, in den einzelnen Vereinigungen kursmäßig medizinische und andere wissenschaftliche Fragen vom talmudisch-halachischen Standpunkt zu betrachten, handelt es sich ja hier oft um einen פסק דין, zu einem Dilettantismus in halachischen Dingen führen, der vermieden werden sollte. Die übrigen Aufsätze geben dem Qeist der Blätter zweckentsprechenden Ausdruck. ״ Leipzig. Dr. med. 0. Dzialowsky. Dr. Isaak Breuer «Messlasspuren“, Verlag Rudolf Leonhard Hammon. Kommanditge- Seilschaft Frankfurt a. M. 1918. Es gibt Bücher, die nicht kritisch gelesen werden dürften, andere wieder, bei deren Lektüre man sich die größte Mühe geben kann, die Achillesferse zu finden, es hilft nichts. Sie ist nicht aufzudecken. So erging es mir zuerst, als ich im vorigen Jahre die ״Messiasspuren“ las, die im Gegensatz zum ״Judenproblem“ (erschien bei Otto Hendel Verlag, Halle), richtiger, schärfer hervortretend als dieses, rein ideologischen Charakters sind. Heute ist es mir naturgemäß möglich, näheres über sie auszusagen. In den 12 ersten, auch sprachlich wunderbaren Kapiteln, wird uns ein Bild vom Ideengehalt des Judentums entworfen, das wiederholt ein umfassendes, jüdisches Wissen des Verfassers verrät. Über einzelnen Stellen liegt Moschiachstimmung, über sie will ich nichts aussagen, sie sind unübertreffbar. Dann aber verläßt Dr. Breuer den eingeschlagenen Weg (warum?), er begründet den Gegensatz zwischen der ״zionistischen“ und — lehavdil — der jüdischen Weltanschauung mit philosophischen und juristischen Momenten. Gewiß kommt man bei lyrischer Sprache leicht in die Lage zwischen den Dingen lavieren zu müssen, aber von der schlichten Schönheit geht viel verloren. An manchen Stellen setzt der Verfasser scharfe Worte, die in einer Abhandlung von ideologischer Basis stören. Die Idee verwirft alles, was nicht in ihrem Bette mündet, sie ist sich ihrer Unüberwindbarkeit gewiß, verzichtet deshalb auf Verletzung oder Kränkung des in der Idee überwundenen Gegners. (Man verzeihe das offene Wort!) Der Verfasser bemüht sich in diesem zweiten Teil, sein jüdisches Herz bei der Auseinander- Setzung mit dem ״Zionismus“ zum Schweigen zu bringen, um rein verstandesmäßig, rationell Stellung nehmen zu können. Wenn ich auch mit der Lösung Dr. Breuers einverstanden bin, befremdet doch die bewußte Außerachtlassung des Gefühlsmomentes. Die ״Messiasspuren“ sind der kompakte Niederschlag eines tiefinnerem Vorgangs. Sie sind keineswegs, das sei besonders hervorgehoben, eines jener Kriegsbücher, für den Augenblick geschrieben, und am hellen Tageslichte überschwenglich, trübe und unergiebig, im Herzen der תורה treuen Jugend werden sie ihren Ehrenplatz behaupten. Dr. Breuer zählt zu den wenigen, die die Sprache der Jugend verstehen. Die ״Messiasspuren“ sind von einem deutschen Juden für die deutschen Juden geschrieben, unseren russischen und polnischen Brüdern sind sie nicht mundgerecht. Was ist zu tun, daß auch sie Teil an diesem Buche haben, damit ihr Widerstand gegen ״Reform“ und ״Zionismus“ positiver werde? Dr. Breuer verwendet in den lyrischen Kapiteln פסקיס aus ש“ס und מדרש, ohne das Gedächtnis des Lesers durch Quellenangaben zu beschweren. Die ״Messiasspuren“ müssen ins Hebräische übertragen, die פסקים mit Quellenangabe, im Wortlaute zitiert, unbekümmert um etwa sich ergebende sprachliche Mängel und die Ausführungen von der Welt des Seins und der des Sofiens leichter verständlich gemacht werden.

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