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Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 105 (sequence 15)
Language
German
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105 rangen. — Nur einmal wird eine Kontroverse ״Gesetzestreue oder Auflehnung“ (S. 155, S. 276), ohne positives Ergebnis geführt. Die Stellung zum gesetzestreuen Judentum ist vielen zum Problem geworden, das ist schon ein Gewinn, — wenn man so bescheidene Ansprüche wie der Misrachi stellt. Man findet viel Phraseologie vom ״Zadik“ Buber (s. E. El.jahu Rappaport) übernommen, wie man einen fremden Rock anzieht, wie Blumen lose auf den Stoff genäht, statt hineingewoben werden, unverdaut, halbverstanden. Ernst Müller fragt, indem er zwei Publikationen ״Das Krumme wird gerade“ von S. J. Agnon, das die Blutwärme des chassidischen Thaurojudentums schildert, dem ״Jiskar“ einem Gedächtnisbuch der Schomrim, das mit Angriffen auf die Weltanschauung der Orthodoxie durchsetzt ist, gegenüberstellt, ״wenn ich die Welten der beiden Bücher nebeneinander betrachte, so drängt sich nur die Frage auf: Muß nicht irgendwann einmal zwischen den beiden Welten der elektrische Funke zusammenschlagen, daß an einem Punkte einmal innere und äußere Wirklichkeit, unbewußte Kraft und geistiges Leben neuschöpferisch sich vereinigen?“ (S. 277.) Wir können dem Verfasser leicht die einzig diskutable Antwort geben. Zwei positiv elektrisch geladene Pole geben! nie einen elektrischen Funken. Solange der eine Pol (— die Weltanschauung des ״Jiskor“) nicht anerkennt, daß er der negative ist und daraus die Konsequenzen zieht, ist eine Gemeinschaft unmöglich, kann kein elektrischer Funke überspringen. — Dem Erlebniskult wird viel Vorschub geleistet und in anormaler Weise gehuldigt. (Darauf war mein Aufsatz: Das ״jüdische Erlebnis“ gemünzt. (Siehe Urteile: so S. 127, 227, 276.) Goethe äußerte sich des öfteren abfällig über das ״Journale“ (— Zeitungen) lesende Publikum, ״das die Dinge nicht ausreifen lasse“, sich auf noch in der Entwicklung begriffene Ereignisse stürze, und voreilig ein Urteil bereithalte. Wieviel mehr trifft die Charakterisierung bei einer Jugend zu, die in ihrem Urteil noch unausgebildet. über noch im Evolutionsstadium sich befindliche Dinge etwas aussagen will? Soll die Jugend darum schweigen? — Nein! Denn der Gedankenkreis einer Jugend ist in gewissem Sinne Wertmesser der Zeit, ihre Integrität bedeutet Sicherheit für die Zukunft. Noch weit mehr können wir an der Jugend erkennen, sehen wir nur ihre Vorbilder, ihre geflügelten Worte, ihre Phrasen, Bewegungen und Vorbilder an, ihre Gedanken kommen nie aus dem Unbewußten — das זכרון wird zum גנב— sie lebt ihr Milieu, ihre Bücher, Sie denkt nach über das, was man ihr vordenkt. Und so hört man die Namen der Männer fallen, de in jugendlicher Sprache zur Jugend sprechen, kompromißlos ganzes verlangen. Nur solche Männer werden von der Jugend beachtet werden. Können wir nicht auf diesem Wege der ״Jerubbaal“-Jugend neue, bessere und jüdischere Ideale inaugurieren? Keiner hat aus zionistischem Kreise das Wesen• dieser Jugend so klar durchschaut wie Gerhard Scholem (Heft IV ״Abschied), dessen Abrechnung viel Beifall auf sich zog. Wir, mit Fehlern und Wunden behaftet, unendlich klein vor der Größe unserer Ideale leben in einer ganz anderen Sphäre, wir verstehen nur schwer die Nöte und Sorgen dieser Jugend, auch ihre Freuden sind nicht die unseren Auch wir wollen die bange Frage stellen. Wann (temporal) wird unser Hauch ihnen neue Wärme einflößen. wann wird der unruhige, ewig suchende, grübelnde Geist bei uns Ruhe finden? Berthold Strauß Die Sexualethik der jüdischen Wiedergeburt, Ein Wort an unsere Jugend von Hans Goslar. Jüdischer Verlag 1919. Adäquat den von Goslar in ״Der jüdischen Presse“, Berlin und im ״Jüdischen Willen“ K.J.V. Heft 4/5) erschienenen Artikeln ist diese Broschüre gehalten, die ihrer starken kernigen Worte wegen ein modernes”ID^O-Buch genannt werden darf Er schU-

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