Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- Seite 104 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Literarische Rundschau. \ j Jerubbaal, Zeitschrift der jüdischen Jugend. Herausgeber Dr. Siegfried Bernfeld. R. Löwit-Verlag, Wien, 11 Hefte. (S. Kritiken ״Der Jude“, III. Jahrgang, Heft 7. S. 339, Sondernummer der ״Hamburger jüd. Nachrichten".) Vom ״Jerubbaal“ sind bisher 11 Hefte erschienen, sodaß es sicher nicht verkräht ist, sine ira cum Studio Stellung zu nehmen. Zunächst hat aas Organ nicht gehalten, was es versprochen: ״Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend“ zu werden. Es hat heute weniger denn je Aussicht auf Verwirklichung dieses Wunsches. Zudem macht sich eine gewisse Erschlaffung geltend, der ״Jerubbaal“ hat seinen Gipfelpunkt überschritten. Bisher sind alle Stimmen genügend zur Geltung gekommen, nur die der thoratreuen Juden nicht. In den Kreisen, für die er in erster Linie bestimmt ist wird er abgelehnt. Bezeichnend dafür ist der Ausspruch Heinrich Lowe’s, die Artikelschreiber würden selbst nicht verstehen, was sie schreiben. Es ist recht einfach, eine Jugend so ad acta zu legen, viel jüdischer aber, sich zu bemühen, diesem סיר נפוח das richtige Feuer zu reichen. Ganz zu Unrecht ignorieren eine Reihe beliebter Zionistenführer den ״Jerubbaal“, sie verschulden einen großen Teil der herrschenden Verwirrung, der zu tage tretenden destruktiven Kräfte. Weiter müssen wir konstatieren: Es ist nicht immer die Jugend, die das Wort ergreift, will man ״Jugend“ nicht nach der Anschauung definieren, jung ist derjenige, der sich mit dem Schein der Welt nicht abgefunden hat, ״dem der Schein der Welt aufging, und der nun nach ihrem wahren Gesicht, ihrem wahren Gehalt sucht*׳. (S. 264 Jerubbaal.) Es sind oft abgeklärte, gereifte und in ihrer Anschauungsweise gefestigte Menschen, die sich als ״Jugend“ ausgeben, im Namen der Jugend sprechen. Dieses Moment muß festgehalten werden, ist wesentlich für das Niveau des ״Jerubbaal“. Fast alle Artikelschreiber, die dem Organ eine Note aufzudrücken bestrebt waren, müssen — trotz des überall spukenden Zeitgeistes — als ernste, ringende Menschen gewertet werden. Ihnen gegenüber können wir uns nicht in einfacher Absage begnügen. Sie sind das Geschlecht, das Pionierdienste in א״י leisten will, ihre jüdische Einstellung wird für die קדושה von א״י nicht unwesentlich sein. Ihr Verhalten wird durch die ״einfache bescheidene Tat“ charakterisiert, von der oft mit stolzer Selbstverständlichkeit gesprochen wird. Leider muß hinsichtlich des jüdischen Wertes der Schreibenden ein hartes Urteil ausgesprochen werden. Es ist selten der ע□ הארץ . der sich über die Thauro und ihre Institutionen ablehnend äußert, viel öfter, ja meistens, der/Hn oder ישיבה entlaufene בבור Mit den ״Erben und Erbeserben, die die uralten Goldmünzen nur in blanke neue Scheine umzutauschen brauchen“ (Buber), wird gründlich abgerechnet. Man brüstet sich — nach bewährtem Vorbild — sogar damit, daß man als einsamer Bettler an der Straßenecke sitze und harre, auf den Helfer wartend. (Buber) Den Gott unserer Väter verwirft man mit königlicher Geste. ״Und euch Gottmachern, die ihr uns einen fertigen Gott geben wollt, daß wir ihn anbeten, dir Nathan Birnbaum sagen wir, wir wollen nicht euren Gott! Denn wie kann unsereiner ein Verbrecher, ein Dieb etwas von Gott wissen? Wie können wir, die jeden Tag sündig und verworfen werden, etwas über Gott aussagen? Dort! Dort wird er uns erstehen. Hier wollen wir über ihn schweigen. Und schweigt auch ihr, die ihr nicht besser seid als wir.“ (S, 225, Jerubbaal.) Es sind der Wiener- und Pragerkreis, die so sprechen, radikal in ihren Postulaten, bis zum Äußersten gehend in ihren Äuße-