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Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · p. Seite 102

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Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 102 (sequence 12)
Language
German
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102 der religiösen Verhältnisse zu arbeiten. Erst mußte er ein Volk zur Seite haben, für welches seine, wenn man es so nennen will, Reformarbeit in die Wege geleitet werden sollte. Um zu dieser gewaltigen Aufgabe zu schreiten, bedurfte er der Mitarbeit anderer gleichgesinnter Männer. Die Mitarbeiter boten sich ihm in erster Linie in den Elementen dar, die vor ihm und die mit ihm von Babylon zurückgekehrt waren. Zumal doch, wie früher schon betont wurde, diejenigen, die ihre neue babylonische Heimat verlassen hatten, um beim Aufbau Erez Jisroels mitzuhelfen, zu den Besten des Landes gezählt werden konnten. Die Familienhäupter der Zurückgekehrten, die ראשי האבות sind es nun gewesen, die Esra und Nehemia zur Mitarbeit herangezogen hat. Die ראשי האבות die schon unter Serubabel die eigentlichen Führer bei der Rückkehr nach Palästina gewesen sind. An diese Institution der ״Familienoberhäupter“ knüpfte Esra wieder an, als sein Wirkungskreis und sein Arbeitsgebiet sich immer mehr erweiterten. Er bildete aus den Oberhäuptern der 85 Familiengruppen, die von Babylon gekommen waren, einen סוד ראשי האבות. * — die Anfänge dieses סור ראשי האבות gehen schon auf die Zeit von Serubabel zurück —. der ihm bei Erfüllung der seiner harrenden Aufgaben zur Seite stehen sollte. Diese Korporation kann als der Vorläufer der späteren “Großen Synode“, die eine zeitlang 120 Mitglieder aufzuweisen hatte, angesehen werden. Die Erweiterung kam vermutlich daher, weil außer den 85 Familienhäuptern, denen man den Vorzug, dem obersten Rate anzugehören, nicht mehr nehmen wollte, dem Kollegium noch eine Anzahl von hervorragenden Persönlichkeiten beigeordnet worden sind, um ihre Fähigkeifen dem Lande dienstbar zu machen. Aus diesem Kollegium von 120 Männern wurde ein 71 gliedriges Kollegium designiert, das als das בית דין הגדול in allen Fällen zu fungieren hatte, in denen die Entscheidung des בית דין.של שבעי□ ואחד angerufer werden mußte. XIV. Mit diesem großen וער ging nun Esra an die geistige Wiederbelebung seines Volkes. Die Zustände waren derart, daß von Grund auf gebaut werden mußte. In den letzten Jahrzehnten der Königszeit war die Verwilderung in geistig-religiöser Hinsicht schon groß genug gewesen. Obgleich doch da das Volk noch Führer wie den Propheten Jirmija aufzuweisen hatte. Und doch hörte es weniger auf diese seine Führer, als auf die allerdings zahlreicheren Verführer. In der führerlosen Zeit war es damit naturgemäß noch viel schlechter geworden. Es war soweit gekommen, daß der weitaus größere Teil des Volkes sich im eigenen Lande an die Fremdvölker so sehr assimiliert hatte, daß sie nicht mehr die eigene Volkssprache verstanden haben חצי העם מדבר אשדודית ואינם מכירים לדבר יהודית Die Hälfte des Volkes redete aschdodisch und konnte nicht mehr יהודית sprechen. Diese Unkenntnis der eigenen Sprache ist bezeichnend für die Verwilderung in religiöser Hinsicht, zumal wenn wir bedenken, welche Stellung die heilige Sprache als die Sprache der תורה und des übrigen Schrifttums einnahm. Durch diese Unkenntnis der לשון הקודש sahen sich auch Esra und sein בית דין zu einer Neuregelung der תסלח veranlaßt. Das Gebet, in welchem des Menschen Verhältnis, zu seinem Schöpfer am reinsten zum Ausdruck kommen soll, in welchem der Mensch sich seinem Gotte voll und ganz hingibt, war bis dahin jedes Menschen ureigne Sache gewesen. Man sprach

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