Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- Seite 101 (sequence 11)
- Language
- German
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101 Es ist daher leicht zu erraten, in welcher geistigen Verlassung Esra das in Erez Jisroel zurückgebliebene Volk vorgefunden hat. Es war eine gewaltige Arbeit, der sich nun d eser in höchstem Sinne ideale Mann unterzog, wenn er sich mit einem Häuflein Gleichgesinnter daran machte, hier Wandel und Ordnung zu schaffen. Welche Energie gehörte dazu, welch’ durchdringende, tiefe Überzeugung von dem Werte, von der Göttlichkeit der Sache, für d e in die Bresche zu treten und der seine Lebensarbeit zu widmen er im Begriffe gewesen ist. XII. In Betrachtung der Mißstände die er angetroffen, erschien ihm der eine, den abzustellen er zuerst in Angriff nehmen müsse, sollte seine weitere Arbeit irgendwelche Hoffnung auf Erfolg bieten können, als der wichtigste. Dieser eine Punkt war die Reinheit des Volkes. Während der führerlosen Zeit war es vielfach zu einer Verschwägerung mit den benachbarten, nichtjüdischen Stämmen gekommen. Gefördert war diese Mischung mit fremden Elementen durch den Volksstamm der □TVQ Chuthäer geworden, der vor nicht langer Zeit ohne tiefere Überzeugung sich zum Judentum bekannt hat. Diese bildeten nun in vielen Fällen das BindegLed zwischen Juden einerseits und heidnischen Völkern andererseits. Und durch die Vermischung mit nichtjüdischen Völkern trat ein, was die תורה für diese Fälle als Befürchtung aussprach: לא תתחתן בם וכי כי יסיר את בנך מאחרי ועבדו אלהים אחרים Dieses כי יסיר war in eminentem Sinne traurige Tatsache geworden. Ohne Unterschied des Standes entfremdeten sie sich in weitem Maße ihrem Volkstume und dadurch אמונת אי אחר Und weil es eben die sogenannten Großen im Lande, Mitglieder sogar der hohenpriesterlichen und angesehensten Familien taten, folgte ihnen das Volk nach und ging somit mit Riesenschritten seiner voll gen Auflösung entgegen. Hier Wandel zu schaffen, däuchte עזרא die erste und wichtigste Aufgabe. Aber welches Unterfangen, bei den großen Beziehungen gerade dieser Elemente. Es waren ja gerade die höchsten gesellschaftlichen Kreise, die mit fremden Elementen vermischt und verschwägert gewesen sind. Esra konnte es daher auch nicht unbekannt sein, daß er im Begriffe sei, in ein gefährliches Wespennest zu stechen, wenn er ernstlich daran gehen wollte, hier Wandel zu schaffen. Bald nach seiner Ankunft in Erez Jisroel ging er an die Arbeit. Noch auf dem Wege nach dem heiligen Lande hatte er mit seiner Begleitung eine Festversammlung abgehalten, deren Verlauf bere ts ahnen ließ, welcher Art seine Arbeit in Erez Jisroel sein würde, wie er sich diese gedacht hatte. Aber auch hier unterließ er es nicht, durch gütliches Zureden, sein Ziel zu erreichen. Erst als dies fruchtlos geblieben, entschloß er sich zu der allerdings harten Maßregel, daß ״Wer bis zum Ende von 3 Tagen nicht erscheint nach dem Beschlüsse der Obersten und Ältesten, dessen Vermögen werde verbannt und er selber von der Geine'nde ausgeschlossen“. Gewiß ist durch dieses rigorose Vorgehen mancher abgestoßen worden, der sonst vielleicht dem Volke erhalten geblieben wäre. Geht man aber näher auf die Zustände ein, wie sie einmal lagen, so muß vom Standpunkte von Esra’s heißem Streben das jüdische Volk einer Gesundung entgegenzuführen, ihm volle Gerechtigkeit gezollt werden. Mit halben Maßregeln wäre sicherlich beiden Te len nicht ged ent gewesen. Sein energisches Vorgehen zwang vielmehr alle, Farbe zu bekennen und nur dadurch ist Klarheit in dieser schwierigen Angelegenheit gschaffen worden. XIII. Erst nachdem diese Riesenarbeit getan war, erst nachdem ihm das Volk Gelolgschaft zu leisten gewillt war, konnte er daran gehen, an der weiteren Gesundung