Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 6 (6.1919)
- Date
- 1919-06-01
- Page
- Seite 100 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6467833-9641057-9626151--0973-9626161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
100 Ais es nun hieß, auch die geistig-religiöse Grundlage für den wiedererstandenen Staat zu schaffen, überließ er den Vorrang seinem Mitarbeiter, dem schon vor ihm in Erez Jisroel eingetroffenen Esra. Esra's Tätigkeit ist vom Anfang auf zwei Momente gerichtet gewesen. Einmal auf das Wegräumen des vielen Schuttes, der sich während der letzten Königszeit, noch mehr aber während der führerlosen Zeit aufgehäuft hatte. Zweitens auf positive Arbeit und auf positiven Aufbau. XI. E$ war wohl eine natürliche Erscheinung, daß mit dem Zusammensturze des Staates auch der Niedergang des geistigen Lebens verbunden gewesen ist. Die politischen und die geistig-religiösen Beziehungen griffen zu sehr in einander, um sich nicht in eminenter Weise zu beeinflussen. Ebenso wie die politische Richtung häufig davon abhing, wie man zur Religion und besonders zu den religiösen Führern, den Propheten stand, so war auch die Stellung zur ארונה von den politischen Verhältnissen beeinflußt. Sah man das Heil des Staates in enger Anlehnung an andere Staaten von anderer Kultur, in erster Reihe von anderen religiösen Anschauungen, so bedeutete dies eo ipso eine Lockerung des Bandes zur אמונת אחר Suchte man enge Bündnisse mit anderen Völkern, so bedeutete dies, daß man sich nicht von der Welt isolieren wollte, in der Regel auch nicht in religiöser Hinsicht. Enger Anschluß an Aandere in politischer Hinsicht ist stets auch mit mehr oder weniger Annäherung in kultureller Hinsicht verbunden gewesen. So standen schon die letzten Jahrzehnte des Königstums unter dem Zeichen der Lockerung der religiösen Bande. Der Anschluß an Ägypten, in welchem man das Heil und die Schutzwehr gegen die aus dem Osten drohende Gefahr gesehen hatte, führte zur Einführung der ägyptischen Kulte, denen der König יהויקים diente, wie wir auch noch nach der Zerstörung des Tempels den Dienst der מלאכת השרים bei einem großen Teile der nach Ägypten ausgewanderten Juden finden. Nun kam zu dieser Lockerung der religiösen Bande noch die mehr als 50 jährige führerlose Zeit. Was zur Zeit des Bestandes des Staates durch die Propheten und die Lehrer iin Volke — die doch seit der Zeit יחזקיה und ‘יאשי sicherlich nicht völlig ausgestorben waren — noch übrig geblieben war an den, dem Gottes- und Thoragedanken treuen Elementen, sie waren nach der großen Katastrophe unter. Nebukadnezar ganz ohne Stütze geblieben. Unter solchen Umständen darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn während dieser ZeitU'1^ שבין בית die Verwilderung in religiöser Hinsicht und damit im Bunde die Unwissenheit in jüdischen religiösen Dingen große Ausbreitung fanden. Es war eine Zeit, noch trauriger als die führerlosen Tage während der Richterperiode, von weicher es stereotyp heißt: בימים ההם איןרלך בשרא׳ איש כל הישר בעיניו יעשה Trauriger noch, weil sie nunmehr nicht nur führerlos, sondern durch das böse Beispiel der sögenannten Großen im Lande irregeführt waren. Wenn schon ,ירכ׳י als er doch noch den guten Elementen im Lande eine starke Stütze sein, konnte, in die Klage ausbrach: □צאן אובדות היו ,ערי רועיה□ התעו um wie viel trauriger noch mußten die Verhältnisse im Lande sich gestalten, als dem Volke jede moralische Stütze genommen war. Und ein Blick in die beiden Bücher עזרא ונחמיה besagt uns auch, welcher Art der Einfluß gewesen ist, dem der zurückgebliebene, auch im geistigen Sinne },דלת ע□ האי־ ausgesetzt gewesen ist.