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Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · p. Seite 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
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96 sich dem in Ägypten dienenden Volk zu erkennen gegeben, es geleitet und erhalten, bis er von ihm verlassen wurde. — Wer nicht in Deutschland den שרת hält, wer nicht jüdisch lebt, wird es trotz der heiligen Versicherungen auch in א״י nicht tun. Damit ist auch das schreckliche Gefasel von der neuen jüdischen Gemeinschaft gerichtet. Wie kann denn aus lauter negativ-jüdisch geladenen Teilchen (Individuen) die jüdische Atmosphäre entstehen, nach der diese Jugend am Freitagabend in der Synagoge (Jerubbaal S. 277, Heft 7) oder gar auf dem nationaljüdischen Jugendtag in Berlin sucht? Auch א“י ist im Goluth, und kann den Haltlosen, da selbst des Trostes bedürftig, kein Balsam sein. Das jüdische Volk wartet auf den Moschiach, ein tätiges Warten, das die im Elend (lies: Ali-land) Wohnenden verpflichtet, das heilige Land zu bebauen, es fruchtbar und ertragsfähig zu machen, daß ein Land von! Milch und Honig, die Wonne der Geschlechter entsteht, dafür, daß es nach der Ahnung Jesajas gehaßt, verlassen und unbesucht war. Die Aufgabe ist zu groß, die Pflicht zu dringend, als däß man sich mit Phrasen und eitlem Geschwätz darüber hinwegzutäuschen suchen darf. Laßt uns mit ganzer Kraft darnach streben, daß bald ״die in Gottes Recht geeinte Judenheit“ Gottes Land betritt. Leipzig. BertholdStrauß. Selbstbestimmungsrecht! Welch schönes Wort! Was könnte in der menschlichen Brust größere Begeisterung hervorrufen, als dieser hehre Freiheitsruf?! Welch hohes Ideal könnte, mehr als dieses Ideal der Freiheit einen heiteren Sonnenstrahl in die Brust der Menschen werfen, könnte ihn, den Strebenden und Hoffenden, mehr begeistern und seine Schaffens-Freude und -Kraft mehr zu ungeahnter Höhe steigern?! Heute, so glauben wir, ist am Horizonte der Menschheit, die Jahrhunderte lang noch nie das höchste Ideal der Freiheit und Selbstbestimmung in ihrer Mitte verwirklicht sah, ein glänzender, warmer Strahl aufgegangen. Er traf die Menschheit, die wie im Traume lag, und unter seiner warmen, innigen Berührung erwachten herrliche Gefühle, machten sich alte Sehnsuchtsträume geltend und verlangen nun, stürmisch und unaufhaltsam ihre endliche Verwirklichung. Was Wunder, wenn auch wir Juden, die wir baawaunaußenu horabim immer den Maßstab bilden mußten der Unfreiheit, die in der menschlichen Gesellschaft herrschte, die wir mit unserem Blute die Blätter der Geschichte beschreiben mußten, auf denen von Unfreiheit und knechtischem Druck für alle kommenden Geschlechter zu lesen steht, was Wunder, wenn uns mit besonderem, nie geahntem Glanze die neue Sonne anzulächeln scheint, wenn wir mit besonders stürmischer Begeisterung den Freiheitsruf wahrnehmen und ihn mit goldenen Lettern auf unseren Fahnen wollen prangen sehen?! Doch wir Juden, wir Juden im wahrsten Sinne des Wortes, die wir unserem angestammten Glauben treu ergeben sind und wissen, daß nur ״Ganz-Jude-Sein“ unsere Aufgabe ist, daß unsere תורה הקדוש־ unser höchstes Ideal ist, das zu erfüllen unsere ganze Lebensaufgabe sein muß, hüten wir uns vor allzu vagem Idealismus! Wenn der Idealismus nicht die Schule des Realismus durchgangen hat, wenn er so, auf tönernen Füßen ruhend, jede Wahrheit und Wirklichkeit außer Acht läßt, dann muß

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