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Blätter · 1919-06-01 · 6 (6.1919) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
6 (6.1919)
Date
1919-06-01
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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97 er unbedingt die, die ihm nachgehen, zu Fall bringen; und wehe denen, die erst eines furchtbaren Falles aus hohen, eingebildeten Regionen bedürfen, erst eine erschütternde Katastrophe erleben müssen, um Auge in Auge der Wahrheit zu begegnen und den Weg zu einem gesunden Realismus wiederfinden zu können! W’al chatoenu golinu mearzenu w’nisrachaknu meal ad moßenu. Weil wir nicht mehr würdig waren, heiligen Boden zu bebauen und zu bewohnen, weil wir durch unseren Lebenswandel verscherzt hatten, zu leben in einem Erez sowas cholow udw'osch, deshalb mußte uns das Land ״ausspeien“! Unsere Sünde war, daß wir von dem ״Selbstbestimmungsrecht“ nicht mehr wußten Gebrauch zu machen! Daß wir allen! unsittlichen Ideengängen fremder Kulturen zugängig waren, daß wir, anstatt fest und treu zu unserer reinen “סיר zu halten, uns best mmen ließen von anderen, sittlich und kulurell tiefer stehenden Religionen und Nationen! Wir hatten die sittliche Kraft verloren, das ״Selbstbestimmungsrecht“, das jüdische Selbstbestimmungsrecht auszuüben! Mit Blindheit müssen die geschlagen sein, die heute kommen und das Recht der Selbstbestimmung für das jüdische Volk beanspruchen wollen! Die einen jüdischen Staat errichten wollen, ja einen Staat כבל הגי״ם! Womit hätten wir es verdient, wieder als Gottes Volk Gottes Land zu bewohnen?! Unser heutiges Geschlecht und besonders, ganz besonders die, welche so laut und ungestüm die Selbstbestimmung fordem, die beweisen durch den-schmachvollen Prozeß ihrer geistigen Assimilation an die sie umgebenden Wirtsvölker, daß sie sich nicht ״Selbst-bestimmen“ können!! Und wohl noch nie lag diese schmachvolle Tatsache so klar zu Tage, wie gerade heute! Voll Ernst und mit erschütterter Seele vernehmen wir die mahnend-erhobene Stimme unserer נביאים! die uns warnen, daß es uns nie einfallen solle, mit Hilfe fremder Nationen, gestützt auf chajil w’kauach wieder das Land zu betreten. Ki im b' ruchil, so spricht Gott! Wenn wir nicht mit eigener Kraft uns den mach haschem erkämpfen können, dann sind wir nicht würdig, die Erfüllung unseres Traumes zu erleben! Und wehe denen, die, noch ungeläutert, glauben, würdig zu sein, Mitglieder des tnamleches kauhanim zu werden! Wenn ich weiß, wie Tintenfaß und, meinetwegen, auch — Hutnadel auf hebräisch heißt, darin der ganzen Jiidischkeit genug getan zu haben glaube, und sonst allen fremden Einflüssen auf mein heiliges Selbst zugänglich bin, ja diese fremden Kulturen und Ideale als mein höchstes Ideal aufstelle, wenn ich mich■ so als erbärmlicher Schwächling beweise, der nicht die sittliche Kraft besitzt, seine jüdische Eigenheit zu bewahren, seine jüdische Kultur zu betätigen, dann bin ich unwürdig des Selbstbestimmungsrechtes! Wahre ״Selbstbestimmung“ fängt im Herzen, im Charakter an!! Förster sagt in seiner ״Lebensführung“: ״Die gesunde Beziehung zur Gemeinschaff ist erst möglich, wenn der einzelne die dumpfe soziale Knechtschaft der Meuschenfurcht und Gefallsucht überwunden hat und als freier Mensch zur Gemeinschaft zurückkehrt. Er kann der Gemeinschaft erst dann! etwas geben, wenn er nicht mehr ihr Sklave und Echo ist“. Das sind wunderbare Worte, die ein jeder beherzigen kann. Und wie beim einzelnen Menschen, so bei Völkern! Wir Juden müssen uns ״selbstbestimmen“! Selbstbestimmen in unserer Eigenart als Gesetzesnätion, als Volk Gottes, als Tauroh-Volk. Abwerfen müssen wir die dumpfe Knechtschaft in! die wir selbst unseren Geist und unser Ideal verbannt haben! Wir müssen unseren Volkskörper von allen Schlacken befreien, von all den zersetzenden, fremden Kultur- und — Unkulturelementen. Unsere Tauroh muß uns als hehres Ideal vorschweben, dem wir unermüdlieh nachgehen, die uns den Weg weisen soll, der uns als freie, selbständige und ״selbstbestimmte“ Juden zur Gemeinschaft zurückführt. Wenn wir uns so. als Leitstern immer

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