Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 5 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 88 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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88 sich im Verlaufe des Krieges an der Judenheit vollzogen, mehr, als die Tatsache, daß die Judenheit Forderungen stellen kann, vom Objekt zum Subjekt des Weitgeschehens geworden ist, daß das jüdische Volk am grünen Tisch nicht geschoben, sondern aktiv über sein Schicksal bestimmen kann, Goldmann tritt für Politisierung des jüdischen Volkes ein, hebt zwar besonders hervor (S. 28), daß die jüdische Juden- .heit keine politische Nation sei, was ihn indessen nicht zu glauben verhindert, daß die Einzigartigkeit des Gottesvolkes nicht prersgegeben sei, wenn es ״in de! Kreis der anderen Völker eintrete, nationale Politik gleich ihnen führe.“ Nur die Mittel der anderen müßten wir übernehmen, um unsere Aufgaben erfüllen zu können. ״Unsere Nationalisierung bedeutet lediglich unsere Politis i e r u n g“. Als ich diesen Satz las, den Geist der Abhandlung atmete, mußte ich unwillkürlich an die ״Messiasspuren“ denken: Zionismus ist krasser Politizismus. Wir sind von Nahum Goldmann sonst Besseres gewohnt (״Von der weitkulturellen Bedeutung des Judentums“ und Artikel im ״Juden“); hier hören wir viel zionistsi'che Phrase, Schlagwort und ״Zeitgeist“. Ernst ßaruch. Viktor Ch. Arlosoroff: ״Der jüdische V05kssoziallsmus“ 1919. Einer der Herausgeber des Organs der zionist.sehen volkssozialistischen Partei Hapoel-Hazai'r ״Die Arbeit“, Viktor Ch. Arlosoroff hat eine Broschüre erscheinen lassen, die ob ihrer Gründlichkeit und Aktualität, sowie der immer größere Kreise ziehenden Anerkennung wegen eine eingehende Besprechung verlangt. Der Verfasser entwickelt — um den Poel-Hazair zu rechtfertigen — die Gründe, aus denen er den ״Poale-Zion“ ablehnen muß. Dieser übei trägt einfach die sozialistischen Theorien eines Marx auf das jüdische Volk, das in seiner wirtschaftlichen Konstruktion und Gliederung für klassenbewußtes Proletariat und Kapitalismus, als stark hervortretende Gegensätze, keinen Raum hat, da die wirtschaftliche Basis für das Auswirken solcher Bestrebungen fehlt. Der ״Poale-Zion“ nimmt den nationaljüdischen Gedanken — wie ihn der Zionismus versteht — nur bedingt neben der Internationale an, und verlangt Realisierung der sozialistischen Lehren in Palästina ohne besondere Einstellung und Umstellung auf die Konstellation, die Eigenarten des jüdischen Volkes und Landes. ״Der jüdische Sozialismus muß eindeutig und klar national sein, nicht nur im Sinne der Einheit des ganzen jüdischen Volkes, im Zuge seiner Geschichte und seiner historischen Kultur, sondern auch wirtschaftlich national bestimmt.“ (S. 14.) Ein national nicht konsolidiertes Volk darf mit dem Internationalismus nimmer spielen. Weiter wird die wirtschaftliche Situierung des jüdischen Volkes unbemäntelt dargestellt und mit Ziffern belegt; es zeigt sich da die wurzellose Luftmenschenkultur, — eine Galutherscheir.ung —, im Osten und Westen, hier der Makler, Händler — dort der Literat, Künstler, Arzt, Rechtsanwalt, fast nirgends am Boden haftende, produktive Wirtschaft, schaffende Kräfte, überall völlige Trennung von der Natur. In agrar-wirtschaftlicher Hinsicht ist nichts vorhanden, der Kaiser hat das Recht und der Sozialismus vorläufig die Aktionsmöglichkeit verloren. Das Produzieren von scharf herausgearbeitetem Klassengegensatz, wie ihn der Poale-Zion autrichten will, ist widersinnig, unmöglich, unjüdisch. Die palästinensische Arbeiterbewegung, die sich unter dem Namen ״Hapoel-Hazai'r“ konstituiert, will die Erneuerung des jüdischen Menschen in Palästina, das eine gesunde, sozialistische, produktive Wirtschaft hervorbringen soll. Für das bisherige Versagen der Kolonisation führt er drei Gründe an, deren wichtigster mir der folgende zu sein scheint. Man kaufte Land, das jedoch, um billige Arbeitslöhne zu erzielen, von arabischen Felachen bebaut wurde, ließ also außer Acht, ״wie bedeutsam die Arbeit für den nationalen Charakter eines Landes