Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 5 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 89 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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89 ist". Es muß jetzt den mannigfaltigen Übeln durchgreifend gesteuert werden. Die kulminierende Forderung ist die seelische Umstellung des arbeitenden Menschen selbst. Die materialistische Geschichtsauffassung kann nicht restlos bejaht werden, da wir ״Menschen mit einer Seele und mit einem Recht auf diese Seele sind“. Arlosoroff sieht nicht in Fabriken, Großbetrieben, dem Geldsystem eine kapitalistische Weltordnung, sondern der Geist ist ihm das Wesentliche. ״Nicht historischer Materialismus, nur Höchstspannung des nationalen Idealismus kann im jüdischen Volke die Kräfte erzeugen, die stark genug und fähig sind, in Palästina Voraussetzungen für eine vollkommen normale und freie Entwicklung der arbeitenden jüdischen Massen zu schaffen“. Richtig, in seiner ganzen Schwere gewürdigt ist das Araberproblem und die Möglichkeit naher, schwieriger Komplikationen gestreift, das wichtigste aber ist die Schaffung einer jüdi_ sehen Majorität im Lande, hierzu sind arbeitende Massen unbedingt erforderlich. Im Gegensatz zu den beiden anderen jüdisch-sozialistischen Bewegungen ״Bund“ und ״Poale Zion“ nimmt ״Hapoel-Hazai'r“ zum Kulturproblem eine Sonderstellung ein. Er verlangt Hebräisierung des jüdischen Volkes. Diese Forderung wird durch das Anerkennen geschichtlicher Erkenntnisse motiviert, die der ״Poale-Zion“ und ״Bund“ mit ausschließlich materialistischer Auffassung — die das Bestehende sanktioniert — ablehnt. Arlosoroff schlägt ein, Ubergangsstadium (Evolutionärer Hebräismus) vor. Es wird Pflicht der gesetzestreuen Judenheit sein, den Kindergarten — und Volksheimgedanken, der seit einigen Jahren bereits in die Praxis umgesetzt wird, zu dem ihren zu machen, damit der neuen Generation wirklich jüdische Werte vermittelt werden können. Nichts hebt die Stellung des ״Poel-Hazair“ zum jüdischen Gesetz klarer hervor, als: ״Nicht eine Kultur der Enge und der Dogmas, sondern eine Kultur des Lebens“, soll ״den Geist der befreiten, jüdischen Menschen formend in seine Erneuerung schließen". Ich glaube, nicht fehl zu gehen, wenn ich Erneuerung gleich ״Abfall“ setze. In wenige Worte gepreßt ist der jüdische Volkssozialismus ״eine Bewegung", die das jüdische Volk als schaffendes und gleichberechtigtes Glied in den Bund der sozialistischen Völker einstellen will, die dennoch im tiefsten wahrhaft und edel national ist, eine Bewegung, die Palästina mit dem Willen des Idealismus erobern, das Galuth einer nationalen und sozialen Zukunft entgegenführen, die hebräische Kultur im Bewußtsein der geschichtlichen Einheit des Volkes erneuern und fördern will“. — Was sagen wir dazu? Sozialisten sind wir alle, schon bevor Marx, Lassale — Söhne unseres Volkes — lebten, wir hatten die wirtschaftliche Basis, die sozialistischkommunistisch, die zugleich (um die Arbeitslust und -kraft, die der moderne Sozialismus untergräbt, zu erhalten und zu heben), die ungehinderte Möglichkeit des Schaffens und Streben« gewährleistete. Im 7. Jahr, im Schwiith verfiel das Privatvermögen dem Staate wieder, sodaß dann eine neue Weltordnung ohne Blutvergießen, ohne Revolution ansetzte. Für Erez Jisroel verlangen wir Wiederherstellung des von השיי vorgeschriebenen Zustands. Um dies zu erreichen, darf kein Schritt unversucht bleiben, kein ehrliches Mittel gescheut werden, hierbei wird uns der auch von sozialistisch-zionistischer Seite als ״Fraktion“ bezeichnete Misrachi (S. 67) unterstützen. Berthold Strauß. ״Das Obergutachten im Gotteslästerimgsprozeß Fritsch". Beleuchtet von Geheimrat Ed. König in Bonn. 1918 (Verlag von Adler & Borei Dresden G. 66). Der Herausgeber des ״Hammers“, der Antisemit Theodor Fritsch hat bekanntlich sein Pamphlet: ״Beweismaterial gegen Iw“ während des Krieges (1916) neu herausgegeben, nachdem er 1914 durch das Obergutachten ״Judenfeind, schaff oder Gotteslästerung?“ des jetzigen Rektors der Leipziger Univer. sität. Prof. Kittel, auf dessen Boden sich die Strafkammer gestellt hat. im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen worden war.