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Blätter · 1919-05-01 · 5 (5.1919) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
5 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 87 (sequence 17)
Language
German
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Denn soeben fahren m׳t lautem Gerassel zwei Wagen am Wirtshause vor. Die jubelnden Kinder werden in sie verstaut. Eine schwere Arbeit, denn jedes hat 2 oder 3 Freundinnen erworben, und von denen muß doch auch richtig Abschied genommen werden. Dazu gehört natürlich auch das Versprechen, regen Briefwechsel zu führen, und dazu wieder das Aufzeichnen der Adressen usw. Endlich ist man fertig. Die Pferde ziehen an. Ein letzter Ruf: ״Auf Wiedersehen bei der Gründung der hiesigen Ortsgruppe!“ Durch Blütenduft im Mondenschein geht die köstliche Fahrt. Alle Herzen sind voll. Ja, Israel ist doch eine Familie. Zu Hause, woselbst man telefonisch benachrichtigt ist, wird noch alles schnell erzählt. Morgen ausführlich! Die kleine Ruth meint nur noch, als sie schlafen geht: ״Wie schön! ist es doch, daß es so wenig Kohlen gibt!“ Frankfurt a.•M. Heinrich Einstädter. Literarische Rundschau. Den ״Blätern“ ist eine ״literarische Rundschau“ angegliedert worden. Was bezweckt sie? Kritiken im üblichen Sinne sollen nicht gegeben, dafür sorgen andere jüdische Zeitungen und Monatsorgane, vielmehr Stellung zu den brennendsten Tagesfragen an Hand von Büchern, Zeitschriften genommen, diese besprochen und Anregungen gegeben werden. Um systematisch Vorgehen zu können, wird demnächst eine Betrachtung über die Gliederung des jüdischen Geisteslebens (sein konkreter Niederschlag: Wochen-, Monatsschriften, Bücher) folgen. B. Str. Der R. Löwit Verlag, Wien, gibt in zwangloser Reihenfolge ״Jüdische Handbücher“ heraus, von denen bisher zwei Hefte (1. ״Ein kurzer Gang durch die Geschichte der jüdischen Literatur“ und 2. ״Durch die jüdische Geschichte“) von Prof. M. Braun erschienen sind. Brauns Geschichts-Auffassung ist am besten und deutliebsten mit dem Hinweis darauf geklärt, daß er denjenigen, der nähere Belehrung über einzelne Zeiträume sucht, auf Graetz verweist. Durch die Kürze und Oberflächlichkeit, an der solche Arbeiten immer leiden, tritt die Tendenz nicht so deutlich hervor, doch erkennt man aus einigen Stellen klar (wollte man Brauns Stellung zum gesetztreuen Judentum allein aus diesen beiden Schriften beurteilen), daß Dr. Braun zum Judentum in einem recht passiven Verhältnis steht (z. B. 235 legt Braun dem Chanukafest ״eine fromme Sage“ zu Grunde). Trotzdem sind die beiden Handbücher für unsere Jugend nicht zu verwerfen, da ihnen jede tiefere Einwirkung abgeht. Der R. Löwit Verlag sorgt — wie immer — für schöne geschmackvolle Ausstattung, das sei noch (im Gegensatz zum ״Jüdischen Verlag“ Berlin) besonders hervorgehoben. E. B. Die drei Forderungen des jüdischen Volkes von Nachum Goldmann. Jüdischer Verlag Berlin 1919. Nahum Goldmann, ein der Öffentlichkeit durch seine Wandervorträge und zahlreichen guten Arbeiten bekannter junger Zionist, hat eine ca. 30 Seiten umfassende Broschüre herausgegeben, in der er die Forderungen: ״Palästina, nationale Autonomie im Osten und Gleichberechtigung in allen Ländern“ von seinem zionistischen Standpunkte aus begründet. Nichts charakterisiert ihm die außerordentliche Wandlung, dit

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