Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 5 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
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84 Zwei aussichtsreiche Gewerbe im heiligen Lande. Rabbiner J. Horovicz, Ierusalem. Vor dem Kriege gab es etwa 250 Sofrim in Jerusalem, die sich von ihrer Handarbeit ernährten. Es handelt sich hierbei um durchweg arbeitsame Männer, die ia ihrer Genügsamkeit auch mit einem kümmerlichen Fortkommen zufrieden sind. Nach Ausbruch des Krieges hat durch die plötzliche Stockung des gesamten internationalen Verkehrs mit einem Male jeder Handel aufgehört. Durch Schließung der europäischen Postämter war es nicht mehr möglich, die fertigen Waren unbeschränkt ins Ausland zu senden und obwohl überall Mangel an Tefilin und Mesusoth herrschte, mußte die Herstellung und der Vertrieb unterbrochen werden. Die Sofrim-Familien und Pergamentarbeiter waren brotlos geblieben. Im zweiten Kriegsjahre hat unsere Pekidim- Verwaltung den Verband der Ritualienschreiber und Pergamentarbeiter ״אגרת הסופרים הכללית וחרשת הקלף“ יסוד פקדי ואמרכלי אמשטרדם ins Leben gerufen und demselben die finanziellen Mittel zur Fortsetzung der Arbeit zur Verfügung gestellt. Nur ein kleiner Teil der fertigen Ritualien konnten nach Frankfurt (Main) und Amsterdam geschickt werden. Mit der allgemeinen Besserung der politischen und Wirtschaft, liehen Verhältnisse in Palästina hat auch diese gewerbliche Gründung einen vielversprechenden Aufschwung genommen. Unter dem Titel מסכת סופרים veröffentlicht die Verbandsleitung den Geschäftsbericht für die Zeit von Jjar 5678 bis Schwat 5679, dem wir folgende recht erfreuliche Mitteilungen entnehmen: 51 Sofrim haben Thora-Rollen geschrieben. Für die Abteilung Mesusoth haben 31 Sofrim gearbeitet. Parschioth für Tefilin haben 13, Megiloth 10 Sofrim geschrieben. Tefilin-Gehäuse wurden von 18 Spezialisten angefertigt. Zizisspinner gab es 3. Pergament und Gidin-Arbeiter 12, Tagimschreiber 5. Eine gut eingerichtete Sofrimschule mit 32 Zöglingen wird von 4 Meistern geleitet 5 autorisierten Magihim, hervorragende Thoragelehrte, war die vorgeschriebene Uber-Prüfung der fertigen Ritualien überantwortet. In der Berichtszeit (zehn Monate) wurden hergestellt: 78 Thorarollen, 18821 Mesusoth, 3742 Tefilin, 198 Megiloth, 8991 Pergamenthäute etc. Bei einem Verkehr von £ 512213 stellt sich heraus ein Uberschuß von £ 160.40. Die Verbandsmitglieder verdienten im Verhältnis zu den gelieferten Arbeiten 1—2 £ wöchentlich. Das Hauptabsatzgebiet war Amerika. Dann folgt Holland, England und Frank, reich. Die Rabbinate von London, Paris, Amsterdam und Newyork haben die Gemeinden offiziell aufgefordert, den Bedarf an Ritualien von unserem Jerusalemer Verband zu beziehen. Die Mitglieder des Verbandes, lauter Talmide Chachomim, rekrutieren sich aus sämtlichen Gemeinden Jerusalems. Am meisten vertreten sind die Yemeniten, dann Angehörige der verschiedenen russischen Gemeinden, Sefardim und Ungarn. Die Jerusalemer Berufssofrim sind berühmt durch ihre besondere Tüchtigkeit und Handfertigkeit, und es braucht nicht erwähnt zu werden, daß sämtliche Ritualien unter der gewissenhaften Aufsicht hergestellt werden, die ihre Heiligkeit erfordert. Es wären noch erhebliche finanzielle Mittel erforderlich, um den Betrieb des Sofrimgewerbes sowohl in Jerusalem als auch in Hebron, Tiberias und Saffed auf möglichst breiter Grundlage zu sichern. Das Bedürfnis nach diesen Erzeugnissen ist in der Diaspora reichlich vorhanden, und es kommt nur darauf an, seine laufende Befriedigung vom heiligen Lande aus zu sichern. Nach dem Zuge der Zeit zu urteilen,