Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 5 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 78 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Wir sprechen von den ewigen Gesetzen, nach denen die Himmelskörper jahraus jahrein ihre Bahn vollenden müssen. Und wir erfassen, daß die Erkenntnis, die wir von diesen Naturgesetzen desitzen, durchaus nicht so objektive Gültigkeit beanspruchen darf, wie es scheinen könnte, da wir das Naturgeschehene und die Ordnung, die in der Natur herrscht, unter einem ganz bestimmten Gesichtswinkel betrachten und da durch diese Betrachtungsweise eben nur ein Bild von dieser Ordnung entsteht: d. h. diese ״Naturgesetze“ enthalten einen recht bedeutenden subjektiven Faktor. Und wir erkennen weiter, daß unser ganzes Wissen, auf das die Menschheit so stolz ist, zum großen Teile — und zwar gerade in den Teilen, die für die Blldüng einer Weltanschauung von Bedeutung sind — nur relative Gültigkeit desitzt, daß es voraussetzungslose Wissenschaft gar nicht gibt und daß durch diese Voraussetzungen das ganze Wissen, das auf ihnen aufgebaut ist, einen hypothetischen Charakter erhält. Dann sehen wir auch die Wahrheit eines Ausspruches ein, den ein bedeutender Naturforscher in einer seiner Vorlesungen resigniert getan hat: Wir Menschen werden nie die volle Wahrheit erkennen; was wir mit all’ unserem Forschen erreichen, das ist im besten Falle, daß wir an Stelle eines größeren Irrtums einen kleineren setzen“. Bei einer solchen Auffassung schwindet der Gegensatz von Glauben und Wissen; denn auch das sogenannte ״Wissen“ ist nicht unabhängig vom Glauben, und unsere Weltanschauung kann einheitlich und undurchbrochen bleiben durch neue Erkenntnisse der Wissenschaft. Freilich bedarf es zur Festigung unserer Weltanschauung noch vieler Arbeit: Heimabend und persönliche Beeinflussung des einzelnen durch den Führer werden das zu vollenden haben, wozu die Wanderung die Anregung gegeben hat. So soll die Wanderung nicht nur auf das Gefühl wirken, sondern auch das Denken anregen und zur Schaffung einer einheitlichen Weltanschauung veranlassen. Und diese Weltanschauung, sie wollen wir nicht trotz der Wissenschaft, sondern i m engen Bunde mit ihr begründen. Bis zu den letzten Erkenntnissen der Wissen- Schaft wollen wir unsere Jugend führen und ihnen dann zeigen, wie wahres Wissen niemals in Gegensatz zur jüdischen Lehre stehen kann. Bewußte, überzeugungstreue, begeisterte Juden wollen wir werden in Wissen, Handeln und Glauben. Und dazu soll uns die Wanderung helfen. Breslau. Kurt Friedländer. I# flgadisches zur Gesetzgebung. Ein Galiläer trug im Lehrhause des R. Chisda folgendes vor: Gepriesen sei der Allbarmherzige, der dreifaches Licht (Thora, Newiim und Kesuwim) dem dreifachen Volke (Kohanim, Leviten und Israeliten) durch Vermittlung der D r i 11 - geborenen (Moses war der drittälteste nach Aron und Mirjam) am dritten Tage (nach der Abgrenzung) im dritten Monat (Sivan) verliehen hat. * * * ״Und sie standen unterhalb des Berges (M. II. Kap. 19)“. Rabbi Abdiml; Sohn Chassas erklärt: Wie ein Faß stülpte Gott den Sinaiberg über ihre Köpfe und sprach: ״Wollt ihr die Thora annehmen, dann heil euch, im widrigen Falle werdet ihr aber hier euer Grab finden“. R. Acha, Sohn Jakobs möchte aus der Tatsache, daß