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Blätter · 1919-05-01 · 5 (5.1919) · p. Seite 75

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Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
5 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 75 (sequence 5)
Language
German
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75 ist nicht Bekämpfung der Träger anderer Weltanschauung, das Ziel ist vielmehr lediglich, die Agudo-Anhänger zu gehämmert überzeugungstreuen Trägern der Thora zu festigen. Schließlich wird die Ortsgruppe unablässig darauf bedacht sein müssen, neue Mitglieder am Orte zu gewinnen (die bevorstehenden Wahlen zur Kcnessio gedaulo drängen zu besonders eiliger Arbeit dieserhalbl), für die Fonds der Agudo Hand und Herz zu werben und, wo es die Umstände zulassen, an benachbarten Orten neue Gruppen ins Leben zu rufen und bestehende zu stärken. Zwecks Gründung von Jugend- und Esra-Gruppen wende man sich an die Agudas lisroel Jugendorganisation in Frankfurt a. M., Am Tiergarten 8. Halberstadt. Gruppenverband der ״Agudas Jisrocl* in Deutschland. Wanderung. Als wir vor nunmehr 4 Jahren den Jeschurun in Breslau gründeten, da geschah dies aus der Not der Zeit heraus, da geschah es, weil wir mit Schmerz und Betrübnis sahen, wie die verderbliche Unkenntnis der jüdischen Schriften selbst unter der aus gesetzestreuen Häusern stammenden jüdischen Jugend immer weitere Kreise zog, und weil wir klar erkannten, daß diese Unkenntnis zum größten Teil daran schuld war, wenn ein zu nichts verpflichtender Nationalismus oder ein radikal gegen das Gottesgesetz vorgehender Libera ismus als vollwertiger Ersatz für das thoratreue Judentum oder gar als Fortschritt diesem gegenüber betrachtet wurden. Aus dieser Erkenntnis heraus sammelten wir die thoiatreue Jugend, richteten Lehrstunden ein, und die Dozenten hatten schon nach kurzer Zeit die Genugtuung, daß eine stetig wachsende Schar von Schülern sich um sie scharte. Doch bald erkannten wir, daß cs mit dem Lernen allein nicht getan sei, wollten wir unser Ziel erreichen: die Erziehung unserer Mitglieder zu bewußt thoratreuen Juden. Wir sahen ein, daß wir unserer Jugend als Gegengewicht gegenüber dem Mrieu und den Anschauungen, unter denen sie den größten Teil ihrer Zeit zubringen mußten, jüdisches Leben und durch dieses jüdische Weltanschauung vermitteln mußten. Dieses Ziel versuchten wir mit Hilfe der Wanderungen und Heimab ende zu erreichen. Sie, die wir bisher nur als Propagandamittcl benutzt hatten, wurden uns auf diese Weise Selbstzweck und wuchsen sich, je mehr wir sie ansbauten, zu immer bedeutenderen Faktoren in' unserem jüdischen Erziehungswerk aus. Besonders die Wanderungen erwiesen sich als ungemein geeignet, jüdische und allgemein-religiöse Werte zu schaffen. Denken wir zunächst an die großen mehrtägigen Wanderungen, auT denen durch das dauernde Beisammensein einer k einen Gruppe, durch das gegenseitig Aufeinanderangewiesensein, durch das gemeinsame Erleben von Freud und Leid, sich leicht die Erkenntnis Bahn bricht, daß die Teilnehmer nicht zufällig zusammen gewürfelt sind, sondern daß alle ein zunächst unerklärliches Gemeinsames im Denken, Füh'cn und Wollen haben: es entsteht das Gemeinschaftsgefühl und dieses wird schnell zum Volksgcfühl. Doch so herrlich cs auch ist, eine solche Erkennt, nis so rein intuitiv erlebt, nicht aus Büchern geschöpft zu haben, so gefährlich kann

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